Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verräterische Siegel-Massen

19.05.2010
Bildgebende Massenspektrometrie zur Untersuchung von Kunstwerken
Kunstwerke sind wertvoll und dazu meist sehr empfindlich. Für ihre Restaurierung und Konservierung, aber auch Datierung und Authentifizierung müssen ausgefeilte technische Methoden an den Start gebracht werden.

Ein Team um Sichun Zhang von der Tsinghua Universität in Peking hat nun ein neues bildgebendes massenspektrometrisches Verfahren entwickelt, mit dem sich Gemälde und Kalligraphien identifizieren lassen, ohne die Kunstgegenstände zu beschädigen. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, liegt das Erfolgsgeheimnis in einer speziellen Niedertemperatur-Plasmasonde, die Moleküle besonders schonend von der Oberfläche der Kunstwerke abträgt.

Bei der Massenspektrometrie (MS) wird die zu untersuchende Substanz in die Gasphase überführt, ionisiert (elektrisch geladen) und die ionisierten Teilchen durch ein elektrisches Feld beschleunigt. Im Analysator wird der Teilchenstrahl entsprechend der Masse und der Ladung der Teilchen aufgetrennt. Inzwischen wurden auch bildgebende massenspektrometrische Verfahren entwickelt. Dazu muss die Oberfläche einer Probe abgerastert und an jedem einzelnen Bildpunkt ein Massenspektrum aufgenommen werden. Voraussetzung waren spezielle Ionisierungsmethoden, die eine direkte Untersuchung der Probe erlauben. Allerdings arbeiten die meisten bisherigen bildgebenden massenspektrometrischen Verfahren unter Vakuum, was die Größe der analysierbaren Proben beschränkt. Mit einer so geannten Elektrospray-Technik tragen dabei Lösungsmittelmoleküle Analytmoleküle von der Oberfläche der Probe ab und ionisieren sie.

Empfindliche Kunstwerke wie Gemälde können durch die Lösungsmittel allerdings kontaminiert und beschädigt werden. Die chinesischen Wissenschaftler stellen nun eine neue Variante der bildgebenden MS vor. Sie arbeitet mit einer Niedertemperaturplasma-Sonde. Im Prinzip besteht diese Sonde aus einer aufgeschmolzenen Kapillare und zwei Elektroden aus Aluminiumfolie, an die eine sehr starke Wechselspannung angelegt wird. In der Kapillare befindet sich Heliumgas. Die hohe elektrische Spannung erzeugt eine so genannte stille elektrische Entladung im Helium. Das bedeutet, dass das Gas in Form von Ionen, Elektronen und angeregten Atomen vorliegt, ein Zustand, den man Plasma nennt. Dieses Plasma hat eine Temperatur von lediglich 30 °C. Das aus der Kapillare austretende Heliumplasma schießt Moleküle aus der Probenoberfläche und ionisiert sie. Wertvoller Kunstwerke werden dabei nicht beschädigt.

Die Wissenschaftler haben Siegel mit der neuen Methode analysiert. Es handelt sich dabei um Stempelabdrücke, die bei Malereien und Kalligraphien der chinesischen Kunst als Signatur und Mittel der Legitimation dienen. Es ist dem Team gelungen, mit der neuen Mikroplasma-Sonde Unterschiede in der Zusammensetzung der Tinte einzelner Siegel aufzuzeigen und so Original-Siegel von unechten zu unterscheiden.

Angewandte Chemie: Presseinfo 18/2010

Autor: Sichun Zhang, Tsinghua University, Beijing (China), http://chem.tsinghua.edu.cn/zhangxr/xrzhang.htm

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.200906975

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://chem.tsinghua.edu.cn/zhangxr/xrzhang.htm
http://dx.doi.org/10.1002/ange.200906975

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht „Science“-Artikel: Bruchstelle verlangsamt Blutzucker-Stoffwechsel
04.08.2020 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Saatguttresor Global Seed Vault startet 100-jähriges Langzeitexperiment mit IPK-Proben
04.08.2020 | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lastenfahrräder: Leichtbaupotenziale erkennen und nutzen

Lastenräder sind »hipp« und ein Symbol für klimafreundliche Mobilität, tagtäglich begegnen wir ihnen. Straßen und Radwege müssen an diese neue Fahrzeugkategorie angepasst werden. Aber nicht nur die Infrastruktur kann optimiert werden, Lastenräder selbst bieten noch reichlich Potenzial. Im neu gestarteten Projekt »LastenLeichtBauFahrrad« (L-LBF) suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF zusätzliche Leichtbaupotenziale dieser urbanen Vehikel. Über die Fortschritte des Projekts informiert eine eigene Webseite unter www.lbf.fraunhofer.de/L-LBF 

Form und Design von Lastenfahrrädern variieren von schnittig schick bis kastig oder tonnig. Sie stellen das neue Statussymbol der »mittleren Generation« dar....

Im Focus: AI & single-cell genomics

New software predicts cell fate

Traditional single-cell sequencing methods help to reveal insights about cellular differences and functions - but they do this with static snapshots only...

Im Focus: Künstliche Intelligenz & Einzelzellgenomik: Neue Software sagt das Schicksal einer Zelle vorher

Die Erforschung der Zelldynamik ermöglicht einen tieferen Einblick in die Entstehung und Entwicklung von Zellen sowie ein besseres Verständnis von Krankheitsverläufen. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München (TUM) haben „scVelo“ entwickelt – eine auf maschinellem Lernen basierende Methode und Open-Source-Software, welche die Dynamik der Genaktivität in einzelnen Zellen prognostizieren kann. Damit können die Forscher den künftigen Zustand einzelner Zellen vorhersagen.

Herkömmliche Verfahren für die Einzelzellsequenzierung erlauben es, Erkenntnisse über Unterschiede und Funktionen auf zellulärer Ebene zu gewinnen - allerdings...

Im Focus: Perseiden: Die Sternschnuppen-Sommernächte im August

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg -In diesem Jahr wird der Sternschnuppenstrom der Perseiden am Vormittag des 12. August seinen Höhepunkt erreichen. In den Nächten vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13. August geht der Mond nach Mitternacht auf, so dass die späten Abendstunden nicht vom Mondlicht aufgehellt werden - ideal um nach den Perseiden Ausschau zu halten. Man blickt dazu in Richtung Osten, wo das Sternbild Perseus aufgeht, nach dem diese Sternschnuppen benannt wurden.

Der Hochsommer ist die Zeit der Sternschnuppen: Schon ab Mitte bis Ende Juli tauchen die ersten Sternschnuppen der Perseiden am Himmel auf, die aus dem dem...

Im Focus: Mit dem Lego-Prinzip gegen das Virus

HZDR-Wissenschaftler*innen erhalten millionenschwere Förderung für Corona-Forschung

Um die Corona-Pandemie zu bewältigen, stattet der Freistaat Sachsen ein Forschungsteam um Prof. Michael Bachmann vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

Städte als zukünftige Orte der Nahrungsmittelproduktion?

29.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Science“-Artikel: Bruchstelle verlangsamt Blutzucker-Stoffwechsel

04.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer IPT und Partner setzen Standards für Augmented-Reality-Anwendungen in der Produktion

04.08.2020 | Informationstechnologie

Saatguttresor Global Seed Vault startet 100-jähriges Langzeitexperiment mit IPK-Proben

04.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics