Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verlust von Wachstumsregulator begünstigt Diabetes

14.05.2012
Das Regulatorprotein mTOR ist ein zentraler molekularer Schalter, der das Zellwachstum kontrolliert.
Seine Fehlfunktion begünstigt allerdings nicht nur, wie bisher angenommen, die Entstehung von Krebs, sondern auch die von Diabetes. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Cell Metabolism» berichten Mike Hall und sein Team vom Biozentrum der Universität Basel, wie genau ein ausgeschaltetes Regulatorprotein den Kohlenhydrat-Stoffwechsel beeinträchtigt und wie dies zu Diabetes führen kann.

Das Protein mTOR reguliert sowohl das zelluläre Wachstum als auch den Stoffwechsel und spielt somit eine zentrale Rolle bei der Entstehung zahlreicher Krankheiten. In der Zelle ist das Regulatorprotein Bestandteil zweier grosser Proteinkomplexe, mTORC1 und dem bislang wenig untersuchten mTORC2-Komplex. Nachdem die Wissenschaftler um Mike Hall vom Biozentrum der Universität Basel kürzlich aufgeklärt haben, wie der Komplex das Wachstum von Tumorzellen anregt, beleuchtet eine neue Studie derselben Gruppe die Rolle von mTORC2 im Kohlenhydrat-Stoffwechsel und bei der Entstehung von Diabetes.

Diabetes durch fehlendes mTORC2
Im gesunden Organismus reguliert Insulin den Blutzuckerspiegel und aktiviert den mTORC2-Signalweg. Bei Mäusen, denen die Forschenden das Gen für mTORC2 in der Leber inaktiviert hatten, waren bereits wenige Wochen nach ihrer Geburt erhöhte Blutzucker- und Insulinwerte messbar. Der Verlust des mTORC2-Regulators führte ausserdem zu einer Insulinresistenz: Die Leberzellen können das Nährstoffangebot im Körper nicht weiter erkennen und bilden trotz steigendem Blutzuckerspiegel laufend neue Kohlenhydrate.

Die Wissenschaftler konnten auch zeigen, wie sich die anfänglich auf die Leber beschränkte Insulinresistenz mit zunehmendem Alter der Tiere auf den ganzen Körper ausbreitete. Die Mäuse entwickelten dabei die typischen Symptome des Typ II Diabetes. Dazu die Zellbiologin Dr. Marion Cornu: «Wir waren überrascht, dass das spezifische Abschalten von mTORC2 nicht nur den Kohlenhydrat-Stoffwechsel der Leber, sondern des gesamten Organismus aus dem Gleichgewicht bringt.»

Krebstherapie mit Nebenwirkungen
Die heute gegen Tumorwachstum klinisch eingesetzten mTOR-Inhibitoren hemmen zumeist beide Proteinkomplexe. Durch den Einsatz neuer spezifischer mTORC2-Inhibitoren erhoffen sich Mediziner, Tumorzellen am unkontrollierten Wachstum zu hindern ohne gesunde Zellen zu beeinträchtigen. Die neuen Ergebnisse von Hall und seinem Team belegen, dass bei solchen Krebstherapien mit einer möglichen Entstehung von Diabetes als Nebenwirkung zu rechnen ist.

Originalbeitrag
Asami Hagiwara, Marion Cornu, Nadine Cybulski, Pazit Polak, Charles Betz, Francesca Trapani, Luigi Terracciano, Markus H. Heim, Markus A. Rüegg, Michael N. Hall
Hepatic mTORC2 Activates Glycolysis and Lipogenesis through Akt, Glucokinase, and SREBP1c
Cell Metabolism, Volume 15, Issue 5, 725-738, 19 April 2012 | doi: 10.1016/j.cmet.2012.03.015

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Mike Hall, Biozentrum der Universität Basel, Tel. +41 61 267 21 50, E-Mail: m.hall@unibas.ch

Katrin Bühler | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.cell.com/cell-metabolism/abstract/S1550-4131%2812%2900135-0

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics