Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie breitet sich der Kalikokrebs aus?

25.06.2018

Citizen Science-Projekt zu hochinvasiver Art / Krebse wandern das ganze Jahr / Ergebnisse auf www.kmae-journal.org veröffentlicht

Auch Bürgerinnen und Bürger können einen wichtigen Beitrag für die Wissenschaft leisten. Zum Beispiel indem sie sich in Citizen Science-Projekten engagieren. Sie beobachten Phänomene, erfassen Daten oder sammeln Objekte. Auch die Pädagogische Hochschule Karlsruhe hat 2016 ein Citizen Science-Projekt gestartet.


Die Weibchen des Kalikokrebses tragen bis zu 500 Eier

Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Spaziergänger am Oberrhein zwischen Leiberstung am Baden-Airport und Rheinstetten waren dazu aufgerufen, hochinvasive Kalikokrebse zu melden und Fotos ihrer Funde per Smartphone an das Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung senden.

Mit Hilfe der Meldungen konnten die Biologen nun zeigen, dass der Kalikokrebs (Faxonius immunis) das ganze Jahr über am Oberrhein wandert. Die Fachzeitschrift „Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems“ hat die Ergebnisse kürzlich veröffentlicht.

„Wir wollten das natürliche Verhalten der Überlandwanderung der Kalikokrebse jahreszeitlich quantifizieren und mit den Ergebnissen unserer kleinräumigen Untersuchungen verknüpfen“, umreißt Alexander Herrmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung das Projektziel.

Denn diese aus Nordamerika stammenden Krebse, die sich seit 1993 am Oberrhein ausbreiten, sind eine der größten Bedrohungen für die Biodiversität in und an heimischen Gewässern. „Uns stellte sich die Frage, wie wir die Wanderungen erfassen könnten. Und weil das gewässerreiche Areal bei Spaziergängern sehr beliebt ist, kamen wir auf die Idee, sie um Mithilfe zu bitten und entsprechende Schilder aufzustellen.“

Insgesamt 98 Meldungen erreichten die Forscher von Juni 2016 bis Januar dieses Jahres, 33 konnten dem Kalikokrebs zugeordnet werden, sechs betrafen andere invasive Flusskrebsarten wie den Roten Amerikanischen Flusskrebs, den Kamberkrebs, den Signalkrebs und den Marmorkrebs. Im Gegensatz zu heimischen Flusskrebsarten ist der Kalikokrebs in der Lage über Land zu wandern und in Amphibienschutzteichen sowie Kleingewässern zu überleben, die im Sommer hohe Wassertemperaturen aufweisen. Dort bauen die Kalikokrebse Massenbestände auf und verändern das Habitat drastisch: Sie zerstören in vielen Fällen die Vegetation und vernichten die Amphibien- und Libellenbestände nahezu vollständig.

„Die Jahreszeit scheint nur eine kleine Rolle zu spielen, wichtiger sind offenbar Faktoren wie hohe Luftfeuchtigkeit und milde Temperaturen“, erläutert Alexander Herrmann, dass der Kalikokrebs das ganze Jahr über wandert und die höchste Wanderaktivität im April und Oktober zeigt.

Der Wissenschaftler hat die Ergebnisse des Citizen Science-Projekts, das von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg finanziert wurde, Mitte Juni zusammen mit Adam Schnabler und Andreas Martens in der Fachzeitschrift „Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems“ auf http://www.kmae-journal.org veröffentlicht. Der Titel des Artikels lautet “Phenology of overland dispersal in the invasive crayfish Faxonius immunis (Hagen) at the Upper Rhine River area“ (https://doi.org/10.1051/kmae/2018018). In dem international anerkannten Open Access-Journal wurde 2012 der bisher für die Region Oberrhein wichtigste, internationale Artikel zum Thema Kalikokrebse veröffentlicht (Chucholl, 2012, "Understanding invasion success").

Bürgerinnen und Bürger können sich auch weiterhin per E-Mail an Flusskrebse@mail.de melden, falls sie Kalikokrebse an Land finden. Gut wäre es, ein Foto des Fundes zu machen und als Anhang mitzuschicken. Das erleichtert den Biologen die Arbeit enorm.

Weitere Infos zum Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung auf http://www.ph-karlsruhe.de/institute/ph/institut-fuer-biologie-und-schulgartenen...

Mit ihren rund 3.700 Studierenden, 180 in der Wissenschaft Tätigen und ihrem hohen Niveau in Forschung und Lehre ist die Pädagogische Hochschule Karlsruhe ein unverzichtbarer Bestandteil des Wissenschaftsstandorts Karlsruhe. Zum unverwechselbaren Profil zählt der Fokus auf die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, auf mehrsprachliche Bildung, Bilinguales Lehren und Lernen sowie auf den Umgang mit Heterogenität und Ungleichheit. Die Hochschule vereint erziehungswissenschaftliche, fachdidaktische und fachwissenschaftliche Forschung – immer mit dem Ziel, Bildungsprozesse besser zu verstehen und zu gestalten.

Pressekontakt:
Regina Schneider M. A.
Pressereferentin
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Bismarckstraße 10
76133 Karlsruhe
Telefon +49 721 925 4115
E-Mail: Regina.Schneider@vw.ph-karlsruhe.de

Weitere Informationen:

http://www.kmae-journal.org/articles/kmae/full_html/2018/01/kmae180014/kmae18001...

Regina Schneider | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze
18.07.2018 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics