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Wnt-Rezeptor als neues therapeutisches Target bei Lungenfibrose entdeckt

15.02.2016

Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), haben in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Universität Groningen einen spezifischen Rezeptor des Wnt-Signalweges* als therapeutisches Target für idiopathische Lungenfibrose (IPF) identifiziert. Die Ergebnisse sind nun im FASEB Journal veröffentlicht.

Einem Team um Dr. Dr. Melanie Königshoff und Dr. Hoeke Baarsma am Comprehensive Pneumology Center des Helmholtz Zentrums München ist es nun zusammen mit klinischen Partnern erstmals gelungen, eine Funktion des bislang unerforschten Rezeptors Frizzled-8 (FZD8) nachzuweisen. Dieser spielt eine Rolle im Wnt-Signalweg, der wiederum Einfluss auf die Embryonalentwicklung aber auch verschiedene Krankheiten haben kann.


Dr. Dr. Melanie Königshoff und Dr. Hoeke Baarsma, Quelle: Helmholtz Zentrum München

„Unsere Forschung zeigt, dass die Aktivierung von FZD8 an der Veränderung von Signalwegen in der Zelle beteiligt ist, die bei der Ausbildung von fibrotischen Erkrankungen und möglicherweise auch anderen chronischen Lungenerkrankungen eine Rolle spielen“, sagt Baarsma. Die Forscher konnten dabei im Speziellen beobachten, dass über FZD8 der TGF-beta und der Wnt-Signalweg zusammenwirken. So kommt es zur Fibroblastenaktivierung und einem Umbau des Lungengewebes; beides ist typisch für die Ausbildung einer idiopathischen Lungenfibrose.

Hemmung von FZD8 als therapeutischer Ansatz

Chronische Lungenerkrankungen, wie beispielsweise die idiopathische pulmonale Lungenfibrose, sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die zweithäufigste Todesursache der Welt. Bisher gibt es wenig kausale Therapieansätze.

„Die neue gefundene Wirkung des FZD8 Rezeptors auf Fibroblasten bietet uns die Möglichkeit, hier an einem wichtigen Schnittpunkt zwischen dem Wnt und TGF-beta-Signalweg direkt therapeutisch anzusetzen und den Rezeptor zu hemmen“, erklärt Königshoff, Leiterin der Studie.

Die Erforschung von Therapien für die Behandlung von IPF und anderen chronischen Lungenerkrankungen ist sehr wichtig, um Patienten mit diesen teilweise sehr schnell verlaufenden Erkrankungen eine Perspektive zu bieten. Das Team von Melanie Königshoff, Hoeke Baarsma und den Kollegen aus Groningen wird unter anderem auch vom niederländischen Longfond gefördert und erforscht neuartige pharmakologische Ansätze, die in den Wnt-Signalweg eingreifen.

Wissenschaftler versuchen, die Beteiligung von FZD8 bei der Krankheitsentwicklung in Modellsystemen für chronische Lungenerkrankungen durch Inhibitoren weiter zu entschlüsseln. Dr. Baarsma´s Forschung konzentriert sich hierbei auf die Rolle des Wnt Signalweges auf Fibroblasten, sein Forschungsprojekt wird von der Helmholtz-Gemeinschaft im Rahmen des Helmholtz-Postdoktorandenprogramms gefördert.


Weitere Informationen

Hintergrund:
*Der Wnt-Signalweg ist einer von vielen Wegen zur Weitergabe von Signalen, durch die Zellen auf äußere Veränderungen reagieren können. Der Signalweg ist nach seinem Hauptakteur „Wnt“ benannt, einem Signalprotein, das als lokaler Vermittler eine wichtige Funktion bei der Entwicklung verschiedener tierischer Zellen einnimmt. An der Weiterleitung der Signale sind zahlreiche Proteine beteiligt, darunter das beta-Catenin.

Original-Publikation:
Spanjer, AI et al. (2016): TGF-β-induced profibrotic signaling is regulated in part by the WNT receptor Frizzled-8. FASEB Journal, doi: 10.1096/fj.201500129

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Lungenbiologie (iLBD) gehört dem Comprehensive Pneumoloy Center (CPC) an, einem Zusammenschluss des Helmholtz Zentrums München mit dem Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Das CPC verfolgt einen translationalen Forschungsansatz um neue präventive, diagnostische und therapeutische Strategien für chronische Lungenerkrankungen zu entwickeln. Das iLBD führt mit der Untersuchung der Pathomechanismen von Lungenerkrankungen mit zellulären, molekularen und immunologischen Methoden den Schwerpunkt der experimentellen Pneumologie an. Das CPC ist einer von fünf Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). http://www.helmholtz-muenchen.de/ilbd/index.html

Ansprechpartner für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Dr. Melanie Königshoff, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Comprehensive Pneumology Center, Max-Lebsche-Platz 31, 81377 München - Tel. +49 89 3187 4668 - E-Mail: melanie.koenigshoff@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://www.fasebj.org/content/early/2016/02/09/fj.201500129.long - Link zur Original-Publikation
http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/32180/index.html - Pressemmitteilung online

Sonja Opitz | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

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