Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cebit 2017: Mit „Multi-View Video-Streaming“ im Krimi um die Ecke schauen

13.03.2017

Mit der heutigen Übertragungstechnologie ist weitaus mehr möglich, als im heimischen Wohnzimmer ankommt. Beim „Multi-View Video-Streaming“ etwa können sich Anwender Szenen aus verschiedenen Perspektiven anschauen. Die Anwendungsgebiete reichen von der Unterhaltungselektronik, über Computerspiele und virtuelle Welten bis hin zu lebensechten Videokonferenzen und autonomen Fahren. Bisher existierte jedoch kein funktionierendes Gesamtsystem für diese Technologie. Informatiker der Universität des Saarlandes stellen dieses nun auf der Computermesse Cebit vor.

Durch eine verbesserte Kameratechnologie kann heute eine Szene simultan von mehreren Kameras aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen werden. Das eröffnet neue Anwendungsgebiete, insbesondere im heimischen Wohnzimmer:


An der Universität des Saarlandes erforscht Tobias Lange zusammen mit Professor Thorsten Herfet das Multi-View-Video-Streaming.

Oliver Dietze

„Wenn im Fernseh-Krimi plötzlich der mutmaßliche Täter in einem Nebenzimmer spricht und nicht sichtbar wird, könnte der Zuschauer mit der neuen Technologie die Perspektive ändern und um die Ecke schauen“, erklärt Tobias Lange, Doktorand an der Universität des Saarlandes.

Zusammen mit Thorsten Herfet, Professor für Nachrichtentechnik an der Saar-Uni, erforscht Tobias Lange am dortigen Intel Visual Computing Institute das sogenannte Multi-View Video-Streaming. Das ist eine Technologie, deren Komponenten für sich zwar alle funktionieren, jedoch noch nicht in einem Gesamtsystem. Das wollen die beiden Informatiker der Saar-Universität und ihre Kollegen ändern. Denn die Anwendungsmöglichkeiten des Multi-View Video-Streamings sind immens.

Nicht nur in der Unterhaltungsindustrie, auch die Arbeitswelt könnte Multi-View Video-Streaming mit lebensechten Videokonferenzen revolutionieren. „Auch wenn Autos autonom in der Kolonne fahren, könnte diese Technologie nützlich sein. Wie sonst sollte das Fahrzeug hinten Zugriff auf die Bilder des Wagens ganz vorne bekommen?“, so Lange.

Um diese Vision umzusetzen, sind jedoch noch einige Herausforderungen zu lösen. Größtes Manko: Die Netzwerktechnologie hat sich nicht im gleichen Maße weiterentwickelt wie die Aufnahmetechnik. Denn das Bildmaterial muss nicht nur von mehreren Kameras aufgezeichnet werden, sondern auch zu einer Sammlung von Datenpaketen codiert und im Übertragungspuffer des Servers gespeichert werden. Von dort aus finden die Bilder ihren Weg über das Internet zum Rechner des jeweiligen Betrachters.

Dort angekommen, gilt es die Daten rechtzeitig auszupacken und so abzuspielen, dass sich der Zuschauer seine Perspektive aussuchen kann und auf gar keinen Fall irgendwelche Bildfehler bemerkt. „Die Datenrate ist abstrus. Schon jetzt ist eine so hohe Bandbreite erforderlich, dass die meisten der heutigen Internetanschlüsse damit überfordert wären“, erklärt Lange. Auch die Berechnungen seien sehr komplex.

Die Saarbrücker Informatiker gehen diese Herausforderung an, indem sie den kompletten Produktionsweg punktuell verbessern. Beim Streaming minimieren sie mit speziellen Rechenverfahren die Verzögerung so sehr, dass sie kaum noch wahrnehmbar ist. Um das Codieren und Decodieren in einer akzeptablen Zeitspanne zu schaffen, setzen sie auf einen verteilten Ansatz.

Jede Kamera benutzt dazu einen eigenen Mini-Computer, der unmittelbar hinter ihr angebracht ist. Auch für das Berechnen der Bilder haben die Forscher ein neues Verfahren entwickelt damit diese aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden können, und zwar nahezu in Echtzeit.

Mit diesen punktuellen Verbesserungen haben sie ein Gesamtsystem geschaffen, das funktioniert. „Bisher gibt es nur wenige Lösungsansätze“, erklärt Lange. Daher ist er skeptisch, ob dies ausreicht, um die Technologie salonfähig zu machen. „Vielleicht übernimmt das ja unser Forschungspartner Intel. Dort schaut man sich die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit an“, sagt Lange. Das Gesamtsystem präsentieren die Forscher nun vom 20. bis 24. März auf der Computermesse Cebit in Hannover (Halle 6, Stand E28).

Pressefotos unter: www.uni-saarland.de/pressefotos

Fragen beantwortet:

Thorsten Herfet
Lehrstuhl für Nachrichtentechnik
Saarland Informatics Campus C6 3
Universität des Saarlandes
Tel.: +49 (0)681 302-70852
E-Mail: herfet@cs.uni-saarland.de

Redaktion:
Gordon Bolduan
Kompetenzzentrum Informatik Saarland Saarland Saarland Informatics Campus E1 7
Universität des Saarlandes
Telefon: +49 681 302-70741
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-2601).

Weitere Informationen:

http://www.intel-vci.uni-saarland.de/de/projekte/efficient-multi-view-video-stre...

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT:

nachricht Erster Cloud-Park Deutschlands für energieintensive Edge-Szenarien
13.06.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Cooling für alle Edge-Szenarien – vom einzelnen Rack bis zum kompletten Datacenter
12.06.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics