Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spezielle Helferzellen an immunologischem Gedächtnis beteiligt

09.03.2020

Helferzellen spielen bei der Immunantwort gegen verschiedene Krankheitserreger eine wichtige Rolle. Unklar war bisher die Funktion einer bestimmten Untergruppe dieser Immunzellen. Nun zeigt sich: Follikuläre T-Helferzellen leben viel länger als gedacht und tragen zur Aufrechterhaltung einer nachhaltigen Immunität bei. Das berichten Forschende vom Departement Biomedizin der Universität Basel in «Science Immunology».

Die meisten Impfungen führen zur Bildung von spezifischen Antikörpern, die permanent im Blut zirkulieren. Allerdings gibt es immer noch zahlreiche Infektionen, gegen die keine Impfung existiert, wie zum Beispiel Malaria, HIV und Tuberkulose.


Milz einer Maus mit fluoreszierenden Antikörpern. In den gelben Arealen befinden sich die TFH-Zellen, die an der Aufrechterhaltung des immunologischen Gedächtnisses beteiligt sind.

Universität Basel, Departement Biomedizin, Ludivine Litzler

Im Kampf gegen Infektionskrankheiten kommen deshalb neue Impfstrategien zum Einsatz, welche die T-Zellen ins Visier nehmen, die ebenfalls einen Schutz vor Erregern vermitteln können.

Immunologisches Gedächtnis

Bei diesem Ansatz werden durch eine Impfung langlebige Gedächtniszellen gebildet, die sich an die passende Antwort gegen einen Erreger erinnern. Nach einer erneuten Infektion können sich die Gedächtniszellen schnell vermehren und das Immunsystem bei der Abwehr der Erreger unterstützen.

Forscher an der Universität Basel konzentrierten ihre Studien auf einen spezialisierten Zelltyp, die sogenannten follikulären T-Helferzellen (TFH). Diese interagieren mit anderen Immunzellen, indem sie beispielsweise die Produktion von Antikörpern fördern.

TFH-Zellen lassen sich im Menschen aber nur schlecht erforschen, da sie nicht im Blut, sondern hauptsächlich in Lymphknoten und der Milz vorkommen, was eine regelmässige Probenahme verunmöglicht. Zudem deuteten frühere Studien darauf hin, dass TFH-Zellen in Mäusen kurz nach dem Abklingen einer Infektion verschwinden.

Überraschend langlebige TFH-Zellen

Die Forschungsgruppe um Prof. Carolyn King konnte nun zeigen, dass das Absterben der TFH-Zellen mehrheitlich durch die Isolierung aus dem Gewebe hervorgerufen wird. Nachdem sie den Tod dieser Zellen in Mäusen durch die Gabe eines Moleküls verhindern konnten, erwiesen sich die TFH-Zellen als überraschend langlebig: Auch 400 Tage nach der Infektion fanden sie die Forschenden in hoher Zahl. Zentrale Gedächtnis-T-Zellen, deren Bildung eigentlich als grundlegend für Impfungen gilt, waren zu diesem Zeitpunkt keine mehr nachweisbar.

Eine genauere Untersuchung ergab, dass die TFH-Zellen Stammzelleigenschaften besitzen und beständig zur Produktion von Antikörpern beitragen, auch wenn die Immunantwort bereits nachgelassen hat.

Perspektive für verbesserte Impfansätze

Das bessere Verständnis der TFH-Zellen eröffnet neue Perspektiven, um eine dauerhafte, erworbene Immunität hervorzurufen: «Wir hoffen, dass diese Erkenntnisse über die langfristige Bedeutung von TFH-Zellen zur Entwicklung neuartiger Impfansätzen beitragen werden», kommentiert Carolyn King vom Departement Biomedizin der Universität Basel die Resultate.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Carolyn King, Universität Basel, Departement Biomedizin, Tel. +41 61 265 38 74, E-Mail: carolyn.king@unibas.ch

Originalpublikation:

Marco Künzli , David Schreiner , Tamara C. Pereboom, Nivedya Swarnalekha, Ludivine C. Litzler, Jonas Lötscher, Yusuf I. Ertuna, Julien Roux, Florian Geier, Roman Jakob, Timm Maier, Christoph Hess, Justin T. Taylor, Carolyn G. King
Long-lived T follicular helper cells retain plasticity and help sustain humoral immunity
Science Immunology (2020), doi: 10.1126/sciimmunol.aay5552
https://doi.org/10.1126/sciimmunol.aay5552

Michelle Isler | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forschung gegen das Corona-Virus – Gewebemodelle für schnelle Wirkstofftests
08.04.2020 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Mutation senkt Energieverschwendung bei Pflanzen
08.04.2020 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Technologien für Satelliten

Er kommt ohne Verkabelung aus und seine tragende Struktur ist gleichzeitig ein Akku: An einem derart raffiniert gebauten Kleinsatelliten arbeiten Forschungsteams aus Braunschweig und Würzburg. Für 2023 ist das Testen des Kleinsatelliten im Orbit geplant.

Manche Satelliten sind nur wenig größer als eine Milchtüte. Dieser Bautypus soll jetzt eine weiter vereinfachte Architektur bekommen und dadurch noch leichter...

Im Focus: The human body as an electrical conductor, a new method of wireless power transfer

Published by Marc Tudela, Laura Becerra-Fajardo, Aracelys García-Moreno, Jesus Minguillon and Antoni Ivorra, in Access, the journal of the Institute of Electrical and Electronics Engineers

The project Electronic AXONs: wireless microstimulators based on electronic rectification of epidermically applied currents (eAXON, 2017-2022), funded by a...

Im Focus: Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

Vor ziemlich genau einem Jahr ist das Belle II-Experiment angelaufen. Jetzt veröffentlicht das renommierte Journal Physical Review Letters die ersten Resultate des Detektors. Die Arbeit befasst sich mit einem neuen Teilchen im Zusammenhang mit der Dunklen Materie, die nach heutigem Kenntnisstand etwa 25 Prozent des Universums ausmacht.

Seit etwa einem Jahr nimmt das Belle II-Experiment Daten für physikalische Messungen. Sowohl der Elektron-Positron-Beschleuniger SuperKEKB als auch der...

Im Focus: Belle II yields the first results: In search of the Z′ boson

The Belle II experiment has been collecting data from physical measurements for about one year. After several years of rebuilding work, both the SuperKEKB electron–positron accelerator and the Belle II detector have been improved compared with their predecessors in order to achieve a 40-fold higher data rate.

Scientists at 12 institutes in Germany are involved in constructing and operating the detector, developing evaluation algorithms, and analyzing the data.

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Flugplätze durch Virtual Reality unterstützen

08.04.2020 | Verkehr Logistik

Forschung gegen das Corona-Virus – Gewebemodelle für schnelle Wirkstofftests

08.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kostengünstiges mobiles Beatmungsgerät entwickelt

08.04.2020 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics