Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Argentinien will mit Windkraft und Wasserstoff das "Kuwait des 21. Jahrhunderts" werden

10.06.2003


Wasserstoff, mit Strom aus einem riesigen Windpark gewonnen, könnte künftig zu einem Exportartikel Argentiniens werden: Die Argentinische Gesellschaft für Windenergie hat bereits Pläne für ein solch ehrgeiziges Projekt ausgearbeitet. Flüssiger Wasserstoff aus Patagonien könnte dann als Energieträger in die ganze Welt verkauft werden.



Stark und stetig wie sonst an nur wenigen anderen Orten auf der Welt weht der Wind in Patagonien im Süden Argentiniens. Kalte Luft von der Westküste des südamerikanischen Kontinents strömt über den Gebirgszug der Kordilleren hinüber auf die wärmere Ostseite. Hier, im Herzen der Provinz Santa Cruz, sollen einmal mit Windenergie riesige Mengen Wasserstoff produziert und in flüssiger Form in die ganze Welt exportiert werden. Als Hersteller dieses Energieträgers der Zukunft könnte Argentinien zum "Kuwait des 21. Jahrhunderts" werden. Diese Vision vertritt Erico Spinadel, Präsident der Argentinischen Gesellschaft für Windenergie, die bereits Pläne für das Projekt ausgearbeitet hat.



Nach dem Konzept der Organisation sollen auf einer Fläche von rund tausend Quadratkilometern mehrere tausend Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt entstehen. Das ist nicht viel weniger Leistung als alle Windräder Deutschlands von der Nordseeküste bis zu den Alpen zusammengenommen – und Deutschland ist inzwischen weltweit Spitzenreiter bei der Windkraft.

Der Vorteil des abgelegenen Standorts in Patagonien liege im extrem hohen Nutzfaktor der Windkraftanlagen, erläutert Spinadel, ordinärer Professor an der Staatlichen Technologischen Universität in Buenos Aires. Mit Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 10 bis 12 Metern pro Sekunde fällt die "Windernte" äußerst üppig aus. Zudem sind häufige Wechsel der Windrichtung selten, die sich negativ auf den Ertrag auswirken. Zum Einsatz sollen Windkraftanlagen kommen, wie sie sich bereits an den europäischen Nordseeküsten bewährt haben.

Den Strom aus dem riesigen Windpark können die Argentinier allerdings nicht in das Stromnetz des Landes einspeisen. Dafür sind die Entfernungen zu den viel weiter nördlich gelegenen Ballungszentren des riesigen Landes zu groß. "Das wäre, als wolle man den Strom für Deutschland auf Madeira gewinnen", illustriert Spinadel die Größenverhältnisse. Bislang gibt es ohnehin keine Netzverbindung von der südlichsten Provinz Patagoniens, Santa Cruz, in den Norden.

Statt Energie für das eigene Land wollen die Argentinier mit Windkraft daher Wasserstoff für den Export erzeugen. Mit dem in den Anlagen erzeugten Strom wird Wasser in Elektrolyseuren in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.

Der Sauerstoff kann für technische Anwendungen, beispielsweise in der Abwasserbehandlung, verwendet werden; viel wichtiger ist jedoch der energiereiche Wasserstoff, der nach den Plänen in 250 bis 400 Kilometer langen Pipelines bis an die Atlantikküste geleitet wird. Dort, in einer der Hafenstädte Puerto Deseado oder Puerto Santa Cruz, wird das Gas in einer Großanlage verflüssigt, indem es auf Temperaturen von minus 253 Grad Celsius abgekühlt wird. Flüssiger Wasserstoff muss zwar aufwändig in besonders isolierten Tanks gelagert werden, hat jedoch den großen Vorteil einer sehr viel höheren Energiedichte.

Spezielle Tankschiffe sollen das verflüssigte Gas aufnehmen und beispielsweise nach Japan transportieren – wie die Öltanker, die heute schon von den Ölländern beispielsweise im Nahen Osten aus die Industrieländer anlaufen. Dort kann der Wasserstoff für zahlreiche industrielle Zwecke genutzt werden und natürlich auch Brennstoffzellen für Autos und Heizungsanlagen antreiben.

Rund 20 Milliarden US-Dollar würde das Gesamtprojekt kosten, haben die Windenergie-Experten hochgerechnet. Mit dem bislang noch billigeren Energieträger Erdöl könnte der Wasserstoff aus Wind konkurrieren, wenn der Ölpreis auf dem Weltmarkt die 40-Dollar-Marke übersteigt – ein Wert, der beispielsweise Anfang der achtziger Jahre schon einmal erreicht wurde, von den derzeitigen rund 30 Dollar pro Barrel jedoch weit entfernt ist. An möglichen Konzepten für die Finanzierung arbeiten die Windenergieexperten derzeit noch. Ob sich das Projekt schon in naher Zukunft so verwirklichen lässt, ist noch völlig offen.

Ulrich Dewald | Initiative Brennstoffzelle
Weitere Informationen:
http://www.initiative-brennstoffzelle.de

Weitere Berichte zu: Energieträger Wasserstoff Windkraft Windkraftanlage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU
15.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

nachricht Nachhaltige Thermoprozesse
15.08.2018 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU

15.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

15.08.2018 | Informationstechnologie

FKIE-Wissenschaftler präsentiert neuen Ansatz zur Detektion von Malware-Daten in Bilddateien

15.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics