Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer ISI hält Atomausstieg und Klimaschutzziele für vereinbar

05.10.2000


Große Potenziale liegen brach / Anreize schaffen, Energie wirtschaftlicher zu nutzen

Mit dem von der Bundesregierung und den großen Energieversorgern vereinbarten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie steht die Energiewirtschaft in Deutschland vor Zielen, die unvereinbar scheinen: Beim Verzicht auf die Kernenergie wird eine CO2-neutrale Energiequelle aufgegeben. Demgegenüber stehen die Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll und den Vereinbarungen innerhalb der EU, nach denen Deutschland seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2010 um gut ein Fünftel gegenüber dem Niveau von 1990 vermindern soll.

Nach Einschätzung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, sind diese Ziele miteinander vereinbar. Gerade bei der Energieumwandlung und -nutzung liegen nach Meinung der Experten große Potenziale brach. Würden diese erschlossen, wären die Klimaschutzziele für 2010 erreichbar. Selbst eine Reduktion der CO2-Emission um 80 Prozent bis zum Jahr 2050 erscheint dem Fraunhofer ISI trotz Ausstieg aus der Kernenergie technisch und volkswirtschaftlich möglich. Dazu müssen jedoch jetzt die erforderlichen Schritte eingeleitet werden, wie Studien des ISI ergeben.

Als Beispiel nennen die Wissenschaftler die enormen Verluste beim Stand-by-Betrieb elektrischer Geräte. Sie machen rund 4 Prozent des derzeitigen Stromverbrauchs oder 20 Milliarden Kilowattstunden aus. Das entspricht der Produktion zweier Kernkraftwerke. "Bedeutende Einsparpotenziale bringt ferner die Verwendung energieeffizienter Haushalts- und Bürogeräte - wie zum Beispiel Flüssigkristallbildschirme für Computer und Fernsehgeräte", erläutert Dr. Harald Bradke, Leiter der Abteilung ENERGIETECHNIK UND ENERGIEPOLITIK im Fraunhofer ISI. Enorme Effizienzsteigerungen sind nach Untersuchungen seiner Abteilung auch bei Elektroantrieben möglich, die ca. 75 Prozent des Stromverbrauchs in der Industrie verursachen.

Schließlich können Verbesserungen außerhalb der Stromnutzung zur Verringerung der CO2-Emissionen beitragen. Eine jährliche Verminderung des Raumwärmebedarfs nur um ein Prozent in den nächsten zehn Jahren würde ausreichen, um die CO2-Emissionen zu kompensieren, die aus dem Ersatz der acht ältesten Kernreaktoren durch fossil betriebene Kraftwerke entstünden. Deutliche Energieeinsparpotenziale bestehen überdies beim Verkehr.

Die bis 2010 notwendigen CO2-Emissionsminderungen sind jedoch nur mit einem wohl überlegten Maßnahmenbündel zu verwirklichen. Hier spielen insbesondere staatliche Anreize eine wichtige Rolle. Darüber hinaus ist unternehmerische Initiative gefragt. "Häufig ist die rationelle Nutzung von Energie nur ein Abfallprodukt geplanter Innovationen", weiß Bradke," doch sind die Energieeffizienzpotenziale nur selten Thema gezielter Forschung." Langfristig eröffnen neue Technologien wie Niedrigenergiehäuser, Brennstoffzellen und neue industrielle Prozesse erhebliche Chancen.

Deutschland trägt zwar nur zu etwa 4 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Als eine der führenden Industrie- und Exportnationen sollte es aber Vorreiter bei energieeffizienten Techniken sein. Zudem wächst dieser Markt überproportional.

Weltweit trägt die Kernenergie nur zu etwa 10 Prozent zur Deckung des Primärenergiebedarfs bei. Neueste Prognosen des amerikanischen Energieministeriums gehen zwar davon aus, dass die weltweit installierte Kernkraftwerkkapazität zwar bis zum Jahr 2010 um rund 5 Prozent steigt. Danach fällt sie aber sogar unter den heutigen Wert. Allein in den USA wird demnach im Jahr 2020 gut 40 Prozent weniger Kernenergie produziert als jetzt.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationsspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw

Weitere Berichte zu: CO2-Emission ISI Kernenergie Klimaschutzziel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Neu entdeckte Materialeigenschaft verspricht Innovationsschub in der Mikroelektronik
17.10.2019 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Neues Testfeld: TU untersucht gasisolierte Gleichstrom-Erdleitungen unter Realbedingungen
17.10.2019 | Technische Universität Darmstadt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

International Symposium on Functional Materials for Electrolysis, Fuel Cells and Metal-Air Batteries

02.10.2019 | Event News

NEXUS 2020: Relationships Between Architecture and Mathematics

02.10.2019 | Event News

Optical Technologies: International Symposium „Future Optics“ in Hannover

19.09.2019 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Dehnbare Elektronik: Neues Verfahren vereinfacht Herstellung funktionaler Prototypen

17.10.2019 | Materialwissenschaften

Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED

17.10.2019 | Physik Astronomie

Dank Hochfrequenz wird Kommunikation ins All möglich

17.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics