Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovatives Konzept macht Kraftstoff aus Biomasse wirtschaftlich

07.11.2005


Grundsteinlegung der Pilotanlage im Forschungszentrum Karlsruhe



Stroh und Holz sollen in Zukunft Lieferanten von hochwertigem Treibstoff werden. Ein deutsches Pilotprojekt will nun zeigen, wie aus bisher ungenutzten organischen Stoffen wie Stroh oder Holz günstig High-Tech-Kraftstoff hergestellt werden kann. Ein im Forschungszentrum Karlsruhe entwickeltes Verfahren namens "bioliq" löst die bisherigen Probleme - und führt zu Kraftstoffen höchster Qualität, die auch für die künftige Motorengeneration hervorragend geeignet sind. Allein in Deutschland könnten vorhandene ungenutzte Nebenprodukte in Zukunft mehr als zehn Prozent des derzeitigen Kraftstoffbedarfs aus Biomasse decken. Die Grundsteinlegung der Anlage fand gestern, Freitag, statt.



"Die Nutzung scheiterte bisher daran, dass Biomasse auf große Flächen verteilt und wegen der langen Transportwege nicht wirtschaftlich zu verwerten war", erklärt Eckhard Dinjus, Leiter des Instituts für Technische Chemie des Forschungszentrums Karlsruhe im pressetext-Interview. Ein zweistufiger "Biomass To Liquid"-Prozess soll zwei Probleme nun lösen: einerseits das verteilte Aufkommen als auch dem niedrigen Energieinhalt der Biomasse. "Beim bioliq-Verfahren wird in der ersten Stufe aus der anfallenden Biomasse durch dezentrale Schnellpyrolyse-Anlagen ein transportfähiges flüssiges Zwischenprodukt hoher Energiedichte erzeugt", so Dinjus. "Vom Stroh mit 1,5 Gigajoule pro Kubikmeter Energiedichte wird Pyrolysekoks, so genannter Slurry, mit 25 Gigajoule pro Kubikmeter hergestellt. Jährlich stehen in Deutschland 200.000 Tonnen Stroh zur Verfügung", erklärt der Forscher. Haupteinsatzstoffe für das Verfahren sind Stroh und andere Lignozellulose, die mehr als 90 Prozent der Landbiomasse ausmachen. Rindenfreies, hochwertiges Holz ist zwar leichter einzusetzen, für das Verfahren aber nicht erforderlich.

"Da die organischen Einsatzstoffe sehr geringe Energiedichten haben, können sie wirtschaftlich nur über kurze Distanzen transportiert werden", führt der Experte aus. "In einem dezentralen Verfahrensschritt mit Kleinanlagen zu denen die Erzeuger höchstens 25 Kilometer fahren müssen, wird deshalb zunächst das Zwischenprodukt höherer Energiedichte erzeugt." In der zweiten Stufe wird dieses Produkt mit geringen Transportkosten in einer zentralen Großanlage zur Gaserzeugung und Synthese von Kraftstoffen angeliefert. "Der Slurry wird in einem speziellen Flugstromvergaser bei Temperaturen um 1.200 Grad und bei Drücken von 80 bar zu einem teerfreien Synthesegas umgesetzt", führt der Experte aus. Daraus lassen sich alle wichtigen chemischen Grundbaustoffe herstellen.

"Die Verarbeitungskosten der Biomasse für den High-Tech-Kraftstoff liegen unter 50 Eurocent. Hinzu kommen noch Kosten für die Ausgangsmaterialien, die derzeit in der gleichen Größenordnung liegen. Damit bliebe der Preis für einen Liter High-Tech-Kraftstoff unter einem Euro", führt der Wissenschaftler aus. In anderen Ländern könne dieser Preis deutlich darunter liegen. "Wie zum Beispiel in China, das sich für diese Art der Treibstofferzeugung sehr interessiert".

"Alle entscheidenden Einzelschritte, die das "bioliq"-Verfahren enthält, wurden vom Forschungszentrum inzwischen entwickelt und erprobt", erklärt der Forscher. Nun soll der Gesamtprozess in einer Pilotanlage zusammen geführt werden. Biomasse sei die Energie der Zukunft, zeigt sich der Wissenschaftler überzeugt.

Am "bioliq"-Verfahren sind zwei Unternehmen maßgeblich beteiligt: die Lurgi AG aus Frankfurt am Main liefert das für petrochemische Reststoffe entwickelte Verfahren für Schnellpyrolyse, das Unternehmen Future Energy aus Freiberg, Tochter der Schweizer Sustec, ist führend auf dem Gebiet der Flugstrom-Druckvergasung.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.fzk.de
http://www.lurgi.de

Weitere Berichte zu: Biomasse Energiedichte Gigajoule High-Tech-Kraftstoff Kraftstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie
17.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

nachricht Rostocker Forscher testen neue Generation von Offshore-Windenergie-Anlagen
16.07.2018 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

18.07.2018 | Physik Astronomie

Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg

18.07.2018 | Medizintechnik

Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze

18.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics