Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virus-unterdrückenden Bakterien könnten helfen, das Dengue-Fieber zu kontrollieren

01.06.2017

Moskitos, die mit den Bakterien Wolbachia infiziert sind, sind deutlich schlechtere Überträger für das Dengue-Virus, und daher ein vielversprechender Ansatz zur Bekämpfung dieser Erkrankung. Wie man allerdings Wolbachia in einer städtischen Moskito-Population verbreitet, war unklar. Eine Studie von Michael Turelli von der University of California, in Zusammenarbeit mit Nick Barton vom IST Austria und Kollegen vom "Eliminate Dengue Program", die am 30. Mai 2017 im Open Access Journal PLOS Biology veröffentlicht wurde zeigt, dass sich die mit den Dengue-unterdrückenden Bakterien infizierten Mücken nach strategisch günstigen Freilassungen im Laufe der Zeit über große Städte verbreiten können.

Mehr als 2,5 Milliarden Menschen leben in Gebieten, die von Dengue-Fieber betroffen sind. Dabei handelt es sich um eine moskitogetragene Viruserkrankung, die sich mit alarmierender Geschwindigkeit in tropischen und subtropischen Ländern ausbreitet. Bemühungen zur Unterdrückung der Erkrankung haben sich bisher vor allem auf die Kontrolle der Moskitos konzentriert.


Source: Institute of Science and Technology Austria

Nun prüft eine internationale, nicht profitorientierte Forschungskollaboration - das Eliminate Dengue-Programm (http://www.eliminatedengue.com/program) - einen neuen Ansatz: Sie nutzen Bakterien, die die Moskitos infizieren und ihre Fähigkeit, Viren zu übertragen, reduzieren. Die Forscher wählten drei Bereiche in der Nähe von geeigneten Moskitolebensräumen in Cairns in Queensland aus und entließen dort ausgewachsene, mit dem Wolbachia Bakterium infizierte, Aedes aegypti Moskitos.

Zwei der Standorte waren relativ groß (etwa 1 Quadratkilometer beziehungsweise ein halber Quadratkilometer) und erhielten mehr als 130.000 beziehungsweise 286.000 Moskitos, während der dritte kleiner war (etwa ein Zehntel eines Quadratkilometers) und 35.000 Moskitos erhielt. Die Forscher verfolgten dann über eine Dauer von zwei Jahren die Verbreitung des Wolbachia Bakteriums in den Moskitopopulationen, indem sie die Moskitos einfingen und auf die Bakterien testeten.

Die Forscher fanden heraus, dass die mit Wolbachia infizierten Moskitos sich in den großen Bereichen etwa um 100-200 Meter pro Jahr ausbreiten; in der kleineren Fläche gab es in der selben Fläche aber kaum Hinweise auf eine solche Ausbreitung. Dies deutet darauf hin, dass strategische Freisetzungen die Moskitopopulationen in Städten transformieren können, solange die Freisetzungsbereiche groß genug sind. Die Ausbreitung in den größeren Standorten verlief zwar langsam, in der Regel jedoch stetig.

Allerdings stellten die Forscher auch fest, dass Straßen, Flüsse und Wälder als Barrieren für die Mückenbewegung dienen und die Ausbreitung behindern können. Dies deutet darauf hin, dass lokale Barrieren für die Mückenverbreitung berücksichtigt werden sollten, wenn auszurechnen ist, wie viele Freisetzungen von Wolbachia-infizierten Mücken erforderlich sind.

"Mathematische Methoden, die ursprünglich entwickelt wurden, um die Hybridisierung in der Natur zu verstehen, haben sich bei der Gestaltung von Biokontrollprogrammen als nützlich erwiesen", erklärt Nick Barton von IST Austria. "Gemeinsam mit Michael Turelli von der University of California habe ich gezeigt, wie einfache Modelle trotz einer Vielzahl von biologischen Komplikationen präzise sein können.

So kann man Schlüsselparameter, wie die Ausbreitungsrate und die Schwellenfrequenz, die erforderlich ist, um die Infektion zu etablieren, einfach abschätzen indem man beobachtet, wie sich die Infektionsfrequenz im Laufe der Zeit ändert. Dies hilft uns, die beste Strategie für die Umwandlung von Moskito-Populationen zu entwerfen, damit Dengue sich nicht mehr ausbreiten kann. "

Originalpublikation:
Schmidt TL, Barton NH, Rasic G, Turley AP, Montgomery BL, Iturbe-Ormaetxe I, et al. (2017): Local introduction and heterogeneous spatial spread of dengue-suppressing Wolbachia through an urban population of Aedes aegypti. PLoS Biol 15(5): e2001894. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.2001894

Weitere Informationen:

http://www.eliminatedengue.com/program Eliminate Dengue Program
http://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2001894 Publikation bei PLOS Biology
http://ist.ac.at/de/forschung/forschungsgruppen/barton-gruppe/ Forschungsgruppe Nick Barton

Dr. Elisabeth Guggenberger | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
https://ist.ac.at/de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren
16.11.2018 | Universität Bayreuth

nachricht Günstiger Katalysator für das CO2-Recycling
16.11.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics