Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie der Verlust eines Zellproteins Krebszellen begünstigt und gesunden Zellen schadet

30.05.2014

Januskinasen (JAKs) sind Proteine, die das Wachstum vieler Krebszellen fördern. Innerhalb dieser Kinasenfamilie kommt dem Protein JAK2 besondere therapeutische Bedeutung zu: seine Inaktivierung soll Krebs- und Blutkrebszellen abtöten.

Unklar war jedoch bisher, welche Auswirkung JAK2-Hemmung auf gesunde Blutstammzellen hat. KrebsforscherInnen an der Vetmeduni Vienna zeigen, dass der Verlust von JAK2 in der Maus gesunde Blutstammzellen verschwinden lässt. Die Krebszellen erhalten einen Wachstumsvorteil gegenüber den gesunden Zellen. Ob diese Ergebnisse auch auf Therapien in Menschen umsetzbar sind, wird künftig untersucht. Die Ergebnisse wurden im Journal Leukemia veröffentlicht.


Das Ausschalten von JAK2 bringt Leukämiezellen indirekt einen Wachstumsvorteil, indem es den gesunden Zellen schadet. Illustration: Sabine Fajmann / Vetmeduni Vienna

Januskinasen stehen zurzeit als neue Therapieansätze im Rampenlicht der Krebsforschung. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Protein JAK2. Durch dessen Hemmung wird versucht, chronische Erkrankungen des Knochenmarks, wie Myelofibrose und chronisch myeloische Leukämie (CML) zu heilen.

JAK2-Verlust bringt Vorteil für Leukämiezellen

ForscherInnen vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie an der Vetmeduni Vienna könnten nun ein Umdenken auf dem Gebiet der JAK2-Hemmung bewirken. Um die menschliche Krankheit möglichst gut nachzustellen, nutzten die Forschenden leukämiekranke Mäuse als Modell. Im Experiment erhielten die Mäuse sowohl entartete, als auch gesunde Blutstammzellen, in denen JAK2 mittels genetischer Methoden ausgeschalten worden war. „Das Fehlen von JAK2 beschleunigte den Leukämieverlauf bei den Tieren drastisch“, so das Fazit der ForscherInnen.

Der JAK2-Verlust bewirkte bei Mäusen das Verschwinden der gesunden Blutstammzellen. „Die leukämischen Zellen hingegen blieben völlig unbeeindruckt, sie brauchen JAK2 nicht. Dies hatte ein Ungleichgewicht zur Folge, indem die Anzahl leukämischer Zellen stark überwog, was letztendlich zu der Beschleunigung der Leukämieerkrankung führte“, so Eva Grundschober, eine der Erstautorinnen.

„Das Onkogen BCR-ABL, das in den leukämiekranken Mäusen vorhanden war, scheint für seine Aktivität JAK2 nicht zu benötigen. Für gesunde Zellen scheint JAK2 jedoch essenziell zu sein“, erklärt Erstautorin Andrea Hölbl-Kovacic.

JAK2 ist wichtig für das Überleben der Blutstammzellen

Eine nähere Untersuchung gesunder Stammzellen unterstützt diese Hypothese. Fehlt JAK2, können gesunde Stammzellen nicht überleben und keine Blutzellen nachbilden. In dieser Studie wurde mit Hilfe komplexer genetischer Modelle das gesamte JAK2 Protein entfernt. Als nächsten Schritt wird man sich im Labor Sexl nun folgender Frage widmen: Wie vermittelt JAK2 die lebenserhaltende Wirkung auf gesunde Stammzellen? Welche Abschnitte des JAK2 Proteins sind dazu nötig und sind diese von derzeitigen Therapien betroffen?

Service:
Der Artikel „Acceleration of Bcr-Abl+ leukemia induced by deletion of JAK2” von Eva Grundschober, Andrea Hoelbl-Kovacic, Neha Bhagwat, Boris Kovacic, Ruth Scheicher, Eva Eckelhart, Karoline Kollmann, Matthew Keller, Florian Grebien, Kay-Uwe Wagner, Ross L. Levine und Veronika Sexl wurde im renommierten Journal Leukemia veröffentlicht. doi: 10.1038/leu.2014.152 http://www.nature.com/leu/journal/vaop/naam/abs/leu2014152a.html

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Veronika Sexl
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 25077-2910
M + 43 664 60257-6291
veronika.sexl@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2014/jak...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics