Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vermischung im Süden Afrikas

18.01.2013
Uralte Khoisan-Abstammungslinien überdauerten in heute lebenden Bantu-Gruppen

Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und dem französischen Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Lyon untersuchten das Erbgut von 500 Menschen, die verschiedenen Khoisan- und Bantu-Völkern angehören.


Die Verbreitung der Khoisan-Völker im südlichen Afrika nach historischen Quellen: Die grauen Flächen stellen die historisch bekannten Gebiete in denen Khoisan-Sprachen gesprochen werden dar. Die schwarzen Punkte stehen für mitochondrial abweichende Abstammungslinien.
MPI f. evolutionäre Anthropologie

Die Analyse mitochondrialer DNA zeigt, dass die Khoisan eine größere genetische Diversität besitzen als bisher angenommen. Dabei haben mitochondriale DNA-Abstammungslinien bereits ausgestorbener Khoisan-Gruppen in heute lebenden Bantu-Gruppen überdauert. Grund dafür ist möglicherweise eine Vermischung von Bantu-Immigranten mit Khoisan-Frauen vor etwa 2.000 bis 1.200 Jahren.

Die Jäger- und Sammlervölker des südlichen Afrika, die sogenannte „Khoisan-Sprachen“ sprechen, beschäftigen Forscher seit langem, denn ihre Sprachen enthalten die höchst selten vorkommenden Schnalzlaute. Darüber hinaus bergen die Khoisan die ältesten genetischen Abstammungslinien. Basierend auf archäologischen Funden wird angenommen, dass einige dieser Khoisan-Völker die Nachfahren indigener Jäger und Sammler aus der späten Steinzeit sind, während die Völker, die so genannte „Bantu-Sprachen“ sprechen, erst vor etwa 2.000 bis 1.200 Jahren in das Gebiet einwanderten.

Historischen Quellen zufolge siedelten die Khoisan-Völker hauptsächlich auf dem Gebiet des heutigen Südafrika, Namibia, Botswana, in Süd-Angola und angrenzenden Gebieten des südwestlichen Sambia. Mithilfe genetischer Analysen konnten die Wissenschaftler jetzt belegen, dass die Khoisan-Völker sich auch weiter im Norden Sambias niedergelassen hatten. Das Erbgut dieser nördlichen Khoisan-Gruppen unterscheidet sich jedoch stark von dem heute bekannter Khoisan-Völker. Ein internationales Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und dem französischen CNRS in Lyon sequenzierte und analysierte die mitochondrialen Genome – Erbgut, das mütterlicherseits vererbt wird - von 500 Menschen aus Botswana, Namibia, Sambia und Angola, die verschiedene Khoisan- und Bantu-Sprachen sprechen. Das Ergebnis: Einige Bantu-Gruppen, hauptsächlich aus Sambia, besitzen mitochondriale DNA von Khoisan-Völkern, die sich stark von den bisher bekannten unterscheiden. Diese finden sich nahezu ausschließlich bei Bantu-Völkern und fehlen bei praktisch allen Khoisan-Gruppen.

„Die beste Erklärung für unsere Analyseergebnisse ist, dass Bantu-Immigranten sich mit ortsansässigen Khoisan-Frauen vermischten, als sie erstmals ins südliche Afrika einwanderten. So flossen die abweichenden Abstammungslinien in deren Genpool mütterlicherseits ein“, sagt Chiara Barbieri vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Die Khoisan-Völker, mit denen sie in Kontakt kamen, starben später möglicherweise aus, denn wir finden diese abweichenden Khoisan-Abstammungslinien in keiner der uns heute bekannten Khoisan-Völker wieder”. Brigitte Pakendorf vom CNRS-Labor „Dynamik der Sprache“ in Lyon, die die Studie koordinierte, ergänzt: „Das ist ein wirklich wichtiges Ergebnis, denn es zeigt: Indem wir uralte Abstammungslinien erforschen, die von Bantu-Gruppen durch Mischehen mit einheimischen Völkern übernommen wurden, können wir noch mehr über die Populationen herausfinden, die das Afrika südlich der Sahara bewohnten, bevor die Bantu-Völker in der Eisenzeit einwanderten.“

Originalpublikation:
Chiara Barbieri, Mário Vicente, Jorge Rocha, Sununguko W. Mpoloka, Mark Stoneking, Brigitte Pakendorf
Ancient substructure in early mtDNA lineages of southern Africa
American Journal of Human Genetics, 7. Februar 2013

Ansprechpartner:
Sandra Jacob
Pressebeauftragte
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
Telefon: +49 341 3550-122
E-Mail: jacob@­eva.mpg.de

Chiara Barbieri
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
E-Mail: chiara_barbieri@­eva.mpg.de

Brigitte Pakendorf
Laboratoire Dynamique du Langage, Université de Lyon
E-Mail: Brigitte.Pakendorf@­ish-lyon.cnrs.fr

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.­eva.mpg.de
http://www.­ish-lyon.cnrs.fr

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics