Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BSH gibt grünes Licht für ersten Offshore-Windpark in Deutschland

09.11.2001


Ab heute beginnt ein neues Zeitalter für die alternative Energiegewinnung in Deutschland.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat die Errichtung eines Offshore-Windparks genehmigt. In einer ersten Pilotphase darf das Energieunternehmen Prokon Nord 12 einzelne Windenergieanlagen errichten, die in der Nordsee 45 Kilometer nordwestlich von Borkum bei einer Wassertiefe von ca. 30 Metern geplant sind. Damit ist Prokon der erste von insgesamt 16 Antragstellern (28 Anträge), der mit der Realisierung seines Vorhabens starten kann.

Die BSH-Genehmigung bezieht sich zunächst nur auf einen kleinen Teil der insgesamt beantragten 208 Windenergieanlagen (WEA), erläuterte BSH-Präsident Dr. Peter Ehlers am Freitag in Hamburg. Die zur Genehmigung erforderliche Feststellung, das durch Offshore-Windenergieanlagen weder die Sicherheit des Verkehrs noch die maritime Umwelt gefährdet wird, könne derzeit für die als Pilotphase genehmigten 12 Einzelanlagen getroffen werden. Wenn mit diesen Anlagen weitere praktische Erfahrungen über die Auswirkungen dieser relativ neuen Variante der Energieerzeugung gemacht seien, werde schrittweise über die vorliegenden 196 WEA entschieden. Auch bei weiteren Genehmigungsverfahren sind die Antragsteller jeweils zu Pilotphasen bis max. 80 WEA verpflichtet, ergänzte Ehlers.

Ergebnisse umfangreicher Begleituntersuchungen zu möglichen Umweltauswirkungen des Prokon-Projekts liegen der jetzigen Genehmigung zugrunde, betonte BSH-Justitiar Christian Dahlke. Ebenso wie die ökologischen Gutachten habe auch eine Risikoanalyse des Germanischen Lloyd zur Sicherheit des Seeverkehrs, die unter anderem der Ermittlung von Kollisionswahrscheinlichkeiten zwischen Schiffen und WEA diente, keine Erkenntnisse gebracht, die eine Versagung der Genehmigung nach der Seeanlagenverordnung rechtfertigten bzw. denen nicht durch Auflagen Rechnung getragen werden könnte. Neben vielen anderen Maßnahmen für die Sicherheit des Verkehrs und den Schutz der Umwelt müsse Prokon beispielsweise das bisherige ökologische Untersuchungskonzept kontinuierlich fortführen, um durch die Installation der Anlagen eventuell entstehende Effekte untersuchen zu können.

Wann die ersten genehmigten Prokon-Anlagen tatsächlich ans Netz gehen, hängt von weiteren Genehmigungen ab, etwa hinsichtlich der Kabeltrassen und Landanbindung, für die das Land Niedersachsen zuständig ist. Ein "Fix-Datum" in der BSH-Genehmigung sieht vor, das mit dem Bau spätestens bis zum 1.Juni 2004 begonnen wird, sonst entfällt die Genehmigung.

Mit der Planung der Windparks werde deutlich, so Ehlers abschließend, dass sich die maritime Wirtschaft neben dem Kernbereich der Seeverkehrswirtschaft mehr und mehr auf andere Nutzungen des Meeres ausdehne.

Eckpunkte der BSH-Genehmigung "Borkum West"

  • Gegenstand: Errichtung und Betrieb von 12 einzelnen Windenergieanlagen (WEA) mit einer Leistung von a 3,5 -5 MW max. 1.040 MW;
  • Antrag vom 8.September 1999: insgesamt 208 WEA;
  • Fläche/Gebiet: 5,6 km2, Nordsee, Borkum West, 43-50 km vom Festland entfernt, Wassertiefe ca. 30 m, (Koordinaten 54o 00,0 N 6o 34,4 E);
  • Qualitätsstandard: Konstruktion und Ausstattung gemäß dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Errichtung.
  • Pilotphase: Realisierung eines zunächst nur kleineren Projektteiles (Teilerrichtungsgenehmigung für 12 WEA), um weitergehende Erfahrungen zu gewinnen mit dieser in Deutschland neuen Variante der Energieerzeugung und deren Auswirkungen.
  • Ausbauphase: Antrag für weitere 196 einzelne WEA ruht bis zur Vorlage der während der Pilotphase gewonnenen Erkenntnisse; Antragsteller muss Planung zur Ausbauphase spätestens 2 Jahre nach vollständiger Inbetriebnahme der Pilotphase mitteilen, anderenfalls gilt Antrag als zurückgenommen.
  • Weitere Bestandteile der Genehmigung: Umfangreiche Auflagen zur Gewährleistung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs sowie zum Schutz der maritimen Umwelt, unter anderem Anordnungen zur Tages- und Nachtkennzeichnung, Schutz- und Sicherheitskonzept mit Pflicht zur Fortschreibung, schadstofffreier Korrosionsschutz, kein TBT, schallminimierter Bau und Betrieb der Anlagen, Abfallwirtschaftskonzept, Kapselung der Bauteile zur Vermeidung von Freisetzung gefährlicher Stoffe.
  • Befristungen:
    1. Die Genehmigung ist auf 25 Jahre nach Inbetriebnahme befristet; Antrag auf Verlängerung vor Fristablauf möglich.
    2. Die Genehmigung erlischt, wenn nicht bis zum 1. Juni 2004 mit den Bauarbeiten für die Installation der Anlagen begonnen wird.
  • Rückbaupflicht: Bei Erlöschen, Ablauf oder Widerruf der Genehmigung und im Falle nicht mehr betriebsbereiter Anlagen, ist die Anlage abzubauen und ordnungsgemäß an Land zu entsorgen; Absicherung der Rückbaupflicht durch Hinterlegung von Bürgschaften vor Errichtung.

    | BMVBW Mailinglistenservice

    Weitere Berichte zu: BSH Offshore-Windpark Pilotphase Prokon WEA Windenergieanlage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Neues Trocknungsverfahren für Batterieproduktion
21.02.2019 | Hochschule Landshut

nachricht Wie man Wärmeleitung einfriert
21.02.2019 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Jet/Hüllen-Rätsel in Gravitationswellenereignis gelöst

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Astronomen des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie hat Radioteleskope auf fünf Kontinenten miteinander verknüpft, um das Vorhandensein eines stark gebündelten Materiestrahls, eines sogenannten Jets zu beweisen, der vom Überrest des bisher einzigen bekannten Gravitationswellenereignisses ausgeht, bei dem zwei Neutronensterne miteinander verschmolzen. Bei den Beobachtungen im weltweiten Netzwerk spielte das 100-m-Radioteleskop in Effelsberg eine wichtige Rolle.

Im August 2017 wurde zum ersten Mal die Verschmelzung zweier sehr kompakter Sternüberreste, sogenannter Neutronensterne, beobachtet, deren vorhergehende...

Im Focus: (Re)solving the jet/cocoon riddle of a gravitational wave event

An international research team including astronomers from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has combined radio telescopes from five continents to prove the existence of a narrow stream of material, a so-called jet, emerging from the only gravitational wave event involving two neutron stars observed so far. With its high sensitivity and excellent performance, the 100-m radio telescope in Effelsberg played an important role in the observations.

In August 2017, two neutron stars were observed colliding, producing gravitational waves that were detected by the American LIGO and European Virgo detectors....

Im Focus: Materialdesign in 3D: vom Molekül bis zur Makrostruktur

Mit additiven Verfahren wie dem 3D-Druck lässt sich nahezu jede beliebige Struktur umsetzen – sogar im Nanobereich. Diese können, je nach verwendeter „Tinte“, die unterschiedlichsten Funktionen erfüllen: von hybriden optischen Chips bis zu Biogerüsten für Zellgewebe. Im gemeinsamen Exzellenzcluster „3D Matter Made to Order” wollen Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Universität Heidelberg die dreidimensionale additive Fertigung auf die nächste Stufe heben: Ziel ist die Entwicklung neuer Technologien, die einen flexiblen, digitalen Druck ermöglichen, der mit Tischgeräten Strukturen von der molekularen bis zur makroskopischen Ebene umsetzen kann.

„Der 3D-Druck bietet gerade im Mikro- und Nanobereich enorme Möglichkeiten. Die Herausforderungen, um diese zu erschließen, sind jedoch ebenso gewaltig“, sagt...

Im Focus: Diamanten, die besten Freunde der Quantenwissenschaft - Quantenzustand in Diamanten gemessen

Mithilfe von Kunstdiamanten gelang einem internationalen Forscherteam ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Hightech-Anwendung von Quantentechnologie: Erstmals konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen den Quantenzustand eines einzelnen Qubits in Diamanten elektrisch zu messen. Ein Qubit gilt als die Grundeinheit der Quanteninformation. Die Ergebnisse der Studie, die von der Universität Ulm koordiniert wurde, erschienen jüngst in der renommierten Fachzeitschrift Science.

Die Quantentechnologie gilt als die Technologie der Zukunft. Die wesentlichen Bausteine für Quantengeräte sind Qubits, die viel mehr Informationen verarbeiten...

Im Focus: Wasser ist homogener als gedacht

Um die bekannten Anomalien in Wasser zu erklären, gehen manche Forscher davon aus, dass Wasser auch bei Umgebungsbedingungen aus einer Mischung von zwei Phasen besteht. Neue röntgenspektroskopische Analysen an BESSY II, der ESRF und der Swiss Light Source zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Bei Raumtemperatur und normalem Druck bilden die Wassermoleküle ein fluktuierendes Netz mit durchschnittlich je 1,74 ± 2.1% Donator- und Akzeptor-Wasserstoffbrückenbindungen pro Molekül, die eine tetrahedrische Koordination zwischen nächsten Nachbarn ermöglichen.

Wasser ist das „Element“ des Lebens, die meisten biologischen Prozesse sind auf Wasser angewiesen. Dennoch gibt Wasser noch immer Rätsel auf. So dehnt es sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mobile World Congress: Bundesamt für Strahlenschutz rät zu Handys mit geringem SAR-Wert

22.02.2019 | Veranstaltungen

Unendliche Weiten: Geophysiker nehmen den Weltraum ins Visier

21.02.2019 | Veranstaltungen

Tagung rund um zuverlässige Verbindungen

20.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Zeit atomarer Vorgänge auf der Spur

22.02.2019 | Physik Astronomie

Wie Korallenlarven sesshaft werden

22.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Ökologische Holz-Hybridbauweisen für den Geschossbau

22.02.2019 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics