Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg den Schafscode zu entschlüsseln

12.02.2010
Forscher aus Mecklenburg-Vorpommern im internationalen Projektverbund an der Entschlüsselung des Schaf-Erbgutes beteiligt

Nach der erfolgreichen Entschlüsselung des Rindercodes ist das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf an der Erforschung eines weiteren Meilensteins der Tiergenetik beteiligt. Unter der Führung des College of Agriculture, Utah State University, Logan, USA wollen Wissenschaftler aus Australien, Neuseeland, Großbritannien und Dummerstorf im Verbund die DNA-Sequenz des Schafgenoms komplett aufklären.

Die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Tom Goldammer aus dem Forschungsbereich Molekularbiologie ist weltweit eine der wenigen anerkannten Forschergruppen auf dem Gebiet der Genkartierung beim Schaf. Die Kenntnis der genauen Lage von Genen auf den Chromosomen ist eine wichtige Information für die Erstellung der korrekten DNA-Sequenz des Schafgenoms. Das bis Ende 2012 laufende internationale Forschungsprojekt wird vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium gefördert.

Dem Schaf kommt im Rahmen der zukünftigen globalen Ernährungssicherung eine besondere Bedeutung zu. Als Wiederkäuer ist es in der Lage, aus vegetativen Pflanzenbestandteilen, die von Nichtwiederkäuern und vom Menschen nicht genutzt werden, Milch und Fleisch zu erzeugen. Weltweit stehen 3,3 Mrd. Hektar Grasland zur Verfügung, die nur von Wiederkäuern genutzt werden können. Darüber hinaus gilt das Schaf aufgrund seiner Rassenvielfalt (siehe HINTERGRUND) als ideales Modell zur Gewinnung von Erkenntnissen zu Genomvariationen (Genom = Gesamtheit der vererbbaren Informationen einer Zelle). Das entschlüsselte Erbgut von Rind und Schaf, soll künftig das Rückgrat für die Analyse der Genstruktur anderer Wiederkäuer, beispielsweise von einer Ziege oder einer Giraffe, bilden. Es wird dann für Wissenschaftler und Forscher frei zugänglich sein.

Um die DNA-Sequenz des Schafgenoms komplett aufklären zu können, müssen die Schafchromosomen zunächst identifiziert und die Lage der Gene auf den Chromosomen bestimmt werden. Die Identifizierung dieser Genorte (Loci) mit Hilfe von zytogentischen Kartierungsmethoden ist Bestandteil der Forschungsarbeit am FBN. Im Ergebnis wird so die Erstellung einer möglichst korrekten Genomsequenz unterstützt. Dass für die Analysen benötigte Probenmaterial wird vom Kooperationspartner in den USA, der Utah State University geliefert. Dabei handelt es sich um DNA-Fragmente, der vor allem in westlichen Nationen in der Zucht verwendeten Schafsrasse Texel.

Durch die vollständige Sequenzierung und Aufklärung der Genstruktur des Schafgenoms wird ein tieferes Verständnis der Biologie und Evolution von Wiederkäuern erwartet. Die Ergebnisse liefern nicht nur die Basis, um das Schafgenom im Detail zu verstehen. Sie bilden auch einen Ansatzpunkt, um neue Strategien für die Zucht aufzuzeigen. So könnten beispielsweise langfristig moderne umweltangepasste Schafstiere entwickelt werden, die mit den lokalen Gegebenheiten einer Region optimal zu Recht kommen und sehr gute Erträge wie Wolle, Fleisch und Milch, liefern. Zudem macht die relativ hohe genetische Ähnlichkeit und damit enge Beziehung zum Menschen, das Schaf zu einem nützlichen Modell für grundsätzliche biomedizinische Fragestellungen.

HINTERGRUND

Weltweit gibt es etwa 1,3 Milliarden Schafe, 2,6 Millionen leben in Deutschland. Insgesamt 120 Arten sind vom Aussterben bedroht. 89 der insgesamt 1400 verschiedenen Rassen sind in der Bundesrepublik beheimatet. Diese teilweise recht alten Rassen bilden einen der größten Gen-Pools weltweit. Die Erhaltung der Arten ist auch im Hinblick auf die Bewahrung der genetischen Variation enorm wichtig.

Spitzenreiter in Sachen Schafsproduktion ist China mit 170 Millionen Tieren. Das Land hat Australien mit gegenwärtig 103 Millionen Tieren abgelöst, was sich auch in der Gewinnung von Produkten wie Fleisch und Wolle niederschlägt.

Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie wurde 1993 als eine Stiftung öffentlichen Rechts gegründet und ist eine Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Ansprechpartner
Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Forschungsbereich Molekularbiologie
PD Dr. Tom Goldammer
T +49 38208 68 708
E tomgoldammer@fbn-dummerstorf.de
Wissenschaftsmanagement und Dokumentation
Dr. Norbert K. Borowy
T +49 38208 68 605
E borowy@fbn-dummerstorf.de

Norbert K. Borowy | idw
Weitere Informationen:
http://www.fbn-dummerstorf.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt
03.06.2020 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln
03.06.2020 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

Ist die Elektronik, so wie wir sie kennen, am Ende?

Der Einsatz moderner elektronischer Schaltkreise für immer leistungsfähigere Rechentechnik und mobile Endgeräte stößt durch die zunehmende Miniaturisierung in...

Im Focus: K-State study reveals asymmetry in spin directions of galaxies

Research also suggests the early universe could have been spinning

An analysis of more than 200,000 spiral galaxies has revealed unexpected links between spin directions of galaxies, and the structure formed by these links...

Im Focus: Neue Messung verschärft altes Problem

Seit Jahrzehnten rätseln Astrophysiker über zwei markante Röntgen-Emissionslinien von hochgeladenem Eisen: ihr gemessenes Helligkeitsverhältnis stimmt nicht mit dem berechneten überein. Das beeinträchtigt die Bestimmung der Temperatur und Dichte von Plasmen. Neue sorgfältige, hoch-präzise Messungen und Berechnungen mit modernsten Methoden schließen nun alle bisher vorgeschlagenen Erklärungen für diese Diskrepanz aus und verschärfen damit das Problem.

Heiße astrophysikalische Plasmen erfüllen den intergalaktischen Raum und leuchten hell in Sternatmosphären, aktiven Galaxienkernen und Supernova-Überresten....

Im Focus: New measurement exacerbates old problem

Two prominent X-ray emission lines of highly charged iron have puzzled astrophysicists for decades: their measured and calculated brightness ratios always disagree. This hinders good determinations of plasma temperatures and densities. New, careful high-precision measurements, together with top-level calculations now exclude all hitherto proposed explanations for this discrepancy, and thus deepen the problem.

Hot astrophysical plasmas fill the intergalactic space, and brightly shine in stellar coronae, active galactic nuclei, and supernova remnants. They contain...

Im Focus: Neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren auf Basis innovativer DNA-Polymerasen entwickelt

Eine Forschungskooperation der Universität Konstanz unter Federführung von Professor Dr. Christof Hauck (Fachbereich Biologie) mit Beteiligung des Klinikum Konstanz, eines Konstanzer Diagnostiklabors und des Konstanzer Unternehmens myPOLS Biotec, einer Ausgründung aus der Arbeitsgruppe für Organische Chemie / Zelluläre Chemie der Universität Konstanz, hat ein neuartiges Covid-19-Schnelltestverfahren entwickelt. Dieser Test ermöglicht es, Ergebnisse in der Hälfte der Zeit zu ermitteln – im Vergleich zur klassischen Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR).

Die frühe Identifikation von Patienten, die mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert sind, ist zentrale Voraussetzung bei der globalen Bewältigung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gebäudewärme mit "grünem" Wasserstoff oder "grünem" Strom?

26.05.2020 | Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Magnetische Kristallschichten für den Computer von Morgen

03.06.2020 | Informationstechnologie

Wundheilung detailliert aufgeschlüsselt

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Ein einzelnes Gen bestimmt das Geschlecht von Pappeln

03.06.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics