Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strom aus Wärme mit hohem Wirkungsgrad

19.08.2004


Siemens übernimmt Planung für ein Erdwärmekraftwerk nach dem Kalina-Prinzip



Der Siemens-Bereich Industrial Solutions and Services (I&S) wird im Auftrag der HotRock Erdwärmekraftwerk GmbH & Co. Objekt-KG, Karlsruhe, die Planung für das Erdwärmekraftwerk Offenbach a.d. Queich übernehmen. In dieser geothermischen Anlage soll das Kalina-Prinzip zur Stromerzeugung angewendet werden. Damit lässt sich Wärme mit einem gegenüber herkömmlichen Anlagen höheren Wirkungsgrad in elektrische Energie umwandeln. Das Erdwärmekraftwerk wird mit einer projektierten Leistung von fünf Megawatt das derzeit größte in Deutschland sein. Die Planung erfolgt parallel zu der ersten Förderbohrung. Dies ermöglicht eine zügigere Fertigung terminführender Komponenten und damit einen früheren Baubeginn des Kraftwerks. Der Planungsauftrag hat ein Volumen von rund 600.000 EUR. Die Planung sowie die Förderbohrung sollen im Dezember 2004 abgeschlossen sein.



Die in geologisch aktiven Regionen der Erde wie Island, Italien oder Mexiko schon heute zur Energieerzeugung genutzte Erdwärme besitzt auch in Deutschland ein Potenzial. Erdwärme erlaubt eine emissionsfreie Energiegewinnung und steht unabhängig von Witterung und Tageszeit zur Verfügung. Damit können Erdwärmekraftwerke auch im kontinuierlichen Grundlastbetrieb laufen. Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das für diese Kraftwerksgröße eine garantierte Vergütung von bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde vorsieht, wird diese Energiequelle auch wirtschaftlich attraktiv.
Die rheinland-pfälzische Gemeinde Offenbach a.d. Queich liegt im Oberrheingraben und damit in der geologisch „heißesten Zone“ Deutschlands. Hier werden Temperaturgradienten von über 50 °C pro 1000 Meter erreicht. Die knapp drei Kilometer tiefe Bohrung in Offenbach soll Wasser mit einer Temperatur von mindestens 150 °C liefern. Die im nahen Karlsruhe ansässige HotRock GmbH hat hier die Errichtung eines Fünf-Megawatt-Kraftwerks projektiert. Dies entspricht dem Strombedarf von etwa 20.000 Haushalten. Ein Kohlekraftwerk gleicher Leistung würde rund 23.000 Tonnen CO2 im Jahr ausstoßen.


Siemens übernimmt die komplette Planung für die oberirdischen Anlagenteile des Kraftwerks. Dazu gehören der Verdampfer-Kondensator-Kreislauf, die Dampfturbine mit Generator und der Kühlkreislauf ebenso wie die gesamte Automatisierungs- und Leittechnik. Im Planungsauftrag enthalten ist auch eine Vorbestellung terminkritischer Komponenten des Turbosatzes. Das Offenbacher Erdwärmekraftwerk wird nach dem Kalina-Prinzip arbeiten. Dabei kommt ein binäres Arbeitsmedium aus Wasser und Ammoniak zum Einsatz. Gegenüber reinen Medien mit konstantem Siedepunkt wie Wasser oder Pentan siedet dieses Gemisch bei vorgegebenem Druck über einen großen Temperaturbereich. „Wir haben uns für eine Anlage nach dem Kalina-Prinzip entschieden, weil dieses Verfahren einen höheren Wirkungsgrad bei der Umwandlung von Wärme in elektrischen Strom aufweist. Dies verbessert die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks deutlich“, erklärte Dr. Horst Kreuter, Geschäftsführer der HotRock GmbH. „Siemens hat uns bereits bei der Projektentwicklung intensiv unterstützt. Wir sind zuversichtlich, dass Siemens und HotRock auch die nächsten Phasen des Projekts partnerschaftlich und erfolgreich umsetzen werden. Deshalb haben wir den Planungsauftrag schon vor Beginn der Förderbohrungen erteilt. Dadurch können wir den Zeitraum bis zum Baubeginn so kurz wie möglich halten“.

Der Siemens-Bereich Industrial Solutions and Services (I&S) bietet innovative Lösungen und Dienstleistungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen der Prozess- und Fertigungsindustrie sowie der Infrastruktur. Das Angebot umfasst den gesamtem Lebenszyklus von Industrie- und Infrastrukturanlagen, von der Planung und der Errichtung über den Betrieb und die Integration von MES-Lösungen bis zur Instandhaltung und Modernisierung. Bei einem Umsatz von 4,012 Milliarden Euro beschäftigte I&S im Geschäftsjahr 2003 (30. September) weltweit 25.000 Mitarbeiter.

Dr. Rainer Schulze | Siemens AG
Weitere Informationen:
http://www.is.siemens.de
http://www.is.siemens.de/geothermal

Weitere Berichte zu: Erdwärmekraftwerk Förderbohrung HotRock I&S Kalina-Prinzip Kraftwerk Wärme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck
18.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

nachricht Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie
17.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics