Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ohne wenn und aber: Der Energiepass kommt

14.11.2005


Hochschule für Wirtschaft und Umwelt organisiert Energiekonferenz



Die Frage nach dem "ob" ist beantwortet, es bleibt die Frage nach dem "Wann?". Die Gespräche über den neuen Energiepass, den die Politik verlangt, gehen zu Ende. Die Verbände der Wohnungswirtschaft haben ihre Argumente, so gut es ging, auf den Tisch gelegt. Nun bleibt die Erwartung, wie stark der Energiepass die Branche aufrütteln wird. Der Leiter des Studienganges Immobilienwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), Prof. Dr. Hansjörg Bach, ist sich jedenfalls sicher, das die Energie generell zu einem entscheidenden Faktor im künftigen Vermietungsgeschäft wird. Seiner Hochschule ist dies künftig eine eigene Veranstaltung wert.



Und die Branche reagiert mit Präsenz: Über 140 Experten aus der Wohnungswirtschaft waren nach Geislingen zur ersten Südwestdeutschen Energiekonferenz gereist, die die Hochschule gemeinsam mit der TECHEM AG veranstaltete. Es ist offensichtlich, das Thema Energiepreise und Energiepass brennt der Wohnungswirtschaft auf den Nägeln. Bei steigenden Energiepreisen haben sich diese längst zu einem wesentlichen Bestandteil der zweiten Miete entwickelt. Die Wohnungsunternehmen stehen vor der Herausforderung, mit effizienten Maßnahmen, diese Preisentwicklung für die Mieter abzufedern. Die Mieter sind die Schlüsselfiguren in diesem Szenario. Oder, wie es der Geislinger Immobilienprofessor Dr. Ulrich Bogenstätter formuliert, die Mieter lassen sich mit einer besseren Energieeffizienz gewinnen und halten. Mieter stimmen heutzutage zunehmend mit den Füßen ab. Vereinfacht gesagt: Werden die Nebenkosten zu teuer, zieht man um. Bogenstätter definierte wissenschaftlich präzise verschiedene Mietertypen und deren Verhalten: ein Trend wird sich fortsetzen, zunehmende Mobilität. Der kommende Energiepass ist laut Bogenstätter eine Chance für die Wohnungswirtschaft. Er gibt Auskunft über die Qualität der Objekte, wenn es um die Energieeffizienz geht. Dieses Vermietungsargument wird noch zu wenig genutzt. Dabei sei es höchste Zeit zu reagieren: "Tue energetisch Gutes und rede darüber. Der Wettlauf um die Mieter hat bereits begonnen".

Von dieser Einsicht sind die meisten Wohnungseigentümergemeinschaften noch weit entfernt. Dort wird das Thema vor sich her geschoben. Der Münchener Rechtsanwalt Horst Müller sieht auf dieser Seite des Vermietungsmarktes gar keinerlei Energiebewusstsein. Mit den entsprechenden Folgen: "Eine Eigentumswohnung könnte schwieriger zu vermieten sein, als eine Wohnung im Mietshaus." Dabei wird es keine Hintertüren geben. GdW-Referatsleiter Siegfried Rehberg machte klar, dass der Energiepass kommen wird. Frühestens in der Mitte des kommenden Jahres, auf jeden Fall bis zum Frühjahr 2007. Mit allen Konsequenzen: Wer den Energiepass für seine Objekte verweigert, wird zur Kasse gebeten - ein Bußgeld bis 15000 Euro droht am Horizont, stellte Peter Gerhardt von der TECHEM den Zuhörern in Aussicht. Der Pass selbst wird die Eigentümer und Wohnungsunternehmen ebenfalls belasten. Sieht Rehberg Kosten von 500 Euro für den "Ausweis", stellt Christian Wetzel vom CalCon Institut in München klar, dass ein umfasssender Energiepass nicht unter 1000 Euro zu erstellen ist. "Da müssen Ingenieure ran und sorgfältig arbeiten, das dauert zwei Tage!".

Der verlangte Nachweis über die Energieeffizienz kann von den Wohnungsunternehmen auch offensiv für das eigene Marketing genutzt werden. In Verbindung mit den entsprechenden Modernisierungsmaßnahmen kann sich ein Unternehmen mit einem eigenen Profil am Markt etablieren. Ein Beispiel dafür ist die Hofheimer Wohnbaugesellschaft, die diesen Weg konsequent eingeschlagen hat. Für Geschäftsführer Josef Mayr ist der Energiepass ein zusätzliches Marketinginstrument. Die Hausaufgaben im Vorfeld, hat sein Unternehmen bereits erledigt. Das generelle Thema "Energie" spielte auf der Konferenz in Geislingen eine eigene Rolle. Vor allem die Frage, wie lange der Hauptenergieträger Öl noch zur Verfügung steht. Noch 60, noch 80 Jahre - es kamen unterschiedliche Zahlen auf den Tisch. Einigkeit herrschte dagegen beim Problembewusstsein, das Dr. Reinhard Jank von der Energieagentur Baden-Württemberg in einem Satz zusammenfasste: "Die Probleme beginnen lange vor dem Zeitpunkt, bevor die Energiereserven zu Ende gehen". Auch wegen des Klimawandels werde man ab 2020 über völlig andere Preise reden müssen. Ergo, es geht um das Sparen und um die Technik. Sparpotentiale sieht Dr. Meir Wiechert von der Viessmann GmbH vor allem in den Technologien, die heute zur Verfügung stehen: In der Kessel- und Anlagentechnik. Vor allem die Brennstoffzelle als Alternative sieht er auf Jahrzehnte gesehen nicht als Option. Doch gerade den Mut zu innovativen Konzepten forderte Ralf Klausmann von der Freiburger Stadtbau ein, dessen Botschaft klar formuliert ausdrückte, dass sich eine nachhaltige Modernisierung rechnet.

Gerhard Schmuecker | idw
Weitere Informationen:
http://www.hfwu.de/

Weitere Berichte zu: Energieeffizienz Energiepass Wohnungswirtschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Daten „fühlen“ mit haptischen Displays
15.11.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Ein magnetisches Gedächtnis für den Computer
12.11.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics