Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Städte machen einheimische Eidechsen zur Minderheit

06.09.2018

Weltweit wachsen Städte und beanspruchen immer mehr Raum. Evolutionsbiologen rücken diese Entwicklung in den Fokus ihrer Forschung und untersuchen, wie sich der Trend zur Urbanisierung auf Tiere auswirkt. Dr. Joscha Beninde von der Universität Trier hat an Mauereidechsen festgestellt, dass Städte zu einer intensiven genetischen Vermischung beitragen. Durch den Austausch mit eingeführten fremden Individuen werden einheimische Linien massiv verdrängt. In manchen Bereichen machen einheimische Linien von Mauereidechsen nur noch zehn Prozent aus.

Zu den markanten Beispielen, wie sich Arten an Städte anpassen, gehören die Saumfingereidechsen. In Städten lebende Exemplare haben längere Beine, größere Zehenballen und mehr Lamellen an den Zehen, um auf glatten Oberflächen wie Metall oder Beton besseren Halt zu haben. Zudem können sie sich schneller bewegen als ihre Artgenossen in den ursprünglichen Waldhabitaten.


Eine heimische Mauereidechse und eine italienische Mauereidechse (von unten nach oben) unterscheiden sich unter anderem in der Rückenfärbung

Joscha Beninde - Universität Trier

Joscha Beninde hat für seine Studie jeweils etwa 200 Exemplare von Mauereidechsen in Trier, Saarbrücken, Mannheim und Freiburg untersucht. Lediglich in Trier fand er noch heimische Linien ohne Vermischung mit fremden Genen vor.

In den anderen drei Städten konnte er nur noch zwischen 10 und 54 Prozent heimische Eidechsen nachweisen. Die übrigen 46 bis 90 Prozent sind Abkömmlinge von eingeführten Eidechsen aus Frankreich oder Italien.

Die fremden Arten oder Linien wurden entweder bewusst ausgesetzt oder kamen als blinde Passagiere in die Städte. Zu ihrer Verbreitung trägt häufig das in Städten weit verzweigte Schienennetz bei. Joscha Beninde stellte auch fest, dass landschaftliche Barrieren wie Flüsse oder Straßen eine Vermischung, die so genannte Hybridisierung, nicht verhindern.

Durch diesen Prozess werden Genome, die sich zuvor über Jahrtausende oder Jahrmillionen in Isolation entwickelt haben, neu zusammengewürfelt. Auf diese Weise können vorteilhafte Eigenschaften einer Art oder Linie von der anderen aufgenommen werden. Hybride breiten sich weiter aus, da sie einen Fitnessvorteil gegenüber den ursprünglichen Linien haben.

Daher stellt sich die Frage, wie mit diesen Verdrängungsprozessen umzugehen ist. Mauereidechsen sind durch die FFH-Richtlinie der Europäischen Union geschützt. Fraglich ist jedoch, ob sich dieser Schutz auch auf nicht-heimische Linien erstreckt.

„Aus ökologischer Sicht wäre es konsequent, wenn nur heimische Linien unter Schutz stehen würden. Auch rechtlich ist diese Interpretation vertretbar, wenn nicht sogar notwendig“, sagt Joscha Beninde. Bislang steht eine Regelung allerdings aus.

Die Ergebnisse der Studien von Joscha Beninde wurden in einer Spezialausgabe des Fachjournals „Proceedings B“ veröffentlicht: Joscha Beninde, Stephan Feldmeier, Michael Veith und Axel Hochkirch: „Admixture of hybrid swarms of native and introduced lizards in cities is determined by the cityscape structure and invasion history.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Joscha Beninde
Biogeographie
+49 176 - 21970211
beninde@uni-trier.de
http://www.uni-trier.de

Peter Kuntz | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Eidechsen Hybridisierung Isolation Lamellen Schienennetz Zehen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forschende entdecken, wie äußere Reize den Auf- und Abbau des Skeletts im Kern von Säugetierzellen steuern
22.11.2019 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Austernsterben: Amerikanische Pantoffelschnecke ist unschuldig
22.11.2019 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forschende entdecken, wie äußere Reize den Auf- und Abbau des Skeletts im Kern von Säugetierzellen steuern

Nicht nur in Muskelzellen spielen sie die Hauptrolle: Die Aktinfilamente sind eines der häufigsten Proteine in allen Säugetierzellen. Die fadenförmigen Strukturen bilden einen wichtigen Teil des Zellskeletts und -bewegungsapparats. Zellbiologinnen und -biologen der Universität Freiburg zeigen nun in Zellkulturen, wie Rezeptorproteine in der Membran dieser Zellen Signale von außen an Aktinmoleküle im Kern weiterleiten, die daraufhin Fäden bilden.

Das Team um Pharmakologe Prof. Dr. Robert Grosse steuert in einer Studie den Auf- und Abbau der Aktinfilamente im Zellkern mit physiologischen Botenstoffen und...

Im Focus: Neuartiges Antibiotikum gegen Problemkeime in Sicht

Internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Gießen entdeckt neuen Wirkstoff gegen gramnegative Bakterien – Darobactin attackiert die Erreger an einem bislang unbekannten Wirkort

Immer mehr bakterielle Erreger von Infektionskrankheiten entwickeln Resistenzen gegen die marktüblichen Antibiotika. Typische Krankenhauskeime wie Escherichia...

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Gewinner ist… Vorankündigung zum 11. Corporate Health Award

22.11.2019 | Förderungen Preise

Erste Liga der Automobilzulieferer

22.11.2019 | Förderungen Preise

Forschende entdecken, wie äußere Reize den Auf- und Abbau des Skeletts im Kern von Säugetierzellen steuern

22.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics