Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenswertes zu Tuberkulose

22.03.2011
Geschätzte 2 Milliarden Menschen sind mit Mycobacterium tuberculosis infiziert, von diesen erkrankt jeder Zehnte an Tuberkulose.

Jedes Jahr sterben rund 2 Millionen Menschen daran. Die Bakterien werden ausgehustet und gelangen in mikroskopisch kleinen Tröpfchen in die Lunge. Dort werden sie von Fresszellen des Immunsystems aufgenommen. Dank eines raffinierten Mechanismus werden sie von den Immunzellen nicht verdaut, sondern verbleiben dauerhaft im Inneren der Zellen. So entkommen sie den Attacken des Immunsystems.


Tuberkulose-Bakterien (grün) in einer Fresszelle des Immunsystems. Die Lysosomen, das Verdauungssystem der Zelle, sind rot, Lysosomen mit Bestandteilen der Bakterien sind gelb gefärbt.
© MPI für Infektionsbiologie

Verschiedene Arten von Immunzellen bilden so genannte Granulome, in denen die Tuberkulose-Bakterien Jahre überdauern können (latente Infektion). Sie verfallen in einen inaktiven Dauerzustand mit verringertem Stoffwechsel und können deshalb vom Immunsystem nicht restlos beseitigt werden. So lange das Immunsystem die Erreger auf diese Weise in Schach hält, merken die latent infizierten Betroffenen nichts davon. Sie sind auch nicht infektiös. Ein geschwächtes Immunsystem kann die Infektion jedoch nicht mehr kontrollieren und die Erreger werden aus den Granulomen frei gesetzt. Der Infizierte wird krank und verbreitet die Keime.

Eine wichtige Rolle beim Ausbruch von Tuberkulose spielen andere Infektionen, die das Immunsystem in Anspruch nehmen oder schwächen. So ist die starke Zunahme von Tuberkulose-Patienten seit den 1980er Jahren auch eine Folge von HIV. Viele Tuberkulose-Patienten sind gleichzeitig auch HIV-Patienten. Tuberkulose ist inzwischen die häufigste Todesursache dieser Patienten. Auch Infektionen mit Wurmparasiten, wie sie gerade in ärmeren Ländern allgegenwärtig sind, können das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen und so eine Tuberkulose begünstigen.

Ein weiterer Grund für die Ausbreitung der Tuberkulose ist der Mangel an Impfstoffen und die zunehmenden Resistenzen gegen die herkömmlichen Medikamente. Der einzige heute verfügbare Impfstoff schützt nur Neugeborene und Kinder und auch diese nur vor einem schweren Krankheitsverlauf. Dieser Impfschutz lässt zudem im Laufe der Jahre nach. Impfungen im Erwachsenenalter bieten überhaupt keinen Schutz. Die zwölf heute in klinischen Studien getesteten Impfstoff-Kandidaten sollen den jetzigen 90 Jahre alten Impfstoff entweder in seiner Wirksamkeit verstärken oder komplett ersetzen. Sie können eine Infektion zwar nicht unterbinden, aber den Ausbruch der Erkrankung verhindern.

Insgesamt gibt es heute über 20 Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose, die medikamentöse Behandlung ist jedoch sehr aufwändig. Die Patienten müssen zunächst zwei Monate lang einen Cocktail aus vier Medikamenten einnehmen, gefolgt von zwei weiteren Medikamenten über vier bis sieben Monate hinweg.

Da dieses Schema oft nicht sorgfältig eingehalten oder vorzeitig abgebrochen wird, haben sich in den letzten Jahren immer mehr resistente Mycobacterium tuberculosis-Stämme entwickelt. Manche sind unempfindlich gegen die besten verfügbaren Medikamente und sprechen nur noch auf Wirkstoffe zweiter Wahl an, die jedoch stärkere Nebenwirkungen mit sich bringen. Andere können mit den verfügbaren Medikamenten nicht mehr behandelt werden.

| Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/1245086/fakten_zu_tuberkulose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schnelle Wasserbildung in diffusen interstellaren Wolken

25.06.2018 | Physik Astronomie

Gleisgenaue Positionsbestimmung für automatisierte Bahnanwendungen

25.06.2018 | Informationstechnologie

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics