Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Klimaschutzkonzept für die Stadt Greifswald

24.02.2006


Ein regionales Energiespar- und Klimaschutzkonzept für die Stadt Greifswald wird zurzeit als gemeinsames Forschungsprojekt des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Garching und der Universität Greifswald entwickelt. Auf der Grundlage einer Energie- und Kohlendioxidbilanz will man eine effizientere Energienutzung und damit Klima- und Ressourcenschutz sowie regionale Wertschöpfung erreichen. Dies ist eines der Projekte, die auf dem ESCOBALT-Symposium "Transnationales Energiespar-Netzwerk" vom 1. bis 2. März im Greifswalder IPP-Teilinstitut vorgestellt werden. Die Veranstaltung, an der Vertreter von Wissenschaft, Politik und Industrie aus den Ostsee-Anrainerstaaten teilnehmen, widmet sich europäischen Energieeffizienz-Projekten im baltischen Raum, um so eine Nationen übergreifende Zusammenarbeit vorzubereiten.



Die Untersuchung städtischer Energiesysteme ist ein Arbeitsschwerpunkt der Gruppe "Energie- und Systemstudien" im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching. Die Energie- und Treibhausgasbilanz der Hansestadt Greifswald als Grundlage eines lokalen Klimaschutzkonzepts entsteht in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie der Universität Greifswald. Eingebettet ist das Forschungsprojekt - die Diplom- und Doktorarbeit von Martin Bartelt - in eine regionale Zusammenarbeit von Stadt, Wissenschaft und Wirtschaft. Das anspruchsvolle Ziel: Auf der Grundlage einer exakten Energie- und Kohlendioxidbilanz will man in gemeinsamer Anstrengung eine effizientere Energienutzung und damit Klima- und Ressourcenschutz sowie regionale Wertschöpfung erreichen.

... mehr zu:
»Klima »Klimaschutzkonzept


Der erste Schritt ist bereits abgeschlossen. Die Aufgabe war, so Martin Bartelt, "sämtliche Kohlendioxid-Emissionen in Greifswald für ein Jahr zu bilanzieren und zwar - das ist das Besondere - räumlich möglichst genau." Das klimaschädliche Gas entsteht bei Verbrennungsprozessen in Automotoren, Kraftwerken und Heizungsbrennern. Mit ihrem Verbraucherverhalten tragen so alle Einwohner zur städtischen Energie- und Kohlendioxid-Bilanz bei. Mit ihrer genauen Aufzeichnung begann die Arbeit an dem Klimaschutzkonzept für die Hansestadt. Die Bilanz sollte die Stadt Greifswald in allen Sektoren - Industrie, Haushalte, Kleinbetriebe, Gewerbe und Verkehr - erfassen und Energieverbrauch und Emissionen der einzelnen Stadtblöcke darstellen. Gelungen ist die angestrebte hohe räumliche Auflösung insbesondere beim Verkehr, da hier hervorragende Daten des Umweltamtes der Hansestadt zur Verfügung standen.

Ergebnis: Die Bilanz in Greifswald ist im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bereits sehr gut. Hauptgrund ist die überwiegende Nutzung von Gas und Fernwärme für die Wärmeversorgung sowie der Einsatz der Strom und Wärme liefernden Kraft-Wärme-Kopplung. Ein anderer Grund ist allerdings auch die geringe Industriedichte in Greifswald.

Das bisherige gute Ergebnis ließe sich aber noch steigern, meint Martin Bartelt: "Ein großes Sparpotential läge zum Beispiel bei der Raumwärme; hier sind die Isolierungen meist nicht optimal. Auch die Stromversorgung der Haushalte könnte sinken, wenn effizientere Geräte genutzt würden."

Nächster Untersuchungsschritt - und Gegenstand von Martin Bartelts zurzeit mit Unterstützung der Bundesstiftung Umwelt entstehenden Doktorarbeit - sind die Auswirkungen möglicher Klimaschutzmaßnahmen auf die regionale Wirtschaft. Dazu wird ein Energiemodell erstellt, das die Frage beantworten soll, wer in der Region wofür wie viel Energie verbraucht. Gekoppelt wird dies mit einem regionalen Wirtschaftsmodell, das Arbeitsplätze, Produktion, Verbrauch und Handelsbeziehungen erfasst. So sollen erste Bilder einer möglichen Entwicklung entstehen, die dann mit den regionalen Akteuren diskutiert werden können. Ziel ist es, einzelne Maßnahmen im Vorhinein im Modell durchzuspielen, zu bewerten und dann solche auszuwählen, die kostenneutral oder sogar förderlich für die regionale Wirtschaft sind. Aus der Vielzahl möglicher Maßnahmen können so die für die Region sinnvollsten herausgefiltert werden. Mit der nächsten Energie- und Kohlendioxid-Bilanz ließe sich dann die Wirkung der ausgewählten Maßnahmen - zum Beispiel die Verbesserung der Wärmedämmung in Einfamilienhäusern - in der Realität überprüfen.

Isabella Milch | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipp.mpg.de

Weitere Berichte zu: Klima Klimaschutzkonzept

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Nature Communications berichtet über Forschung der TU Ilmenau zu Mikro-Superkondensatoren
23.01.2020 | Technische Universität Ilmenau

nachricht Neue Elektro-Impuls-Anlage der TU Freiberg ermöglicht energieeffiziente Aufbereitung von Hochtechnologiemetallen
23.01.2020 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Im Focus: Integrate Micro Chips for electronic Skin

Researchers from Dresden and Osaka present the first fully integrated flexible electronics made of magnetic sensors and organic circuits which opens the path towards the development of electronic skin.

Human skin is a fascinating and multifunctional organ with unique properties originating from its flexible and compliant nature. It allows for interfacing with...

Im Focus: Dresden researchers discover resistance mechanism in aggressive cancer

Protease blocks guardian function against uncontrolled cell division

Researchers of the Carl Gustav Carus University Hospital Dresden at the National Center for Tumor Diseases Dresden (NCT/UCC), together with an international...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Minutiöse Einblicke in das zelluläre Geschehen

24.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

24.01.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics