Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energiequelle Methanhydrat

10.03.2006


Kieler Forschernetzwerk hält Nutzung frühestens in zehn Jahren für möglich

... mehr zu:
»Energiequelle »Methanhydrat

In den Tiefen der Ozeane findet sich ein ganz besonderer Schatz: Methanhydrat, besser bekannt als Methaneis. Die brennbare Substanz aus gefrorenem Wasser und Methan wird bereits seit längerem als Energiequelle der Zukunft gehandelt. Doch ein Abbau scheint schwierig - zumindest bisher. "Die Förderung und Nutzung von Methanhydraten wird frühestens in zehn Jahren möglich sein", sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann vom Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft". Im Netzwerk haben sich Vertreter verschiedener Fachdisziplinen zusammengeschlossen, um Potenziale und Gefahren des Meeres auszuloten. Ein Schwerpunktthema ist dabei auch die Erforschung der Methanhydrate.

Forscher schätzen, dass die Vorräte an Methanhydraten fast doppelt so viel Energie wie alle Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstätten der Erde zusammen liefern können. Prof. Dr. Klaus Wallmann, Koordinator des Netzwerkes: "Angesichts der aktuellen Debatte um die Energieversorgung der Zukunft ist es wichtig, den Entstehungsprozess sowie die ökologischen, ökonomischen und rechtlichen Aspekte dieser Ressource bereits heute intensiv zu erforschen." Das Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft" widmet sich daher fachbereichsübergreifend dieser Thematik. Ob Ozeanographen, Biologen, Geologen, Meteorologen, Ökonomen und Juristen oder Chemiker - zahlreiche Experten rund um die Kieler Universität erforschen Chancen und Risiken, die eine Nutzung des "weißen Goldes" mit sich bringen könnte.


Gasblasen sind wichtigster Indikator für förderungswürdiges Methaneis

Eines der Hauptprobleme: Der Abbau könnte sich wirtschaftlich nur lohnen, wenn Ozeanareale gefunden werden, in denen Methanhydrat in ausreichenden Mengen vorkommt. In einer aktuellen Untersuchung sind die Meeresforscher am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) - ebenfalls Teil des Netzwerks "Ozean der Zukunft" - der Nutzung jetzt einen Schritt näher gekommen. Sie haben den Entstehungsprozess von Methanhydraten im Blake Ridge (Westatlantik) analysiert haben. Das Ergebnis: Größere Mengen des Hydrats entstehen hauptsächlich durch folgenden, bereits früher erforschten Mechanismus: Gasblasen steigen aus einer Tiefe von ein bis drei Kilometern unterhalb des Meeresbodens auf und gefrieren in ca. 100 bis 500 Meter tiefen Sedimenten zu Gashydrat, da nur hier der Stoff stabil ist. Diese aufsteigenden Gasblasen lassen sich mit Hilfe von Schallwellen orten. "Sie sind damit der wichtigste Indikator für förderungswürdige Mengen von Methanhydrat", so Prof. Dr. Klaus Wallmann.

Kohlendioxid-Entsorgung im Ozean

Vor einer künftigen Nutzung von Methaneis gilt es noch viele Fragen zu klären. Ohne den lastenden Druck der Tiefsee und niedrige Temperaturen zerfällt das Hydrat beispielsweise in kurzer Zeit in seine Bestandteile. Bei der Bergung könnten daher erhebliche Mengen des klimaschädlichen Methans in die Atmosphäre gelangen, und auch seine Verbrennung würde den Treibhauseffekt verschärfen. Wie könnte man den Abbau nachhaltig gestalten? Um diese Frage zu klären, untersuchen die Mitglieder des Kieler Forschernetzwerks daher auch, ob es sinnvoll wäre, abgebautes Methaneis durch das Treibhausgas Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern entsteht, im Meeresboden zu ersetzen. In Zusammenarbeit mit Wirtschaftswissenschaftlern soll dabei auch überprüft werden, ob ein CO2-neutraler Abbau sich ökonomisch rechnen würde.

Relevant für das Netzwerk ist zudem der Aspekt, inwiefern ein Abbau den Meeresboden an den Rändern der Kontinente destabilisiert und beispielsweise Riesenflutwellen, die gefürchteten Tsunamis, auslösen könnte. Und nicht zuletzt hätte ein Abbau auch Auswirkungen auf die vielfältige Lebenswelt am Meersboden. Darüber hinaus ist es ebenfalls Ziel des Netzwerkes, den rechtlichen Rahmen einer zukünftigen Nutzung zu klären. Juristen der Christian-Albrechts-Universität erarbeiten daher ein Konzept zur zukünftigen Nutzung des Methanhydrats, das die Vergaberechte der Fördergebiete vor allem außerhalb der Hoheitsgewässer der Küstenstaaten regelt.

Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft"

Im Ozean liegt die Zukunft der Menschheit. Ob unerschlossene Energiequellen oder medizinische Heilmittel - das Meer birgt reichhaltige Ressourcen, aber auch Gefahren: Wie beeinflusst der Klimawandel die Meere und umgekehrt, wo droht die Überflutung von Küstengebieten? Das Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft" untersucht Chancen und Risiken der Meere, um daraus Strategien für ein globales Management zu entwickeln. Seit Dezember 2005 bündeln Meeresforscher, Geologen, Mediziner, Ökonomen, Mathematiker, Chemiker, Juristen und Gesellschaftswissenschafter ihre Kompetenzen im Netzwerk. Zu den Partnern gehören fünf Fakultäten und 26 Institute der Kieler Universität sowie das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), das Leibniz-Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) und die Muthesius Kunsthochschule.

Sprecher des Kieler Forschernetzwerks "Ozean der Zukunft"
Prof. Dr. Klaus Wallmann
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)
Telefon: (0431) 600-2287
e-mail: kwallmann@ifm-geomar.de

Susanne Schuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de
http://www.uni-kiel.de/

Weitere Berichte zu: Energiequelle Methanhydrat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Digitalisierung soll Anlagenmanagement der Energieversorgungsnetze verbessern
21.03.2019 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Ultrasparsame LED-Straßenleuchten im Praxistest
21.03.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zähmung der Lichtschraube

22.03.2019 | Physik Astronomie

Saarbrücker Forscher erleichtern durch Open Source-Software den Durchblick bei Massen-Sensordaten

22.03.2019 | HANNOVER MESSE

Ketten aus Stickstoff direkt erzeugt

22.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics