Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Sinneszellen im Innenohr Lautstärke und schnelle Signale kodieren

30.07.2012
„Wie wird Sprache im Hörsystem verarbeitet?“ fragen Forscher um Dr. Simone Kurt vom Institut für Neurobiologie der Universität Ulm.
Jetzt haben die Wissenschaftler die Funktion eines speziellen Ionenkanals in den Sinneszellen des Innenohrs von Mäusen untersucht: Offenbar ist der so genannte BK-Kanal für die Entschlüsselung von Sprache unverzichtbar.

Ihre Erkenntnisse haben sie jetzt auf der Webseite der Fachzeitschrift FASEB (The Journal of the Federation of American Societies for Experimental Biology) veröffentlicht.

Aber was geschieht eigentlich bei der Signalverarbeitung im Ohr? Sinneszellen im Innenohr machen aus Schall elektrische Signale und führen so zur Ausschüttung von Botenstoffen. Diese Botenstoffe werden mithilfe der Hörnervenfasern in Nervenimpulse umgewandelt und im Gehirn weiterverarbeitet. „Um elektrische Signale der Sinneszellen auszuformen, ist der Strom durch verschiedene Typen von Kalium-leitenden Ionenkanälen von großer Bedeutung“, erklärt Simone Kurt. Veränderungen dieser Kanäle können zum Beispiel zu Schwerhörigkeit oder sogar Ertaubung führen.

In der aktuellen Studie haben die Forscher den BK-Kanal in den Haarsinneszellen von Labormäusen ausgeschaltet. Die Tiere wurden nicht schwerhörig, konnten aber schnelle und zeitlich veränderliche Schallsignale nur sehr eingeschränkt verarbeiten. Solche Schallsignale kommen sowohl in der Kommunikation von Mäusen als auch Menschen vor.

„Ist der BK-Kanal deaktiviert, verliert das Gehör seine Empfindlichkeit für zeitlich präzise Signale wie zum Beispiel Sprache. Außerdem leidet die Fähigkeit, solche Signale aus starken Hintergrundgeräuschen zu filtern beziehungsweise abgestufte Lautstärken zu erkennen“, sagen die Wissenschaftler.

Noch ist nicht bekannt, ob und in welchem Maße sich diese an Mäusen gewonnenen Erkenntnisse auf Menschen übertragen lassen. Betroffene Personen würden zum Beispiel weder Sprache verstehen noch die Komplexität von Musik erfassen.

In jedem Fall tragen die Wissenschaftler zu einem besseren Verständnis des Hörsystems bei. In Zukunft könnten ihre Erkenntnisse dabei helfen, Hörprothesen so zu verbessern, dass eine Sprachwidergabe verständlicher wird. Für die aktuelle Studie haben interdisziplinäre Forschergruppen der Universitäten Ulm, Tübingen, Homburg/Saar, Erlangen-Nürnberg und des Leibniz Instituts für Neurobiologie in Magdeburg zusammengearbeitet.

Weitere Informationen: Dr. Simone Kurt, Tel.: 0731/50-22648

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.fasebj.org/content/early/2012/06/11/fj.11-200535.full.pdf+html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße
17.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Neuer ALS-Bluttest: Hilfe bei der Differenzialdiagnose und Hinweise auf Krankheitsverlauf
17.10.2018 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Im Focus: Storage & Transport of highly volatile Gases made safer & cheaper by the use of “Kinetic Trapping"

Augsburg chemists present a new technology for compressing, storing and transporting highly volatile gases in porous frameworks/New prospects for gas-powered vehicles

Storage of highly volatile gases has always been a major technological challenge, not least for use in the automotive sector, for, for example, methane or...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sinneswahrnehmung ist keine Einbahnstraße

17.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Space Farming dank Pflanzenhormon Strigolacton

17.10.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Oberflächen mit flexiblen und handlichen Plasmaquellen aktivieren

17.10.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics