Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Super Heizung: Neues Freizeitbad in Arnsberg mit 3000 m tiefer Bohrung

15.07.2003


Nass sollte es den Gästen des neuen Arnsberger Freizeitbades schon werden. Da lag es wohl nahe, der Einrichtung gleich den passenden Namen zu geben: "Nass" also. An der nötigen Wärme soll es auch nicht fehlen. Die allerdings kommt auf ganz besondere Weise zu den Leuten über eine Bohrung aus 3000 m Tiefe.




Dass man mit der Wärme aus dem Erdinnern heizen kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Normalerweise allerdings sucht man für größere Vorhaben nach Thermalwasser, in dem sich diese Energie an die Oberfläche transportieren lässt. Was aber tun, wenn es, wie im Fall Arnsberg, gar kein oder nicht genügend von dem begehrten Nass im Gestein zu finden ist? Heiß genug ist es 3 km unter unseren Füßen allemal. Man bohrt ein tiefes Loch, schickt kaltes Wasser nach unten, dass sich in der Tiefe erhitzt und holt es über dieselbe Bohrung wieder an die Oberfläche, entnimmt die Wärme, schickt sie in das Bad, ausgekühlt geht es für das Wasser dann wieder von vorne los: Es zirkuliert in einem geschlossenen System als Wärmetransporter. Eine solche Anlage nennt man Tiefe- Erdwärmesonde. In der Schweiz gibt es einige, in Deutschland ist seit Mitte der 90er im brandenburgischen Prenzlau ein solches System in Betrieb (allerdings mit einer Wärmepumpe gekoppelt); an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen arbeitet man ebenfalls daran. Tiefe Erdwärmesonden sind praktisch überall einsetzbar. Darauf, dass Thermalwasser im Untergrund vorhanden ist, sind sie nicht angewiesen.

... mehr zu:
»Bohrung »DMT »Freizeitbad »Sonde »Wärme


Planung und Entwicklung der Tiefen Erwärmesonde liegen in den Händen des Ing.-Büros Ulrich Müller, Arnsberg und der Deutschen Montan Technologie (DMT), Essen. DMT und RWTH hatten bereits zuvor in einem vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsprojekt die Möglichkeiten des Ausbaus von offenen Altbohrungen zu Tiefen-Erdwärmesonden untersucht.

Die Arnsberger Sonde soll 75% des Wärmebedarfs des Bades decken. Das bedeutet, dass jährlich rund 2.100.000 kWh nicht konventionell über Gas erzeugt werden müssen. Die Betriebskosten des Bades sinken massiv. Gegenüber herkömmlichen Anlagen machen sich geringere Ausgaben für Wartung und Reparaturen ebenfalls wohltuend bemerkbar. Mit anderen Worten, die Betreibergesellschaft Freizeitbad GmbH, eine Tochter der Stadt Arnsberg, erhält eine wirtschaftliche Anlage. Die Investitionskosten für die Sonde betragen ca. 3 Mio Euro. Wegen des Pilotchrarakters des Vorhabens gab es 450.000 Euro Zuschuss vom Land Nordrhein-Westfalen. Und was auch nicht ganz unwichtig ist: Das Bad koppelt sich zukünftig weitgehend von der weiteren Entwicklung der Energiepreise ab. Die Frage, ob und wie knapp und teuer Gas in den kommenden Jahrzehnten werden könnte, spielt für die Betreiber nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die finanzielle Seite ist die eine, die andere ist der Gewinn für Klima und Umwelt. Um rund 800 t oder 75% gegenüber herkömmlichen Systemen wird der Ausstoß von C02 jährlich gesenkt.

Nachdem die Unterschriften unter die Verträge gesetzt wurden, soll es nun ganz schnell gehen: Die Bohrarbeiten werden voraussichtlich im Oktober 2003 beginnen, das Bad soll Anfang 2004 seine Pforten für das Publikum öffnen. In der Umgebung befinden sich übrigens noch weitere städtische Liegenschaften. Mittlerweile wird in der Kommune darüber nachgedacht, auch diese geothermisch zu versorgen.

Kontakt:
Ing. Büro Ulrich Müller, Dungestr. 84, 59757 Arnsberg, Tel. 02932/ 9664-0
Deutsche Montan Technologie, DMT Ground Source Division, Dipl.-Ing. Michael Würtele, Am Technologiepark 1, 45307 Essen, Tel. 0201/ 1721746.

Werner Bussmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.geothermie.de

Weitere Berichte zu: Bohrung DMT Freizeitbad Sonde Wärme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Schlaflos wegen Handy? Neue Displays könnten Abhilfe schaffen
21.06.2018 | Universität Basel

nachricht Sensoren auf Gummibärchen: Team druckt Mikroelektroden-Arrays auf weiche Materialien
21.06.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics