Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaft und Wirtschaft in NRW starten Kooperation zur großtechnischen Stromgewinnung aus Geothermie

24.02.2006


In Brandenburg soll noch vor Ende des Jahrzehnts das größte Geothermiekraftwerk in Deutschland mit 25 MW elektrischer Leistung entstehen. 250 Mio. Euro sollen investiert werden, um Strom aus 5.000 m tiefliegendem Vulkangestein zu gewinnen. Das GeothermieZentrumBochum, in das wissenschaftliches und technisches Know-how der RWTH Aachen, der Fachhochschule Bochum und der Fachhochschule Gelsenkirchen einfließen, wird die wissenschaftliche und techni8sdche Begleitforschung leisten.



Nicht zuletzt die Entwicklung der Öl- und Gaspreise in den vergangenen Monaten verdeutlicht die Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von einer sicheren Energieversorgung. Als besonders aussichtsreiche und zugleich klimafreundliche Komponente im Energiemix bietet sich die Nutzung der Geothermie an. Dieser natürliche Wärmestrom aus dem Erdinneren ist als einzige erneuerbare Energiequelle jahres- und tageszeitenunabhängig verfügbar.

... mehr zu:
»ENRO »GZB »Geothermie »Stromgewinnung »Vulkanite


Erdwärme wird an vielen Stellen der Erde bereits in Tiefen von bis zu 4000 m - 5000 m zur Strom- und Wärmeerzeugung erschlossen. Eine Studie des Hierzulande beziffert der Deutschen Bundestags beziffert das theoretische Deckungspotenzial durch Geothermie auf die Hälfte des deutschen Strombedarfs. Erdwärmegewinnung ist kann auch bei uns hierzulande nach dem heutigen Stand der Technik machbarin Strom gewandelt werden. Allerdings steckt die Technologie neben Fündigkeitsrisiken häufig noch in der Kostenfalle.

Um diese Hindernisse abzubauen, haben die drei nordrhein-westfälischen Hochschulen RWTH Aachen, FH Bochum und FH Gelsenkirchen im vergangenen Herbst mit dem Geothermie-zentrum in Bochum (GZB) ein gemeinsames Institut für die Anwendungsforschung gegründet. Die Kompetenz von 14 interdisziplinären Fachgebieten der Natur- und Ingenieurwissenschaften wird dort zusammengeführt und von dem für Bohrtechnik zuständigen Prof. Rolf Bracke (FH Bochum) koordiniert. Flankiert wird das GZB durch die Landesinitiative Zukunftsenergien NRW.

Im Mittelpunkt der GZB-Arbeiten steht die wirtschaftliche Erschließssung der enormen Wärmevorräte s unerschöpflichen Wärmeflusses unter unseren Füssenim Untergrund. Die Arbeiten erfolgen im engen Schulterschluss mit kommerziellen Partnern.

Ein solcher Schulterschluss ist nun mit der ENRO-Gruppe aus Essen erfolgt. Das Unternehmen beabsichtigt den Bau eines geothermischen Kraftwerkparks - bestehend aus vielen Einzeleinheiten von jeweils 2-3 MW elektrischer Leistung. Der Vorsitzende des ENRO-Aufsichtsrates, Dr. Bund betont, dass das Konzept die wesentliche Wirtschaftlichkeits-Grundregel aller industriellen Produkte und Prozesse verfolgt: Größe und Menge. Im Endausbau soll deras Kraftwerkpark deshalb im so genannten "Konvoi-Prinzip" eine Größenordnung von 25 MW elektrisch installierter Leistung erreichen. Das Gesamtinvestitions-Volumen soll bei 250 Mio € liegen.

Überträgt man das Prinzip der industriellen Massenfertigung auf Geothermie-Kraftwerke, so müssen die benötigt man dazu vier wesentliche Komponenten:

Geologische Rahmenbedingungen Voraussetzungen bzw. Formationenerfüllt sein:

1. deren gesteinsphysikalische Eigenschaften welche die Zirkulation großer Volumenströme von heißem Wasser ermöglichen,

2. die dabei hohe Gesteinstemperaturen von deutlich >über 150 °C; besitzen,

3. geologische Formationen mit die eine großräumiger und gleichmäßiger Verbreitung, die haben, und

4. die deshalb eine hohe Reproduzierbarkeit der über- und untertägigen Kraftwerkstechnik ermöglichen.

Auf der Suche nach solchen Voraussetzungen sind die GZB-Forscher um den Aachener Prof. Christoph Clauser auf Untergrundschichten, welche diese Bedingungen erfüllen können, sind die ca. 300 Mio Jahre alten Vulkan-Gesteine des Perm-Zeitalters gestossen. Diese so genannten Vulkanite besitzen eine große Verbreitung im Nordostdeutschen Becken im in Raum Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und sind über durch viele Erdöl- und Erdgasbohrungen erschlossenerkundet. Diese Vulkanite Gesteine lagern liegen in ca. 5000 m Tiefe und haben eine relativ gleichmässige Mächtigkeit von mehreren Hundert Metern bei erwarteten Gesteinstemperaturen von über 170 °C.

Das macht sie interessant für die HFREGS-Technologie. (Enhanced Geothermal Systems). Beim HFR-Bei diesem Verfahren (Hot-Fractured-Rock) wird das homogene im natürlichen Zustand für Wasser wenig durchlässige Vulkanit-Gestein (mit seiner geringen natürlichen Durchlässigkeit für Wasser) durch das Einbringen Einpressen von unter hoher hohem Wasserdrücke Druck stehendem Wasser mit leistungsstarken Pumpen schrittweise zum Ahydraulisch aufgebroechen gebracht. Mit Hilfe dieser künstlich Die auf diese Weise geschaffenen Kluftsysteme soll somit bilden ein großvolumiges r, mitwachsender Wärmetauscher Wärmeaus-tauschsystem im Untergrund, in dem von übertage zugeführtes Wasser auf Gebirgstemperatur erhitzt wird. Das in weiteren Bohrungen geförderte Heißwasser dient als Wärmequelle für oberirdische konventionelle Dampfturbinen zur Stromerzeugung.erstellt werden. Der am GZB für das Reservoir-Engineering zuständige Geophysiker Ralph Weidler setzt das dieses Prinzip z.Z.derzeit bereits erfolgreich beim größten HFREGS-Geothermieprojekt der Welt in Australien (derzeitige Marktkapitalisierung 160 Mio. Australische Dollar, geplante Kapazität: 275 MWel) um.

Das Konvoi-Konzept von ENRO sieht die Erschließung gleichartiger geologischer Reservoires mit Einzeleinheiten - bestehend aus 3 Tiefbohrungen zu je 5000 m (Triplette) - vor. Eine solche Triplette besteht aus zwei Produktionsbohrungen zur Förderung des über die das heißssen Tiefenwassers gefördert wird, und einer Injektionsbohrung zur Rückführung über die das des nach der zur Stromerzeugung abgekühlten Wassers wieder ins Gebirge verpresst wirdin den tiefen Untergrund. Drei solcher Tripletten sollen zu Standardeinheiten (sogenannte Cluster) mit einem zentralen Kraftwerk von ca. 7,5 MWel zusammengefasst werden. Die Entwicklung einer geothermischen Stromgewinnung muss dabei nach industriellen Methoden erfolgen: zuerst Zuerst wird die Erstanlage gebaut, danach erfolgt der Endausbau mit Standardeinheiten. Zunächst sind drei Cluster vorgesehen. Eine Ausweitung ist geplant.

Um die Vulkanite in Nordostdeutschland zu erschließssen, hat ENRO bereits die bergrechtliche Erlaubnis für ein Feld von 230 km2 Größe bei Eberswalde erhalten. Die geowissenschaftliche und technologische Machbarkeit des Projektes soll nun von den Fachleuten des GZB ermittelt werden. Dazu wird am 24. 2. 2006 in Bochum ein Kooperationsabkommen zwischen ENRO und dem GZB geschlossen. Fachlich unterstützt wird die Initiative durch den stellvertretenden Leiter des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg, Dr. Stackebrandt. DIn dessen Haus liegen verfügt bereits über viele Informationen zu den geothermisch interessanten Vulkanitgesteinen vor.

Neu an dem Projekt ist auch seine Finanzierung. Sie erfolgt analog zu dem australischen Geothermieprojekt auf privatwirtschaftlicher Basis. Hierzu wurde eigens eine ENRO Geothermie AG mit einer Erstausstattung von 0,5 Mio € gegründet. Das closing des Das Financial Closing für die Finanzierung der Investition der Erstanlage ist für Mitte 2006 geplant. Mit dem Bau in Eberswalde soll noch im Jahr 2006 begonnen werden.

Die Investitionsentscheidung erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass alleine in Deutschland in den nächsten 20 Jahren etwa die Hälfte des Kraftwerksbestandes aus Altersgründen ersetzt werden muss. Deren Kapazitäten lassen sich jedoch nur zu begrenzten Teilen mit der wetterabhängigern Sonnen- und Windenergie abdecken. Um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss die Energiewirtschaft als Puffer für schwankend anfallende Wind- und Sonnenkraft grundlastfähige Kraftwerke in gleicher Kapazität bereit halten. Geothermie - der kontinuierliche natürliche Wärmefluss aus dem Erdinneren - ist im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien grundlastfähig. Sie ist also eine ernst zu nehmende Option für die eine zukünftige umweltfreundliche Energieversorgung der Zukunft.

Detlef Bremkens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-bochum.de/geothermie/
http://www.enro.de

Weitere Berichte zu: ENRO GZB Geothermie Stromgewinnung Vulkanite

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gleichstrom für die Fabrik der Zukunft
06.12.2019 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus
05.12.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Acht Millionen Euro für die Forschung: Smarte Implantate sollen Knochen besser heilen

10.12.2019 | Förderungen Preise

Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Risiken für Ernten: Globale Hitzewellen könnten mehrere Kornkammern der Welt gleichzeitig treffen

10.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics