Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer-Institute legen Lösungsarchitektur zur elektronischen Gesundheitskarte vor

17.03.2005


Die Fraunhofer-Gesellschaft hat die Lösungsarchitektur für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) am 14. März termingerecht auf der CeBIT an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt überreicht. Anschließend erläuterten die Fraunhofer-Forscher auf einer Fachpressekonferenz Struktur und Bedeutung der Lösungsarchitektur. Dabei stellten sie insbesondere die Konzepte zur Wahrung von IT-Sicherheit und Datenschutz dar.


"Die elektronische Gesundheitskarte ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das bei Erfolg zu einem Exportschlager werden könnte", betont Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Die vorgelegte Lösungsarchitektur klärt die technische Struktur des Gesundheitswesens, die für den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte nötig ist. Sie beschreibt detailliert, wie das Zusammenspiel zwischen Patienten, Ärzten, Apothekern und Krankenkassen in Zukunft funktionieren soll. "Sicherheitsfragen spielten in der Entwicklung der Lösungsarchitektur eine zentrale Rolle", betont Projektleiter Prof. Herbert Weber vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST. Deshalb haben die Fraunhofer-Forscher Szenarien entwickelt, die funktionierende Abläufe im Gesundheitswesen garantieren, sogar wenn technische Störungen auftreten. So soll es etwa in der Einführungsphase der Karte Kontrollausdrucke für das elektronische Rezept geben. Damit kommen Patienten selbst bei Stromausfall an ihre Medikamente.

Medizinische Daten können gemäß Lösungsarchitektur sowohl auf der eGK des Versicherten als auch über Anwendungsdienste auf Servern gespeichert werden. Der Zugang zu den Anwendungsdiensten wird über eine sichere Kommunikationsinfrastruktur realisiert. Sie besteht aus mehreren Virtual Private Networks (VPN) für verschiedene Sektoren des Gesundheitswesens – wie zum Beispiel Ärzte oder Apotheker. Die Kommunikationsinfrastruktur wird durch Access- und Service- Gateways abgeschirmt. Hierdurch ist sichergestellt, dass nur berechtigte Personen Zugang zur Infrastruktur und damit auch zu den Anwendungsdiensten – und letztendlich den Daten – erlangen können.


Die dezentral angelegten Datenspeicher sind über eine anwendungsübergreifende einheitliche Zugangs- und Integrationsschicht (ZIS) von den Anwendungsdiensten entkoppelt. "Die ZIS realisiert nicht nur eine transparente Datenverteilung, sondern stellt vor allem sicher, dass nur Personen Zugang zu den Daten erhalten, die von dem Versicherten dazu ermächtigt sind", erläutert der für die Gesamtarchitektur verantwortliche Mitarbeiter des Fraunhofer ISST, Jörg Caumanns, das Konzept. "Hierzu wird in der ZIS ein Ticket-Verfahren umgesetzt, das mit kryptografischen Verfahren arbeitet und die Rechteeinräumung sowie Nutzung zeitlich trennen. Erst so sind fachliche Anforderungen wie zum Beispiel das Ausstellen von Wiederholungsrezepten oder die Nutzung von Versandapotheken in einer Form umsetzbar, die weder das einheitliche Sicherheitskonzept aufweicht noch einzelne Anwendungen zu einer Ansammlung von Spezialfällen macht."

Wesentlicher Baustein der Architektur ist der "Konnektor". Er verbindet die Systeme der Leistungserbringer (zum Beispiel Ärzte, Zahnärzte, Apotheker) mit der Telematikinfrastruktur. Über den Konnektor kann der Arzt etwa auf die Krankengeschichte des Patienten zugreifen, gleichgültig ob diese im Krankenhaus oder bei einem anderen Facharzt gespeichert ist. "Der Konnektor, als sicherer Endpunkt der Telematik, vereint in sich alle notwendigen Funktionen, um das sichere Arbeiten mit den Gesundheitsdaten zu ermöglichen", so Jörg Kunsmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. "Verschlüsselungs-, Signatur- und Authentifizierungsfunktionalität sorgen dafür, dass die Daten sicher abgelegt werden können, und dass Vertraulichkeit gewahrt bleibt – auch bei einer verteilten Speicherung." Im Zusammenwirken mit den Access Gateways stellt der Konnektor sicher, dass die Kommunikationsinfrastruktur nur von berechtigten Personen genutzt werden kann.

Die Karte selbst, so die Fraunhofer-Experten, macht den Versicherten zum Herrn über die eigenen Daten. "Der Versicherte entscheidet selbst, welche der angebotenen Gesundheitsdienste er nutzen möchte", sagt Kartenexperte Bruno Struif vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT. "Und der Versicherte bestimmt auch, wann und wem er seine Daten zugänglich machen will." Die entsprechenden Möglichkeiten sollen elektronische Infoterminals bieten, die sich in einem sicheren Umfeld befinden müssen – ähnlich einem Bankautomat. Hier kann der Versicherte die mit der Karte verbundenen Informationen freigeben oder sperren. Dies tut er über das eTicket, das den Zugriff auf ein zugeordnetes medizinisches Dokument (Befund, Rezept, Arzneimitteldokumentation) steuert.

Mit der Übergabe ist die Entwicklung der Lösungsarchitektur noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse werden durch Experten einem öffentlichen Kommentierungsverfahren unterzogen und anschließend durch Tests in ausgewählten Regionen überprüft und falls nötig angepasst. Die Lösungsarchitektur bietet aber schon jetzt Informationen, mit denen Unternehmen technische Lösungen für den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte entwickeln können.

Ines Jansky | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isst.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2005:

nachricht CeBIT 2005 hat Erwartungen der Aussteller voll erfüllt
17.03.2005 | BITKOM - Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

nachricht eleven stellt zur CeBIT neue Version seines Anti-Spam-Dienstes eXpurgate vor
16.03.2005 | eleven GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2005 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics