Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind Rotalgen bald eiweißreiches Futter für Forellen?

15.02.2017

Rostocker Wissenschaftler sind alternativem Fischfutter dicht auf der Spur

Rotalgen statt Fischmehl: Rostocker Forscher um Professorin Petra Wolf, Inhaberin des Lehrstuhls für Ernährungsphysiologie und Tierernährung, an der Universität Rostock suchen nach alternativen Futtermitteln für die Fischzucht.


Forschen fürs Forellen-Futter: Ralf Bochert, Prof. Hendrik Schubert, Prof. Petra Wolf und Gregor Thum. Foto: Universität Rostock/Julia Tetzke


Doktorand Gregor Thum vor dem Tauchgang am Riff vor Nienhagen. Foto: privat

„Das beste Futter für den Fisch ist noch der Fisch selbst – aus diesem Grund enthalten Fischfutter in größeren Mengen Fischmehl“, sagt Professorin Wolf. Denn: vor allem Raubfische brauchen viel Eiweiß in ihrer Nahrung.

Sind die Rostocker Forscher einer alternativen Futter-Lösung, die das Meer bietet, bereits nahe? Rotalgen, die die Badegäste am Strand ärgern, Miesmuscheln und Seeringelwürmer könnten schon bald als eiweißreiches Futter für die Forellenaufzucht vor der Ostseeküste dienen. Davon ist Professorin Petra Wolf, international anerkannte Wissenschaftlerin, überzeugt.

Eine maßgebliche Idee für alternatives Fisch-Futter hatte Gregor Thum. Dem 31-jährigen Forschungstaucher fiel bei Expeditionen an den küstennahen Riffen Nienhagen und Rosenort auf, dass dort jede Menge an Algen und wirbellose Tierchen zu finden sind.

Aber: „Die Ernte ist auf Grund der Lage der Riffe schwierig und kostspielig“, nennt Gregor Thum Hürden. Er verweist auf das Projekt Baltic IMTA (integrated multitrophic aquaculture), in dem neben Forellen auch Rotalgen und Miesmuscheln in der Nähe des künstlichen Riffes Nienhagen zusammen kultiviert wurden. Die Fische seien zunächst mit kommerziellem Mastfutter gefüttert worden.

Gregor Thum hatte dann die Idee zur weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit einer solchen Anlage. „Warum sollte man die Fische in Aufzuchtanlagen nicht zusätzlich mit Muscheln, Algen und Würmern füttern, um eben die Nachhaltigkeit zu verbessern?

„Im Labor haben wir die potenziellen natürlichen Futtermittelzutaten unter die Lupe genommen und festgestellt, dass einige Komponenten sehr eiweißreich sind und auch günstige Gehalte an essentiellen Aminosäuren sowie Spurenelementen beinhalten“.

Aber fressen die Fische Rotalgen? Gemeinsam mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg Vorpommern, Versuchsstation Born, haben die Rostocker Uni-Forscher das am Beispiel der besonders robusten Born-Forelle getestet. Diese seit 1975 im Brackwasser der Darß-Zingster Boddenkette gezüchteten Forellen wachsen den Angaben zufolge auch bei Stress besser als importierte Forellen.

Dem Futter der Born-Forellen wurden bis zu 35 Prozent der neuen Naturprodukte hinzugefügt.

Das Ergebnis: Die Forellen haben mit Appetit gefressen und sich gut entwickelt. „Es gab keinerlei Anzeichen, die gegen das Futter sprechen“, resümiert Prof. Wolf, die auch bei diesem Pilotprojekt auf interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt. Beispielsweise mit dem Institut für Biowissenschaften, Arbeitsgruppe Ökologie unter Leitung von Prof. Hendrik Schubert. Als nächstes gilt es zu prüfen, ob sich die Zutaten für das Naturfutter kostengünstig und ausreichend gewinnen lassen bzw. auch künstlich vermehrt werden können.

Gelingt das, ließe sich der Verbrauch von Fischmehl in der Fisch-Fütterung im großen Stil minimieren. „Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass für den Verbraucher mehr Fisch zur Verfügung steht und die Fischproduktion preiswerter wird“, blickt Prof. Wolf optimistisch voraus. Zudem könnte der Anteil an Fischmehlen im Futter verringert und damit die Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Fisch entschärft werden, ein Umstand der auch für Drittländer wie Afrika von Bedeutung wäre. Text: WOLFGANG THIEL

Kontakt:

Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Petra Wolf
Tel: +49 381 498-3320
E-Mail: petra.wolf@uni-rostock.de

Universität Rostock

Presse- und Kommunikationsstelle
Ingrid Rieck
Universitätsplatz 1/Zimmer 116
18051 Rostock
Tel: +49 381 498-1012
Fax: +49 381 498-1032
pressestelle@uni-rostock.de

www.uni-rostock.de

Wolfgang Thiel | Universität Rostock

Weitere Berichte zu: Algen Fischmehl Fischproduktion Miesmuscheln Rotalgen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie tickt die rote Königin?
22.01.2019 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast
22.01.2019 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Energizing the immune system to eat cancer

Abramson Cancer Center study identifies method of priming macrophages to boost anti-tumor response

Immune cells called macrophages are supposed to serve and protect, but cancer has found ways to put them to sleep. Now researchers at the Abramson Cancer...

Im Focus: Klassisches Doppelspalt-Experiment in neuem Licht

Internationale Forschergruppe entwickelt neue Röntgenspektroskopie-Methode basierend auf dem klassischen Doppelspalt-Experiment, um neue Erkenntnisse über die physikalischen Eigenschaften von Festkörpern zu gewinnen.

Einem internationalen Forscherteam unter Führung von Physikern des Sonderforschungsbereichs 1238 der Universität zu Köln ist es gelungen, eine neue Variante...

Im Focus: Ten-year anniversary of the Neumayer Station III

The scientific and political community alike stress the importance of German Antarctic research

Joint Press Release from the BMBF and AWI

The Antarctic is a frigid continent south of the Antarctic Circle, where researchers are the only inhabitants. Despite the hostile conditions, here the Alfred...

Im Focus: Ultra ultrasound to transform new tech

World first experiments on sensor that may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles

The new sensor - capable of detecting vibrations of living cells - may revolutionise everything from medical devices to unmanned vehicles.

Im Focus: Fliegende optische Katzen für die Quantenkommunikation

Gleichzeitig tot und lebendig? Max-Planck-Forscher realisieren im Labor Erwin Schrödingers paradoxes Gedankenexperiment mithilfe eines verschränkten Atom-Licht-Zustands.

Bereits 1935 formulierte Erwin Schrödinger die paradoxen Eigenschaften der Quantenphysik in einem Gedankenexperiment über eine Katze, die gleichzeitig tot und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Führende Röntgen- und Nanoforscher treffen sich in Hamburg

22.01.2019 | Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Brandschutz aus Altpapier

22.01.2019 | Materialwissenschaften

Verlauf von Alzheimer zeichnet sich schon frühzeitig im Blut ab

22.01.2019 | Medizin Gesundheit

Neu entdecktes Blutgefäßsystem in Knochen

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics