Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zebrafinkenküken profitieren von Liebesheiraten

15.09.2015

Was ist der ideale Partner? Für Zebrafinken ist das weniger eine Frage der Gene, sondern des Verhaltens. Harmonieren zwei Partner nicht, sinkt ihr Fortpflanzungserfolg. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben herausgefunden, dass Zebrafinken, die ihren Partner selbst wählen, mehr Nachkommen haben als Vögel, deren Paarbeziehung erzwungen wurde. Erzwungene Partnerschaften gehen häufiger mit unbefruchteten Eiern einher, außerdem sterben mehr ihrer Nachkommen.

Zebrafinken sind sozial monogam, suchen sich also einen Partner fürs Leben und betreiben eine intensive, gemeinsame Brutpflege.


Zebrafinken haben mehr Nachkommen, wenn sie ihren Lebenspartner frei wählen können

Wolfgang Forstmeier


Erzwungene Partner haben zwar gleich viele Eier als freiwillige Paare, diese sind aber öfters unbefruchet.

Malika Ihle

Ein idealer Partner gibt seinen Nachkommen gutes genetisches Material mit auf den Weg und erhöht durch sein Verhalten die Anzahl und Überlebensfähigkeit seiner Jungen. Dabei stimmen aber innerhalb einer Art längst nicht alle überein, wer der attraktivste Partner ist. Vielmehr gibt es oft sehr individuelle Vorlieben.

Dies könnte bedeuten, dass die Partner mit ihren Genen oder ihrem Verhalten zu einander passen müssen. Bislang ist noch weitgehend unbekannt, welche Folgen es hat, wenn eine individuelle Partnerwahl unterdrückt wird.

Malika Ihle, Bart Kempenaers und Wolfgang Forstmeier vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben Kosten und Nutzen der individuellen Liebe bei den Vögeln analysiert. Die Wissenschaftler ließen dafür Zebrafinken-Singles zunächst ihren bevorzugten Partner selbst aussuchen. Damit schlossen sie Tiere aus, mit denen sich niemand verpaaren will.

Die Hälfte der selbstgewählten Paare trennten sie daraufhin wieder und brachte sie mit einem bevorzugten Partner eines anderen Vogels zusammen. Dann hielten die Forscher die frisch verpaarten Tiere einige Zeit zu zweit. In dieser Zeit verfestigte sich die Paarbeziehung – auch die der Partner, die sich nicht gegenseitig ausgewählt hatten. Zurück in der Kolonie trennten sich zwar erzwungene Paare häufiger wieder als freiwillig verpaarte Tiere, aber meistens blieben auch sie ein Leben lang zusammen.

In der Anzahl der gelegten Eier unterschieden sich die Paare nicht: Die Anfangsinvestitionen freiwilliger und erzwungener Paare waren also dieselben. Während die Sterblichkeit von Embryonen im Ei von den Genen abhängt, bestimmt die Fürsorge der Eltern das Überleben von Küken nach dem Schlupf. In den Nestern der zwangsverpaarten Vögel verschwanden jedoch mehr Eier oder waren unbefruchtet.

„Außerdem starben mehr Küken nach dem Schlüpfen, die meisten innerhalb der ersten 48 Stunden“, sagt Malika Ihle, Erstautorin der Studie. In dieser Zeit hat der Vater die meiste Verantwortung für das Nest. Männchen in erzwungenen Partnerschaften schenkten den Jungen in dieser entscheidenden Zeit weniger Aufmerksamkeit.

„Sozial monogame Tiere müssen in ihrem Verhalten zueinander passen, damit sie sich gegenseitig motivieren können und die Aufgaben miteinander koordinieren und teilen können“, sagt Wolfgang Forstmeier, Leiter der Studie.

Doch wie äußert es sich, wenn ein Paar im Verhalten nicht zueinander passt? Die Wissenschaftler beobachteten die Paare über 1700 Stunden lang und stellten fest, dass sich die Männchen in der Balz nicht unterschieden. Die Weibchen mit einem zugewiesenen Partner waren dagegen weniger paarungsfreudig. Freiwillige Paare verhielten sich darüber hinaus harmonischer:

Beim gegenseitigen Kraulen und einander Folgen verhielten sie sich synchroner, saßen näher beieinander und turtelten weniger mit Fremden als erzwungene Paare. Zebrafinken, die den passenden Partner fürs Leben gefunden haben, bekommen also mehr Nachwuchs und haben damit eine höhere biologische Fitness.

Kontakt:
Dr. Malika Ihle
Tel. +49 (0) 8157 932-310
E-Mail: mihle@orn.mpg.de

Dr. Wolfgang Forstmeier
Tel. +49 (0) 8157 932-346
E-Mail: forstmeier@orn.mpg.de
beide Max-Planck-Institut für Ornithologie
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik

Publikation:
Fitness Benefits of Mate Choice for Compatibility in a Socially Monogamous Species (2015). Malika Ihle, Bart Kempenaers, Wolfgang Forstmeier. PLoS Biology, Veröffentlicht am 14. September 2015

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut für Ornithologie
Weitere Informationen:
http://www.orn.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Form bleiben
16.08.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

nachricht Intelligente Fluoreszenzfarbstoffe
16.08.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics