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Testosteron steuert Sologesang bei tropischen Vögeln

30.10.2012
Bei Singvogel-Männchen unserer Breiten steigt im Frühling die Geschlechtshormonkonzentration, was zu einem Anstieg der Gesangsaktivität in der Brutzeit führt.

In den Tropen ist ein solch klarer Zusammenhang wegen der schwächer ausgeprägten jahreszeitlichen Änderungen kaum bekannt. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie haben nun an duettsingenden Mahaliwebern herausgefunden, dass der Sologesang der dominanten Männchen mit erhöhten Testosteronwerten in Verbindung steht. Dazu konnte bei Weibchen der männchentypische Sologesang durch Testosteronbehandlung aktiviert werden. Die Studie zeigt einen komplexen Zusammenhang zwischen Gesangsverhalten und Hormonen auch bei tropischen Vögeln.


Mahaliweber-Pärchen, oben das Männchen, unten das Weibchen
Foto: Dr. Cornelia Voigt

Bei Tieren der gemäßigten Zonen steuert die saisonale Änderung der Tageszeitenlänge die Jahresrhythmik. Die zunehmende Tageslänge im Frühling löst bei Vögeln einen Anstieg der Konzentration der Geschlechtshormone aus und läutet damit den Brutbeginn ein. Damit verbunden ändert sich auch das Verhalten: Bei Singvogel-Männchen findet sich dann ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und Komplexität ihrer Gesänge und der Testosteronkonzentration im Blut.

In den tropischen Regionen bietet sich ein anders Bild. Dort singen die Vögel oft das ganze Jahr über, und günstige Brutbedingungen finden sich über einen viel längeren Zeitraum im Vergleich zur gemäßigten Zone. Darüber hinaus sind die Testosteronwerte während des gesamten Jahres bei vielen Arten auf einem sehr niedrigen Niveau. Deshalb ist es noch unklar, durch welche Mechanismen das Gesangsverhalten bei tropischen Vogelarten gesteuert wird.

Cornelia Voigt und Stefan Leitner vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen konnten nun an afrikanischen Mahaliwebern zeigen, dass Testosteron auch in den tropischen Habitaten eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Gesangsverhaltens spielt. Diese Vögel leben in Gruppen von zwei bis zehn Tieren und zeichnen sich durch ein status-abhängiges Gesangsverhalten aus, bei dem nur die dominanten Männchen einen sogenannten Sologesang singen. Weibchen und subdominante Männchen singen lediglich einen abwechselnden Duettgesang.

In einer Langzeitstudie an Mahaliweber-Gruppen im Südwesten von Simbabwe fanden die Forscher bei männlichen Tieren tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Hormongehalt und Sologesang. So hatten dominante Männchen sowohl während der frühen Brutzeit von Oktober bis Dezember als auch während der späten Brutzeit von Januar bis März höhere Testosteronspiegel als subdominante Tiere.

Allerdings waren die Hormonkonzentrationen weitaus geringer als jene, die für Gesangsänderungen bei Arten der gemäßigten Zone verantwortlich sind. Es könnte also sein, dass die leicht höheren Werte der dominanten Männchen nur den Status an sich wiederspiegeln und nicht für die Aktivierung des Gesanges verantwortlich sind. Dass Testosteron jedoch tatsächlich eine Rolle spielt beim solo Singen, konnte an einem Experiment an Weibchen bewiesen werden, die in Volieren nahe ihrem natürlichen Lebensraum gehalten wurden.

Die Weibchen erhielten ein Testosteron-Implantat und fingen bereits nach einer Woche an, den männlichen Sologesang zu singen, der nach einem Monat voll ausgeprägt war und sich in nur wenigen Parametern von dem der Männchen unterschied. „Mit diesen Untersuchungen konnten wir zeigen, dass ein spezieller Gesangstyp, der Sologesang, geschlechterübergreifend durch Testosteron aktiviert werden kann. Außerdem bleiben die Weibchen für das männliche Hormon Testosteron empfänglich“, sagt Cornelia Voigt.

Dr. Sabine Spehn | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.orn.mpg.de/279638/news_publication_6606012

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