Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbesserte Analysemethoden erleichtern Artenschutz

10.05.2017

Kamerafallen kommen häufig in abgelegenen Gebieten zur Erforschung des Verhaltens von Wildtieren zum Einsatz. Wissenschaftler von der University of St. Andrews in Großbritannien, dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig haben jetzt Analysemethoden so weiterentwickelt, dass die Daten künftig auch besser genutzt werden können, um die Größe von Wildierpopulation abzuschätzen - und dies innerhalb relativ kurzer Zeiträume. Solche Informationen sind für den Artenschutz von äußerster Wichtigkeit.

Die mit Hilfe von Bewegungssensoren automatisch gesteuerte Bildaufzeichnung („Kamerafallen“) hat in den letzten Jahren die Erhebung von Populationsdaten von Wildtierarten revolutioniert. Kamerafallen helfen den Forschern beim Aufspüren seltener Tierarten, bei der regelmäßigen Arteninventur und bei Verhaltensbeobachtungen.


Standbild eines Maxwell-Duckers aus einem Video, das 2014 von einer Kamerafalle im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste aufgenommen wurde.

(Bild: MPI-EVA)


Der Maxwell-Ducker (Philantomba maxwellii), eine kleine Antilope, die in Westafrika lebt.

(Foto: Paul Cools / Naturalist.org)

Bisher konnten Daten aus Kamerafallen auch zur Schätzung der Populationsdichte und -größe herangezogen werden, wenn einzelne Tiere mithilfe der Aufzeichnungen identifiziert werden konnten,– Informationen, die für ein effektives Wildtiermanagement und den Artenschutz äußerst wichtig sind.

Aus diesem Grunde haben sich Wissenschaftler, die Großkatzen und andere Arten mit unverwechselbaren Fellzeichnungen erforschen, Kamerafallen als Erste zunutze gemacht. Seitdem sind Tausende von Kamerafallen in den Lebensräumen von Wildtieren auf der ganzen Welt zum Einsatz gekommen, vor allem auch im tropischen Regenwald, wo es besonders schwierig ist, mit anderen Mitteln Datenerhebungen durchzuführen. Verlässliche Methoden zur Schätzung der Populationsgröße mittels Kamerafallen und von Tierarten, deren Angehörige nicht individuell identifiziert werden können, gab es bisher noch nicht.

Forscher von der University of St. Andrews, dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) haben vorhandene Analysemethoden weiterentwickelt, sodass jetzt auch von Kamerafallen aufgezeichnete Daten verarbeitet werden können.

„Mit der Distance sampling Methode schätzen viele Ökologen die Populationsdichte und -größe von Tierarten“, sagt Hjalmar Kühl vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). “Mit unseren verbesserten Analysemethoden können Wissenschaftler die Häufigkeit und Abundanz zahlreicher Arten mit Kamerafallen in kurzen Zeitabständen erfassen. Sie müssen dazu die Tiere nicht individuell identifizieren, was einen enormen Zeitgewinn bedeutet.“

Kühl ergänzt: „Die Methoden können leicht in laufende Kamerafallen-Erhebungen in einer Vielzahl von Habitaten und für eine Vielzahl von Tierarten integriert werden; wir werden sie auch im Rahmen unserer eigenen Monitoring-Projekte anwenden.“

Diese Weiterentwicklung ist eine wichtige Ergänzung zu den Analysemethoden, die Forschern, die mit Hilfe von Kamerafallen Daten erheben, aktuell zur Verfügung stehen. Die Analysen erhöhen die Menge und die Qualität von Daten über das Vorkommen von Tieren in der Natur und ihre räumlichen und zeitlichen Schwankungen. Bedrohte Arten können so noch wirksamer geschützt werden.

Stephen Buckland von der University of St. Andrews sagt: „Aufgrund technologischer Fortschritte können heute viele Tierarten leichter beobachtet werden als früher. Statistiker müssen mit diesen technologischen Fortschritten Schritt halten und sicherstellen, dass die Forscher aus den Beobachtungsdaten so viele Informationen wie möglich entnehmen können. Dafür sind die jetzt vorgestellten Methoden ein wichtiges Hilfsmittel.”

Eric Howe von der University of St. Andrews ergänzt: „Besonders im Hinblick auf das rasante Artensterben und den Verlust der Biodiversität freut es mich mit unserer Forschung dazu beizutragen, Wildtier- und Artenschutzmanagern verbesserte Informationen zeitnah zur Verfügung stellen zu können.“

Die Computermodelle sind in die kostenfreie Windows-basierte Software Distance und in verschiedene Pakete der Statistik-Software R integriert. Ein detailliertes Handbuch sowie Hilfe von Statistikern stehen Nutzern auf der Projektwebsite (www.distancesampling.org) ebenfalls kostenfrei zur Verfügung. SJ, HK, HR

Originalveröffentlichung:

Howe EJ, Buckland ST, Després-Einspenner M-L, Kühl HS (2017): Distance sampling with camera traps. Methods in Ecology and Evolution, April 2017, DOI: 10.1111/2041-210X.12790 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/2041-210X.12790/full

Hochauflösendes Bild- und Videomaterial:

https://portal.idiv.de/owncloud/index.php/s/Vy5XvSD4VggKIbH

Ansprechpartner:

Dr. Hjalmar S. Kühl
Leiter der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit und Komplexität der Lebensräume von Menschenaffen
Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) sowie
Deutsches Zentrum für integrative Bidoiversitätsforschung (iDiv)
Web: https://www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/...
Email: kuehl@eva.mpg.de

Marie-Lyne Després-Einspenner
Doktorandin
Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA)
Web: http://www.eva.mpg.de/primat/staff/marie-lyne-despres-einspenner/index.html
Email: marie_despres@eva.mpg.de

Dr. Tabea Turrini
Abteilung Medien und Kommunikation
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Tel. +49 341 9733106
Web: https://www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/zentrales_management/medien_und_komm...

Weitere Informationen:

https://www.idiv.de/fileadmin/content/Files_Public_Relations/Videos/Duiker_28s.m... Video 1: Maxwell-Ducker, aufgenommen 2014 von einer Kamerafalle im Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste (Video: MPI-EVA).
https://www.idiv.de/fileadmin/content/Files_Public_Relations/Videos/Distances_57... Video 2: Eine Forscherin dokumentiert zu Referenzzwecken die gemessenen horizontalen Abstände von der Kameralinse (Video: MPI-EVA)

Tabea Turrini | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Im Visier: die „kleinen Geschwister“ der Proteine
12.11.2018 | Technische Universität Berlin

nachricht Reparaturdefekt führt zu Chaos im Erbgut
12.11.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Graphen auf dem Weg zur Supraleitung

Doppelschichten aus Graphen haben eine Eigenschaft, die ihnen erlauben könnte, Strom völlig widerstandslos zu leiten. Dies zeigt nun eine Arbeit an BESSY II. Ein Team hat dafür die Bandstruktur dieser Proben mit extrem hoher Präzision ausgemessen und an einer überraschenden Stelle einen flachen Bereich entdeckt. Möglich wurde dies durch die extrem hohe Auflösung des ARPES-Instruments an BESSY II.

Aus reinem Kohlenstoff bestehen so unterschiedliche Materialien wie Diamant, Graphit oder Graphen. In Graphen bilden die Kohlenstoffatome ein zweidimensionales...

Im Focus: Datensicherheit: Aufbruch in die Quantentechnologie

Den Datenverkehr noch schneller und abhörsicher machen: Darauf zielt ein neues Verbundprojekt ab, an dem Physiker der Uni Würzburg beteiligt sind. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 14,8 Millionen Euro.

Je stärker die Digitalisierung voranschreitet, umso mehr gewinnen Datensicherheit und sichere Kommunikation an Bedeutung. Für diese Ziele ist die...

Im Focus: A Leap Into Quantum Technology

Faster and secure data communication: This is the goal of a new joint project involving physicists from the University of Würzburg. The German Federal Ministry of Education and Research funds the project with 14.8 million euro.

In our digital world data security and secure communication are becoming more and more important. Quantum communication is a promising approach to achieve...

Im Focus: Research icebreaker Polarstern begins the Antarctic season

What does it look like below the ice shelf of the calved massive iceberg A68?

On Saturday, 10 November 2018, the research icebreaker Polarstern will leave its homeport of Bremerhaven, bound for Cape Town, South Africa.

Im Focus: Forschungsschiff Polarstern startet Antarktissaison

Wie sieht es unter dem Schelfeis des abgebrochenen Riesen-Eisbergs A68 aus?

Am Samstag, den 10. November 2018 verlässt das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt, Südafrika.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wer rechnet schneller? Algorithmen und ihre gesellschaftliche Überwachung

12.11.2018 | Veranstaltungen

Profilierte Ausblicke auf die Mobilität von morgen

12.11.2018 | Veranstaltungen

Mehrwegbecher-System für Darmstadt: Prototyp-Präsentation am Freitag, 16. November, 11 Uhr

09.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ein magnetisches Gedächtnis für den Computer

12.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Autonomes Parken wird erprobt

12.11.2018 | Informationstechnologie

Multicopter und Satelliten für den Rettungseinsatz

12.11.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics