Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Rollstuhl über Stock und Stein

05.04.2006



Komfortabel, geländegängig und sicher: Ein Rollstuhl mit Vierradantrieb, Hybridmotor und elektronischem Assistenzsystem gibt gehbehinderten Menschen Unabhängigkeit. Während der Fahrt lassen sich Puls und Blutwerte kontrollieren. Im Notfall ruft das System Hilfe.


»Diese Technik verleiht Rollstuhlfahrern eine nie da gewesene Freiheit«, sagt Prof. Jürgen Wenstedt vom Anwendungszentrum Systemtechnik des Frauhofer-Instituts für Informations- und Datenverarbeitung IITB, der zusammen mit dem Reha-Unternehmen Otto Bock ein neuartiges Assistenzsystem entwickelt hat. »Unser Testfahrer, ein Multiple Sklerose Patient, der seit Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, war begeistert: Er konnte endlich wieder mit seiner Familie Ausflüge im Thüringer Wald unternehmen, ohne dabei auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.«

Der Geländerollstuhl »Superfour« sieht aus wie ein kleiner Geländewagen: dicke Profilreifen, Vierradantrieb, Überrollbügel. Er fährt auf kiesbedecktem oder steinigem Untergrund genauso sicher wie auf verschneiten Wegen. Ein leistungsfähiger Hybridmotor lässt ihn Steigungen von vierzig Prozent mühelos überwinden. Das Gefährt wurde von den Ingenieuren bei Otto Bock entwickelt und gebaut. Die Forscher vom IITB haben für den »Superfour« das elektronische Überwachungs- und Notrufsystem erarbeitet, das jetzt im Thüringer Wald seinen Praxistests bestanden hat.


Die neue Technik gibt gehbehinderten Menschen nicht nur Freiheit, sondern auch Sicherheit: Während der Fahrt wird über GPS ständig ihre Position ermittelt und zur Leitstelle gefunkt. Dort können Helfer auf einer digitalen Landkarte sehen, wo sich der Rollstuhl befindet. Auf dem Bildschirm lassen sich auch die aktuellen technischen Details ablesen – Füllung des Tanks, Ladung der Batterien, Neigung der Achsen, Antrieb der Räder. Selbst medizinische Monitoring-Ergebnisse – beispielsweise der Pulsschlag und die Sauerstoffsättigung des Bluts – können eingeblendet werden. »Im Notfall, wenn die Räder blockieren, der Rollstuhl umkippt oder der Puls des Patienten plötzlich zu rasen beginnt, löst das System automatisch einen Alarm aus. »Mit dem elektronischen Assistenzsystem lassen sich einzelne Fahrer aber auch ganze Flotten überwachen«, erklärt Dr. Andreas Wenzel vom IITB. »Die Technik schafft die Voraussetzung für neue Dienstleistungsangebote – beispielsweise einen Superfour-Verleih-Service«, ergänzt Wernstedt. »Mit solchen Angeboten lässt sich eine neue Zielgruppe - Behinderte und deren Familien - gewinnen. Der Geländerollstuhl mit dem intelligenten Assistenzsystem ist vielseitig: er fährt über verschneite Berge genauso wie im Wattenmeer oder durch Dünen.«

Dr.-Ing. Andreas Wenzel | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iitb.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Assistenzsystem Geländerollstuhl Rollstuhl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie
17.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

nachricht Rostocker Forscher testen neue Generation von Offshore-Windenergie-Anlagen
16.07.2018 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics