Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wir brauchen ein Apollo-Programm für die Energieversorgung

21.07.2006
7. Tag der Technik in Bayern/Energieversorgung

„Die ausreichende Verfügbarkeit sekundärer Energien für die mobile Gesellschaft stellt die größte Herausforderung in diesem Jahrhundert dar“. Diese Quintessenz zog Professor Dr. Wolfgang Schröppel anlässlich des vom VDI, der TU München und dem VDE veranstalteten 7. Tages der Technik in Bayern. Dabei würden neben den traditionellen Energieträgern wie Wasser, Kohle, Erdgas und Uran erneuerbare Energien wie Biomasse, Wind und Sonne einen nennenswerten Beitrag zum zukünftigen Energiemix beitragen. Aber auch die Kernenergie werde eine Renaissance erleben.

Schröppel unterstrich, dass die Energieversorgung auch vor dem Hintergrund explodierender Ölpreise immer mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücke. Der derzeitige Weltbedarf an Energie belaufe sich derzeit auf knapp 20.000 Terawattstunden (TWh). Diese Nachfrage werde bis 2050 in Abhängigkeit vom Wachstum der Weltbevölkerung auf 45.000 bis 70.000 TWh steigen.

„Großbritannien steigt wieder in die Kernenergie ein und plant zehn neue Kernkraftwerke“, verdeutlichte Schröppel. Deutschland stehe im Gegensatz hierzu mit seinem eigenen Weg innerhalb der EU isoliert da. Vor dem Hintergrund der sich anbahnenden Energiekrise dürfe die Kernenergie nicht länger tabuisiert werden. Unabhängigen Studien zufolge zeichne sich auch ab, dass die gemäß dem Kyoto-Protokoll angestrebte Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes nicht eingehalten werden könne. Vielmehr gehen neueste Erhebungen davon aus, dass es nach einer vorübergehenden Absenkung der Emissionen ab 2010 zu einem erneuten Anstieg komme, der bis 2010 bei 130 Prozent des Wertes von 1990 liege. Verantwortlich hierfür sei vor allem die weltweite Zunahme des Individualverkehrs. Schröppel: „Allein die Vorstellung, alle Chinesen fahren genauso viele Autos wie die Nordamerikaner, lässt einen vor dieser Herausforderung erschaudern“.

Neben der Bereitstellung von immer mehr veredelter Energie müsse gleichzeitig sparsamer und effizienter mit der verfügbaren Sekundärenergie umgegangen werden, plädiert Schröppel. Die Effizienz des Energieeinsatzes in den verschiedenen technischen Prozessen müsse gewaltig gesteigert werden, um den Menschen eine Zukunft in Wohlstand mit hoher Lebensqualität zu sichern. Schröppel im Klartext: „Wir brauchen ein Apollo-Programm für die Energieversorgung der Zukunft.“

Potenziale in der Reduzierung der Kohlendioxidemissionen sieht Schröppel zum einen im Austausch von veralteten Kraftwerken gegen neue mit deutlich verbesserten Wirkungsgraden, aber auch in der CO2-Sequestrierung und dem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Auch unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes sei ein Ausstieg aus der Kernenergie zum jetzigen Zeitpunkt wenig sinnvoll. Langfristig sieht Schröppel auch in der Kernfusion Chancen. „Wir stehen momentan bei 16 MW Fusionsleistung, die für zwei Sekunden stabil gehalten werden kann“, verdeutlicht Schröppel. Vor 30 Jahren Jahren habe man das Plasma gerade für zwei Mikrosekunden stabil halten können. Das entspreche einer Verbesserung um den Faktor 106! Wenn sich diese Erfolge fortsetzen ließen, könne die Fusionsenergie ab 2040 zur Bereicherung des Energiemix beitragen.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.vde.com

Weitere Berichte zu: Apollo-Programm Energieversorgung Kernenergie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck
18.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

nachricht Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie
17.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen

19.07.2018 | Studien Analysen

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics