Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vielfalt mal vier: neue Echsenarten entdeckt

25.04.2016

Senckenberg-Wissenschaftler haben in einer großangelegten Studie eine Artengruppe der Gattung der Saumfingerechsen Anolis auf der Westindischen Insel Hispaniola untersucht. Dabei konnten sie acht neue Arten der Echsen mit den charakteristischen Kehlfahnen beschreiben – das gab es seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. Drei weitere Echsen sind keine Unterarten, sondern eigenständige Arten und ein Reptil wurde fälschlicherweise einer anderen Art zugeordnet. Die Zahl der Anolis-Arten auf Hispaniola erhört sich damit um zwölf Arten. Die Studie wurde kürzlich im Jahresbericht des Museo Nacional de Historia Natural „Novitates Caribaea“ veröffentlicht.

Schaut man in die Baumwipfel auf Haiti, ist es gut möglich, dort eine Saumfingerechse zu entdecken – das Verbreitungsgebiet dieser kleinen bis mittelgroßen Echsen erstreckt sich über die Karibik sowie die angrenzenden Landmassen der südlichen und südöstlichen USA, Mexikos, Mittel- und Südamerikas.


Eine der neu entdeckten Arten: Anolis eladioi.

© Senckenberg


Die neue Art Anolis divius fällt durch ihre bläuliche Färbung auf.

© Eladio Fernandez


„Unsere Arbeitsgruppe erforscht seit gut 20 Jahren die Evolution, Ökologie und Systematik der Anolis“, erzählt Dr. habil. Gunther Köhler, Abteilungsleiter der Terrestrischen Zoologie am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Mehr als ein Drittel der heute aus Mittelamerika bekannten 102 Anolis-Arten wurde von uns beschrieben, insgesamt 49 Arten. Mit fast 400 Arten bietet diese Tiergruppe hervorragende Möglichkeiten zum Studium verschiedener Aspekte der Artbildung.“

Nun hat der Frankfurter Reptilien- und Amphibienforscher gemeinsam mit einem US-amerikanischen Kollegen bei einer Überprüfung der auf Haiti und der Dominikanischen Republik lebenden Anolis acht neue Echsenarten entdeckt – so viele neue Arten wurden seit mehr als 100 Jahren nicht mehr in einer Publikation beschrieben.

... mehr zu:
»Anolis »Echsen »Echsenarten »Senckenberg

„Zusätzlich zu den acht neuen Arten haben wir nachgewiesen, dass drei Echsen keine Unterarten, sondern echte Arten sind und eine Art fälschlicherweise einer anderen Art zugeordnet wurde“, ergänzt Köhler. Insgesamt erhöhte sich die Artenzahl damit um zwölf Arten.

Anhand genetischer und morphologischer Methoden konnten die Wissenschaftler die neuen Arten klar von bereits beschriebenen Arten abgrenzen. „Einige Tiere grenzen sich auch durch unterschiedliche Lebensräume ab“, erläutert Köhler und fügt hinzu: „Die Echse Anolis gonavensis beispielsweise lebt in strandnaher Vegetation, während alle anderen Arten ihrer Artengruppe Waldbewohner der mittleren Höhenlagen sind.“

Um eine Identifizierung der Reptilien in Zukunft zu erleichtern hat das Wissenschaftlerteam einen Erkennungsschlüssel für die verschiedenen Anolis-Vertreter zusammengestellt.

„Der Bestand der Saumfingerechsen-Arten hat in den letzten Jahrzehnten durch Lebensraumverlust – vor allem die Abholzung ist hier zu nennen – bereits stark abgenommen. Um die Reptilien schützen zu können, müssen wir wissen, mit welcher Art wir es zu tun haben“, fasst Köhler zusammen.

Kontakt
Dr. habil. Gunther Köhler
Senckenberg Forschungsinstitut
Tel. 069- 7542-1232
gkoehler@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
„Novitates Caribaea” No. 9,
2016. Museo Nacional de Historia Natural

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

2016 ist Leibniz-Jahr. Anlässlich des 370. Geburtstags und des 300. Todestags des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (*1.7.1646 in Leipzig, † 14.11.1716 in Hannover) veranstaltet die Leibniz-Gemeinschaft ein großes Themenjahr. Unter dem Titel „die beste der möglichen Welten“ – einem Leibniz-Zitat – rückt sie die Vielfalt und die Aktualität der Themen in den Blick, denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der bundesweit 88 Leibniz-Einrichtungen widmen. www.bestewelten.de

Judith Jördens S | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Weitere Berichte zu: Anolis Echsen Echsenarten Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht KI-gesteuerte Klassifizierung einzelner Blutzellen: Neue Methode unterstützt Ärzte bei der Leukämiediagnostik
13.11.2019 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Darmbakterien könnten Entstehung von Multipler Sklerose beeinflussen
13.11.2019 | Exzellenzcluster Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Im Focus: Magnets for the second dimension

If you've ever tried to put several really strong, small cube magnets right next to each other on a magnetic board, you'll know that you just can't do it. What happens is that the magnets always arrange themselves in a column sticking out vertically from the magnetic board. Moreover, it's almost impossible to join several rows of these magnets together to form a flat surface. That's because magnets are dipolar. Equal poles repel each other, with the north pole of one magnet always attaching itself to the south pole of another and vice versa. This explains why they form a column with all the magnets aligned the same way.

Now, scientists at ETH Zurich have managed to create magnetic building blocks in the shape of cubes that - for the first time ever - can be joined together to...

Im Focus: A new quantum data classification protocol brings us nearer to a future 'quantum internet'

The algorithm represents a first step in the automated learning of quantum information networks

Quantum-based communication and computation technologies promise unprecedented applications, such as unconditionally secure communications, ultra-precise...

Im Focus: REANIMA - für ein neues Paradigma der Herzregeneration

Endogene Mechanismen der Geweberegeneration sind ein innovativer Forschungsansatz, um Herzmuskelschäden zu begegnen. Ihnen widmet sich das internationale REANIMA-Projekt, an dem zwölf europäische Forschungszentren beteiligt sind. Das am CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) in Madrid koordinierte Projekt startet im Januar 2020 und wird von der Europäischen Kommission mit 8 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen weltweit die meisten Todesfälle. Herzinsuffizienz ist geradezu eine Epidemie, die neben der persönlichen Belastung mit...

Im Focus: Göttinger Chemiker weisen kleinstmögliche Eiskristalle nach

Temperaturabhängig gefriert Wasser zu Eis und umgekehrt. Dieser Vorgang, in der Wissenschaft als Phasenübergang bezeichnet, ist im Alltag gut bekannt. Um aber ein stabiles Gitter für Eiskristalle zu erreichen, ist eine Mindestanzahl an Molekülen nötig, ansonsten ist das Konstrukt instabil. Bisher konnte dieser Wert nur grob geschätzt werden. Einem deutsch-amerikanischen Forschungsteam unter Leitung des Chemikers Prof. Dr. Thomas Zeuch vom Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen ist es nun gelungen, die Größe kleinstmöglicher Eiskristalle genau zu bestimmen. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science erschienen.

Knapp 100 Wassermoleküle sind nötig, um einen Eiskristall in seiner kleinstmöglichen Ausprägung zu formen. Nachweisen konnten die Wissenschaftler zudem, dass...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

Weniger Lärm in Innenstädten durch neue Gebäudekonzepte

08.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Selbstorganisation weicher Materie im Detail verstehen

12.11.2019 | Physik Astronomie

Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

12.11.2019 | Physik Astronomie

»KaSiLi«: Bessere Batterien für Elektroautos »Made in Germany«

12.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics