Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein seltsames Paar

30.04.2010
Photolumineszierende Flüssigkristalle auf Basis von Metallclustern
Kombiniert man Flüssigkristalle (Mesogene) mit Metallclustern, erhält man Clustomesogene – so heißt eine neue Verbindungsklasse, deren erster Vertreter von Wissenschaftlern der Universitäten Rennes (Frankreich) und Bukarest (Rumänien) jetzt hergestellt wurde. Wie das Team um Yann Molard und Stéphane Cordier in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet, leuchtet das Material unter Bestrahlung intensiv im roten bis infraroten Bereich.

Flüssigkristalle kennt man aus LC-Displays. Diese Materialien verhalten sich wie ein Zwischending zwischen einer Flüssigkeit und einem Feststoff. Einerseits liegen ihre Moleküle ausgerichtet und teilweise geordnet wie in einem Kristall vor, andererseits sind sie nicht starr, sondern recht beweglich, eher wie in einer Flüssigkeit.

Über eine angelegte Spannung lassen sie sich zwischen verschiedenen Zuständen schalten. Eine andere Materialklasse, die ebenfalls für den opto-elektronischen Bereich interessant ist, sind Metallcluster. Unter Clustern versteht man Ansammlungen weniger Atome. Solche winzigen „Häufchen“ zeigen außergewöhnliche elektronische, magnetische und optische Eigenschaften, die auf den darin bestehenden Metall-Metall-Bindungen beruhen und völlig anders sind als bei einem makroskopischen Metallpartikel.

Dem Team gelang es, die interessanten Charakteristika beider Materialtypen zu vereinen – in Form einer neuen Stoffklasse namens Clustomesogene, die Metallcluster enthält und in einer flüssigkristallinen Phase vorliegt.

Flüssigkristalle mit Metall-Metall-Bindungen waren bisher selten und auf Spezies mit nur zwei miteinander verknüpften Metallatomen beschränkt. Die Wissenschaftler konstruierten nun ein Flüssigkristall, das oktaederförmige Cluster aus sechs Molybdänatomen enthält. Zur Stabilisierung sind oberhalb der acht Flächen des Oktaeders acht Bromionen als Liganden koordiniert. An die sechs Ecken des Oktaeders knüpften die Forscher spezielle organische Liganden an: aromatische Ringe, an denen je drei lange Kohlenwasserstoff-Ketten hängen, deren Enden durch je zwei aromatische Ringe gebildet werden. Einfaches Erhitzen löst einen Selbstorganisationsprozess aus, bei dem sich die Cluster zu langen, schmalen Einheiten strecken (siehe Bild), die sich zu einer lamellaren Struktur anordnen. Die ringförmigen Enden der Liganden benachbarter Schichten schieben sich dabei ineinander. Diese Struktur hat flüssigkristalline Eigenschaften.

Das Material zeigt eine starke Lumineszenz (Leuchten) im roten bis nahen Infrarot-Bereich bei Anregung in einem breiten Wellenlängenbereich. Derartige Stoffe könnten für die Herstellung von roten Displays und Infrarot-Signalen interessant sein. Die neue Verbindungsklasse ist im November 2009 in den USA als n° 61/264888 patentiert worden.

Angewandte Chemie: Presseinfo 15/2010

Autor: Yann Molard, Université de Rennes 1 (France), http://scienceschimiques.univ-rennes1.fr/csm/personnel/y_molard.html

Angewandte Chemie 2010, 122, No. 19, 3423–3427, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201000325

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://scienceschimiques.univ-rennes1.fr/csm/personnel/y_molard.html
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201000325

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»
19.11.2019 | Universität Bern

nachricht Tiefseebakterien ernähren sich wie ihre Nachbarn
19.11.2019 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Im Focus: Der direkte Weg zur Phosphorverbindung: Regensburger Chemiker entwickeln Katalysemethode

Wissenschaftler finden effizientere und umweltfreundlichere Methode, um Produkte ohne Zwischenstufen aus weißem Phosphor herzustellen.

Pflanzenschutzmittel, Dünger, Extraktions- oder Schmiermittel – Phosphorverbindungen sind aus vielen Mitteln für den Alltag und die Industrie nicht...

Im Focus: Atoms don't like jumping rope

Nanooptical traps are a promising building block for quantum technologies. Austrian and German scientists have now removed an important obstacle to their practical use. They were able to show that a special form of mechanical vibration heats trapped particles in a very short time and knocks them out of the trap.

By controlling individual atoms, quantum properties can be investigated and made usable for technological applications. For about ten years, physicists have...

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»

19.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Supereffiziente Flügel heben ab

19.11.2019 | Materialwissenschaften

Energiesysteme neu denken - Lastmanagement mit Blockheizkraftwerk

19.11.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics