Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachsen trotz Fasten

13.03.2017

Neue Formel für Fruchtfliegenfutter erhöht Wachstum und Fruchtbarkeit ohne die Lebenszeit zu verkürzen

Eine verringerte Nahrungsaufnahme schützt gegen zahlreiche altersbedingte Erkrankungen und kann die Lebenszeit verlängern. Allerdings führt sie häufig auch zu verringertem Wachstum und geringerer Fruchtbarkeit.


Wissenschaftler nutzen die Fruchtfliege Drosophila melanogaster für ihre Studien über eine Genom-basierte Ernährung

Dr. Sebastian Grönke / Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns hat jetzt eine Ernährung für Fruchtfliegen und Mäuse auf Basis ihrer körpereigenen Aminosäuren entwickelt. Die Fliegennahrung erhöht Wachstum und Fruchtbarkeit der Insekten, ohne ihre Lebenszeit zu verkürzen.

Was ist der beste Weg zu einem langen und gesunden Leben? Wissenschaftler hatten dafür viele Jahre eine relativ einfache Antwort: weniger essen. Aber das kann unangenehme Folgen haben: Fliegen und Mäuse zum Beispiel entwickeln sich auf Diät langsamer und sind weniger fruchtbar. Gesucht wird also eine Ernährung mit der positiven Wirkung einer Diät – jedoch ohne deren negative Begleiterscheinungen.

Genom-basierte Ernährung

Für die neue Fliegennahrung haben Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln und des UCL Institute of Healthy Ageing in London aus den Aminosäuren, die im Fliegenkörper vorkommen, die exakte Zusammensetzung der Aminosäuren in der Nahrung berechnet.

„Für die Rezeptur der Nahrung haben wir nur die Teile des Erbguts verwendet, die als Vorlage für Proteine dienen - die sogenannten Exons. Daraus haben wir den Anteil jeder Aminosäure aller Exons zusammen berechnet und eine Fliegennahrung entwickelt, die diese Aminosäure- Zusammensetzung genau widerspiegelt“, erklärt George Soultoukis, Wissenschaftler in der Abteilung von Linda Partridge, Direktorin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns und UCL Institute of Healthy Ageing in London.

Mithilfe einer von den Wissenschaftlern entwickelten Methode haben sie dieses Genom-basierte, definiert zusammengesetzte Futter produziert.

Fliegen entwickeln sich schneller

Fliegen, die mit diesem Futter gefüttert wurden, entwickelten sich schneller, wurden größer und legten mehr Eier als Fliegen, die eine Standard-Ernährung erhielten. Erstaunlicherweise lebten sie genau so lang. „Die Fliegen, die die Genom-basierte Nahrung erhielten, aßen auch weniger als die Kontrollgruppe. Die von uns entwickelte Nahrung macht die Fliegen folglich auch schneller satt“, erklärt Matthew Piper, der in London an der Studie mitgearbeitet hat und jetzt an die Monash University in Australien gewechselt hat.

Die positiven Effekte der Genom-basierten Ernährung konnten die Wissenschaftler auch in Mäusen erzielen. „Wir wollen jetzt herausfinden, wie sich unsere Genom-basierte Ernährung auf die Lebenserwartung von Säugetieren auswirkt“, sagt Soultoukis.

Menschliche Ernährung

Theoretisch ist die Idee der Forscher auf alle Organismen anwendbar - auch auf den Menschen. Soultoukis erklärt: “Eine gezielte, vom menschlichen Erbgut abgeleitete Ernährung könnte sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Natürlich müssen Faktoren wie Lebensalter, Gesundheitszustand und Lebensstil berücksichtigt werden. Zu verstehen welche Aminosäuren wir in welcher Menge benötigen kann für die Zukunft von entscheidender Bedeutung sein.“

Weitere Informationen:

http://www.age.mpg.de
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28273481

Dr. Maren Berghoff | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht „Kiss and Run“ zur Abfallverwertung in der Zelle
14.02.2020 | Universitätsmedizin Mannheim

nachricht Kurze Impulse mit großer Wirkung
14.02.2020 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Im Focus: Making the internet more energy efficient through systemic optimization

Researchers at Chalmers University of Technology, Sweden, recently completed a 5-year research project looking at how to make fibre optic communications systems more energy efficient. Among their proposals are smart, error-correcting data chip circuits, which they refined to be 10 times less energy consumptive. The project has yielded several scientific articles, in publications including Nature Communications.

Streaming films and music, scrolling through social media, and using cloud-based storage services are everyday activities now.

Im Focus: Nanopartikel können Zellen verändern

Nanopartikel dringen leicht in Zellen ein. Wie sie sich dort verteilen und was sie bewirken, zeigen nun erstmals hochaufgelöste 3D-Mikroskopie-Aufnahmen an BESSY II. So reichern sich bestimmte Nanopartikel bevorzugt in bestimmten Organellen der Zelle an. Dadurch kann der Energieumsatz in der Zelle steigen. „Die Zelle sieht aus wie nach einem Marathonlauf, offensichtlich kostet es Energie, solche Nanopartikel aufzunehmen“, sagt Hauptautor James McNally.

Nanopartikel sind heute nicht nur in Kosmetikprodukten, sondern überall, in der Luft, im Wasser, im Boden und in der Nahrung. Weil sie so winzig sind, dringen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Kiss and Run“ zur Abfallverwertung in der Zelle

14.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kurze Impulse mit großer Wirkung

14.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

ESO-Teleskop sieht die Oberfläche des schwächelnden Beteigeuze

14.02.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics