Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom künstlichen Hüftgelenk bis zum Fahrradsattel

21.02.2018

Neue Forschungsgruppe der Frankfurt UAS setzt personalisierte Produktentwicklungs- und Diagnostikverfahren im biomedizinischen Bereich um

Jeder Mensch ist anders, darum muss auch eine medizinische Diagnostik für Patientinnen und Patienten personalisiert erfolgen. Bei vielen Krankheiten ist die Bestimmung der individuell variierenden Faktoren maßgeblich für den Heilerfolg, doch bislang wurden meist statistisch gewonnene Kriterien auf alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen angewandt.


Frankfurter Inlay aus dem ehemaligen LOEWE-Schwerpunkt „Präventive Biomechanik“: Teil-Knorpel-Prothese im Knie.

Hans-Reiner Ludwig


Prof. Dr. Armin Huß, Leiter der Forschungsgruppe

Privat

Personalisierung verspricht in der medizinischen Diagnostik und Therapie große Vorteile gegenüber herkömmlichen Verfahren. Wie diese erfolgen kann, untersucht die Forschungsgruppe „Personalized Biomedical Engineering“ (PBE) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS).

Sie wird seit Januar 2018 über einen Zeitraum von drei Jahren mit 400.000 Euro aus dem Innovationsfonds des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) gefördert, das damit gezielt den Ausbau von Forschungsinfrastrukturen an hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) unterstützt.

Bei Produkten, die im Gebrauch mechanische Lasten auf Körperregionen ausüben, können durch Personalisierung Funktionalitäts- und Komfortsteigerungen erzielt und Schädigungen vermieden werden. Dazu zählen Medizinprodukte zum internen (Endoprothesen wie zum Beispiel künstliche Hüftgelenke) und externen (Dekubitus-Matratzen in der Krankenpflege und OP-Tisch-Auflagen) Einsatz ebenso wie Gebrauchsprodukte wie Autositze und Fahrradsättel.

„Im Bereich ‚Personalized Biomedical Engineering‘ werden wir Forschungstätigkeiten konsequent ausbauen, die es ermöglichen, Diagnoseverfahren und auf den Menschen zugeschnittene Produkte zu entwickeln und weiter zu optimieren. Hierdurch wird sowohl eine bessere medizinische Versorgung in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft als auch eine Steigerung der Lebensqualität durch individualisierte Implantate und mit dem Körper interagierende Produkte möglich“, so Prof. Dr.-Ing. Armin Huß vom Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt UAS, Sprecher der Forschungsgruppe.

Mit Hilfe dieser Verfahren und durch die Abbildung der gesamten Produktentstehungs-Prozesskette wird ein in Deutschland einzigartiges Kompetenzzentrum für die Entwicklung personalisierter Verfahren und Produkte aufgebaut. Es soll als Entwicklungspartner für regionale und nationale Unternehmen zur Verfügung stehen. „Wir wollen maßgeschneiderte Lösungen zusammen mit innovativen Unternehmen entwickeln. Wir sind offen für Anfragen“, ergänzt Huß.

Der Forschungsschwerpunkt baut auf den Ergebnissen des vom HMWK geförderten LOEWE-Schwerpunkts „Präventive Biomechanik“ auf, an dem mehrere Wissenschaftler/-innen der Frankfurt UAS beteiligt waren. Hier wurden die mechanischen Eigenschaften von Gewebeschichten mit nicht schädigenden und daher am lebenden Menschen anwendbaren Prüfverfahren auf makroskopischer, zellulärer und molekularer Ebene erfasst.

Ziel der Forschungsgruppe ist es, diese Kompetenz in der Analyse und Beschreibung (Modellbildung) individueller menschlicher Strukturen verstärkt zu nutzen, um personalisierte Diagnoseverfahren und Produkte zu optimieren und in Kooperation mit Unternehmen bis zur Fertigungsreife zu entwickeln.

Zu diesem Zweck umfassen die Kompetenzen der Gruppe neben Biologie, Materialwissenschaften, Modellbildung und numerischer Simulation auch Oberflächenbeschichtung, Fertigungstechnik, vor allem mit additiven Verfahren, und virtuelle Produktentwicklung.

„Insbesondere die Alterung der Gesellschaft stellt uns vor Herausforderungen, denen wir durch unsere Forschung praktisch und anwendungsorientiert begegnen wollen, unter anderem mit biomedizinischen Lösungen“, so Vizepräsident Prof. Dr. Ulrich Schrader, zuständig für Forschung, Weiterbildung und Transfer an der Frankfurt UAS. „Personalized Biomedical Engineering“ ist als eines von drei Forschungsfeldern der Frankfurt UAS für eine Unterstützung aus dem Innovationsfonds des HMWK ausgewählt worden.

Es überzeugte mit seiner Transfer- und Innovationsstrategie und soll nachhaltig in die Region hinein wirken. Die Auswahl des Forschungsfelds biomedizinische Technik ist ein Signal zur Stärkung des Forschungsschwerpunktes „Demografischer Wandel“ und des ingenieurwissenschaftlichen Bereiches.

Die Hochschule bündelt damit Expertise und setzt mit der internen Vernetzung und Förderung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Zeichen zur Profilierung der Frankfurt UAS als Forschungsstandort. Im Frühjahr 2018 soll die Unterstützung weiterer Forschungsgruppen ausgeschrieben werden.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 2: Informatik und Ingenieurwissenschaften, Prof. Dr.-Ing. Armin Huß, Telefon: +49 69 1533-3188, E-Mail: huss@fb2.fra-uas.de

Weitere Informationen zum Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften unter: http://www.frankfurt-university.de/fb2

Nicola Veith | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»
19.11.2019 | Universität Bern

nachricht Tiefseebakterien ernähren sich wie ihre Nachbarn
19.11.2019 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»

19.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Supereffiziente Flügel heben ab

19.11.2019 | Materialwissenschaften

Energiesysteme neu denken - Lastmanagement mit Blockheizkraftwerk

19.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics