Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit seltene Gerätekombination an der FH Bielefeld

14.03.2016

Seit ein paar Tagen steht ein so genannter Mikrobioreaktor, integriert in einen Pipettierroboter, genauer der BioLector® Pro mit RoboLector® der m2p-labs-GmbH in der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Damit können nun Bakterien, Pilze oder Pflanzenzellkulturen unter idealen Bedingungen gezüchtet werden. „Der Mikrobioreaktor misst verschiedene Parameter wie den pH-Wert oder die Temperatur und bessert mithilfe des Pipettierroboters bei Abweichungen eigenständig nach“, erklärt Prof. Dr. Anant Patel. Denn eigentlich sind es zwei Geräte, die zu einem zusammengefügt wurden. Die FH Bielefeld ist weltweit eine von wenigen Hochschulen und Firmen, die diese innovative Gerätekombination besitzen.

 „Mit diesem Gerät hätte ich die Versuche für meine Doktorarbeit in der Hälfte der Zeit herausarbeiten können“, sagt Dr. Rieke Lohse und guckt ein bisschen stolz zu einem großen Glasschrank im Labor für Mikrobiologie der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Dort steht seit ein paar Tagen ein so genannter Mikrobioreaktor, integriert in einen Pipettierroboter, genauer der BioLector® Pro mit RoboLector® der m2p-labs-GmbH.


Peter Spieth (v.l.), Dr. Rieke Lohse und Prof. Dr. Anant Patel züchten derzeit die ersten Zellkulturen im neuen Mikrobioreaktor der FH Bielefeld.

Berit Steinkröger

Damit können die Wissenschaftler nun zum Beispiel Bakterien, Pilze oder Pflanzenzellkulturen unter idealen Bedingungen züchten. „Der Mikrobioreaktor misst verschiedene Parameter wie den pH-Wert oder die Temperatur und bessert mithilfe des Pipettierroboters bei Abweichungen eigenständig nach“, erklärt Prof. Dr. Anant Patel, Leiter der Arbeitsgruppe "Fermentation und Formulierung von Zellen und Wirkstoffen". Denn eigentlich sind es zwei Geräte, die zu einem zusammengefügt wurden. Die FH Bielefeld ist weltweit eine von wenigen Hochschulen und Firmen, die diese innovative Gerätekombination besitzen.

Vor zwei Jahren hatten die Wissenschaftler des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik den Antrag für das vollautomatische Mikrobioreaktorsystem gestellt. Im November 2014 war es im Rahmen des Förderprogrammes „FHInvest“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bewilligt worden. 20 Prozent des Geldes kommen zudem vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW. Doch die Lieferung verschob sich immer wieder. Umso glücklicher ist die Arbeitsgruppe nun, dass der Biolector endlich in ihrem Labor steht.

„Erste Tests mit Hefe haben wir bereits gemacht, und die Ergebnisse sind sehr überzeugend“, sagt Rieke Lohse. Hefe sei deshalb benutzt worden, weil hier, wie bei Bakterien, die Kultivierungsprozesse relativ schnell ablaufen. „Dabei hat man das gewünschte Wachstum meist schon nach zwei Tagen, während es bei Pflanzenzellkulturen ein bis zwei Monate dauert. Sie wachsen einfach langsamer“, so Lohse.

Gerade auch dabei helfe die neue Gerätekombination den Forschern, weil sie zum Testen ihrer Proben nicht mehr selbst die Pipette in die Kulturen halten müssen. „Dabei besteht die Gefahr einer Kontamination. Das ist natürlich bei Proben, die bereits mehrere Monate gewachsen sind, besonders ärgerlich, wenn man wieder von vorne beginnen muss“, erklärt Lohse.

Derzeit wird das Gerät vor allem für die Entwicklung eines Kultivierungsverfahrens zur Produktion eines neuartigen Bioinsektizids verwendet. Hierfür stellen die Forscher derzeit Pflanzenzellkulturen her und isolieren Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien, Endophyten genannt, aus dem Inneren des indischen Niembaums.

„In der Natur produziert dieser spezielle Baum Stoffe, die auf Insekten fraß- und reproduktionshemmend wirken“, meint Prof. Dr. Anant Patel. Die Pflanzenzellkulturen und Endophyten werden mittels komplexer Analyseverfahren auf eine mögliche Insektizidproduktion hin untersucht. Anschließend wird die Insektizidausbeute durch eine Optimierung des Kultivierungsverfahrens im neuen Mikrobioreaktorsystem gesteigert.

Im weiteren Verlauf des Projektes soll das optimierte Kultivierungsverfahren in Kooperation mit einem Unternehmen auf einen größeren Rührkesselreaktor, auch Fermenter genannt, im Labor- und Technikumsmaßstab übertragen werden, so dass es zum Projektende vielleicht möglich ist, das Bioinsektizid ohne das ursprüngliche Pflanzenmaterial zu produzieren.

Detlev Grewe-König | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Türsteher im Gehirn
06.08.2020 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Peptide: Forschungs-Erfolg mit den kleinen Geschwistern der Proteine
06.08.2020 | Hochschule Coburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics