Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Überlebenskampf am Riff dokumentiert

30.03.2010
Forscher liefern wesentliche biogeochemische Erkenntnisse aus Korallenriffen

Marine Organismen am Korallenriff führen einen wahren Kampf ums Überleben. Ein Forscherteam der LMU München konnte beispielsweise zuckerproduzierende Algen beobachten, die dadurch den Konkurrenzkampf mit Hilfe von Mikroorganismen gewinnen wollen. Der von den Algen hergestellte Zucker wird von den Mikroorganismen verwertet, die wiederum Sauerstoff benötigen. Die Korallen, die ebenfalls auf den Sauerstoff angewiesen sind, leiden darunter und können sogar ersticken.

Das Forscherteam um Christian Wild und seiner Arbeitsgruppe CORE (Coral Reef Ecology) vom GeoBio-Center und der Fakultät für Geowissenschaften der LMU hat bei mehrwöchigen Forschungsreisen ins Rote Meer viele wesentliche biogeochemische Erkenntnisse aus Korallenriffen geliefert. "Es gab große diesbezügliche Wissenslücken, weil bisher kaum Forschung in diese Richtung betrieben wurde", so der Geobiologe im pressetext-Interview. "Dabei gehören die Korallenriffe des Roten Meeres zum weltweit häufigsten Rifftyp, dem Saumriff. Die Erkenntnisse, die wir gewonnen und jetzt in mehreren aktuellen Publikationen veröffentlicht haben, lassen sich daher auf viele andere Riffe übertragen."

Unbekannter Stoffkreislauf nachgewiesen

"Im Roten Meer konnten wir einen unbekannten Stoffkreislauf nachweisen, der Mangelelemente wie Stickstoff, Phosphor und Eisen im sehr nährstoffarmen Ökoraum hält", so Wild. "Wir konnten auch zeigen, dass die in Korallenriffen weit verbreitete Mangrovenqualle Cassiopea vergleichsweise große Mengen an Zucker und Schleimen abgibt, die einer Reihe von anderen Rifforganismen als Nahrung dienen und so einen bisher nicht beschriebenen Energiefluss vom Meeresboden in die Wassersäule über Korallenriffen bewirken."

"Unsere Ergebnisse lassen sich auf viele andere Riffe übertragen", so Wild. "Denn Saumriffe kommen nicht nur im Roten Meer, sondern auch im Indischen Ozean, in Südostasien und in der Karibik vor." Für ihre Untersuchungen nutzten die Forscher sogenannte in-situ-Logger. Dabei handelt es sich um wasserdichte Sensoren, die mit einem Chip ausgestattet sind und in kurzen Zeitabständen bestimmte Parameter im Meerwasser messen. Zudem können sie diese Information auch speichern.

Ansatz auf Ökosystemebene

"Solche biogeochemische Studien, die sich vor allem auf der Ökosystemebene und nicht so sehr auf der Ebene des Organismus abspielen, sind selten, aber umso wichtiger, um das Funktionieren von Korallenriffen zu verstehen", meint Wild. Ein Großteil der bisherigen Studie befasste sich in erster Linie mit Untersuchungen auf der Ebene nur einer Organismengruppe.

"Wir konnten beispielsweise zeigen, dass die Abgabe von organischem Material, vor allem Schleime, durch Korallen im Roten Meer dazu beiträgt, dass wichtige Nährelemente wie Stickstoff und Phosphor über kurzgeschlossene Stoffkreisläufe im sehr nährstoffarmen Ökosystem gehalten und sehr schnell recycelt werden", so Wild. Insofern komme den Korallen tatsächlich eine besondere Rolle als sogenannte Ökosystem-Ingenieure zu, denn sie bauen die Riffstruktur auf und steuern einige ganz zentrale Prozesse.

"Menschliche Einflüsse wie der globale Klimawandel, aber auch lokale Stressfaktoren - wie Überfischung und Überdüngung - führen also letztendlich über eine Schädigung der Korallen zu einer Störung des gesamten Riffökosystems", so der Forscher. Massentourismus und Landwirtschaft sorgen für erhöhten Nährstoffeintrag in viele küstennahe Korallenriffe. Das beeinträchtige nicht nur das Wachstum, sondern auch den Stoffwechsel der Riffalgen und führte zu einem Übergang von korallendominierten zu algendominierten Riffen, der inzwischen von vielen anderen Korallenriffen gemeldet wird.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.palmuc.de/core

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Blut dank neuer Technik
14.12.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Neue Chancen für den Tierschutz: Effizientes Testverfahren zum Betäubungsmittel-Einsatz bei Fischen
14.12.2018 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics