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Globale Energieversorger erwarten durch Deregulierung niedrigere Preise

06.02.2002


Studie zeigt Zweifel an der Stabilität des Marktes in Krisenzeiten

Weltweit glauben über zwei Drittel aller Versorgungsunternehmen, dass die Deregulierung des Energiemarktes ein Erfolg war - selbst wenn die Akzeptanz in vielen Ländern in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem herrscht Unsicherheit darüber, wie man unter den neuen Umständen bei unerwarteten Krisen reagieren soll. Aufgrund des stärkeren Wettbewerbs stehen die Reduzierung von Kosten und die Leistungsoptimierung im Vordergrund. Dies ergab die erste internationale Studie in der Versorgungswirtschaft von Cap Gemini Ernst & Young.

Um die Auswirkungen der Deregulierung auf weltweite Versorgungsunternehmen zu untersuchen, wurden mehr als 100 Entscheider aus über 85 Energieversorgungsunternehmen befragt. In Deutschland sind sechs Unternehmen, die die Struktur der Branche abbilden, befragt worden. Die Erhebung zeigt die zentralen Herausforderungen, denen sich Energie- und Versorgungsunternehmen aufgrund der globalen Deregulierung des Marktes stellen müssen. Im Einzelnen sind dies die Beseitigung der politischen und rechtlichen Hindernisse, Sicherung von Effizienz und Profitabilität, Verbindungen und freier Austausch zwischen den Teilmärkten sowie durch Erzeugungskapazitäten abgesicherter Handel.

"Durch die Deregulierung bei den Energieversorgern hat sich der Markt stark verändert. Es gibt klare Hinweise aus den betroffenen Unternehmen, dass die derzeitige Stimmung positiv ist", erläutert Dr. Frans Baumanns, Leiter des Geschäftsbereichs Energy, Utilities & Chemicals bei Cap Gemini Ernst & Young Zentraleuropa. "Viele begrüßen die Liberalisierung, die zu vielfältigen Veränderungen in den Unternehmen geführt hat - trotz verschiedener Geschwindigkeiten und mit unterschiedlichem Erfolg."

Wirtschaftliche Unsicherheit wird von den Befragten als Teil ihres neuen Marktes akzeptiert. Allerdings bestehen gegenüber den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen immer noch erhebliche Bedenken, besonders wegen der mangelnden Klarheit bezüglich Marktregeln und Standards. So ist Deutschland zum Beispiel der einzige große Markt ohne Regulierungsbehörde. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller setzt hierzulande auf Vereinbarungen der Verbände und die Kontrolle durch die Kartellämter.

Die Befragten gaben an, dass eine verlängerte Übergangsperiode mit uneinheitlichen Signalen der Regulierungsbehörden ihre Zuversicht auf eine effektive Marktregulierung gemindert hat. Der Versuch, Systeme aufzubauen, die den Anforderungen einer sich ändernden Landschaft gerecht werden, hat dazu geführt, dass viele Versorgungsunternehmen verunsichert sind. Verbesserte Kontrollmethoden dieses Regulierungssystems scheinen entscheidend zu sein, um das Vertrauen wieder zu stärken.

"Viele Ereignisse wie beispielsweise die "kalifornischen Energiekrise", bei der Versorger des amerikanischen Bundesstaats Elektrizität in Oregon und Kanada zugekauft werden musste, um die Versorgung aufrecht zu erhalten, bankrotte Versorger oder die Ungewissheit über die zukünftige Ausrichtung der Federal Energy Regulatory Commission (FERC) und der Europäischen Kommission haben das öffentliche Vertrauen in die Energieversorger weltweit erschüttert", erklärt Baumanns. Doch seiner Ansicht nach ergeben sich hierdurch unschätzbare Erfahrungen und Lernchancen, die man bei den komplexen Herausforderungen seitens der Politik und Gesetzgebung jetzt sehr gut einsetzen kann.

Die Deregulierung soll eine spürbare Effizienzsteigerung bringen. Die sichtbarste davon sollen niedrigere Preise sein. Allerdings haben sich die erwarteten Preissenkungen nicht automatisch eingestellt, da es Probleme bei Effizienz und Effektivität der Großhandelsmärkte und den Preisstrukturen gab. Erfahrungen aus bereits regulierten Märkten zeigen, dass Faktoren, welche die Markteffektivität negativ beeinträchtigen, überwunden werden können.

Darüber hinaus war vor allem in Europa die Mehrheit der Führungskräfte der Ansicht, dass es durch die Deregulierung schwerer wird, Gewinne zu machen. Eine Reihe von Märkten hat anfangs erhebliche Preissenkungen erfahren, die sich allerdings nicht global durchsetzten. In den USA beispielsweise hat eine stärkere Orientierung des Angebots an der Nachfrage die Preise bei den Großhandelsprodukten erhöht und die Gewinnspannen unter Druck gesetzt. Als Ergebnis der langjährigen Erfahrung mit vorgelagerten wirtschaftlichen Verhandlungen waren Gasunternehmen für die zu erwartenden Preisschwankungen in diesem Fall besser gerüstet als die hier weniger erfahrenen Elektrizitätskonzerne.

Die Erhebung zeigte auch, dass eine überstimmende Forderung nach stärkeren Verbindungen und Austausch zwischen den Märkten besteht. Angesichts des zögerlichen Fortschritts haben die Befragten Zweifel, dass die Kapazitätsprobleme und Fragen der Marktregeln schnell gelöst werden können. Die globalen Versorgungsunternehmen haben zwei Hauptanforderungen, um effektive Verbindungen zwischen den Märkten sicherzustellen: Als Erstes sollte Europa dem Vorbild der Vereinigten Staaten folgen, indem die Marktregeln sehr viel stärker standardisiert werden. Als Zweites muss sich der Regelbildungsprozess ändern. In Europa gibt es keinen einzelnen Regulator, während in den Vereinigten Staaten Ungewissheit über das Zusammenspiel von Federal Energy Regulatory Commission (FERC) und der Regulierung der einzelnen Bundesstaaten besteht. Eine engere Ausrichtung an die Regulierungsagenda und eine klares Engagement von allen Seiten ist hier erforderlich.

Die Studie zeigt, dass die Bedeutung des Handels in den deregulierten Märkten sehr hoch bewertet wird. Während aber viele Unternehmen die Optimierung von Produktionskapazitäten als bevorzugte Strategie angeben, besteht keine Einigkeit darüber, ob die Händler durch die Rücksicherung mit vorhandenen Kapazitäten profitieren. Wenn die Händler Vertrauen in die Großhandelsmärkte und Transportarrangements haben, können sie profitabel handeln, ohne dass konkrete physische Anlagen erforderlich sind. Die Befragung enthält aber Hinweise darauf, dass dieses Vertrauen nicht vorhanden ist, und Gesellschaften, die eigentlich für ihre Ausrichtung auf den Handel bekannt sind, beginnen konkrete physikalische Portfolios aufzubauen.

Bei der Deregulierung wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Teilnehmer der Umfrage hoben bestimmte Attribute hervor, die ausschlaggebend für den Erfolg sind. Ganz oben auf der Liste steht die Klarheit von Strategie und Ausrichtung, ein effektiver Einsatz von Technologie sowie eine klare und engagierte Ausrichtung auf die Kunden.

Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal scheint allerdings die Flexibilität und die Lern- und Anpassungsfähigkeit einer Organisation zu sein. Baumanns: "Es besteht kein Zweifel, dass die Deregulierung für alle Beteiligten eine große Herausforderung bedeutet. Wie die Ergebnisse der Studie betonen, ist vieles jenseits der Kontrolle der Unternehmen. Diejenigen, die diese Herausforderungen akzeptieren und schnell übernehmen, werden als Sieger hervorgehen und von den Vorteilen einer deregulierten Zukunft profitieren."

Thomas Becker | ots
Weitere Informationen:
http://www.de.cgey.com.

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