Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sehen und Erkennen

06.08.2010
BMBF stellt acht Millionen Euro für Tübinger Bernstein-Zentrum zur Erforschung der Sinneswahrnehmung zur Verfügung

Wir sehen nur ein graues, abgerundetes Stück Plastik unter der Zeitung hervorlugen – und trotzdem wissen wir sofort, dass wir das Handy endlich gefunden haben. Unser Gehirn verrechnet die von den Augen gelieferte Sinnesinformation mit Erfahrungswerten und kann so die fehlende Information problemlos ergänzen.

In einem komplexen Verarbeitungsprozess vergleicht es das Vorwissen über die physikalische Beschaffenheit der Welt mit den aufgenommenen Signalen. Die Wissenschaftler am neu gegründeten Tübinger Bernstein-Zentrum für Computational Neuroscience (theoretische Neurowissenschaften) wollen herausfinden, wie diese Vorgänge im Gehirn ablaufen. An dem Zentrum sind Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik und der Universität Tübingen beteiligt, darunter das Werner Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften, außerdem das Universitätsklinikum Tübingen sowie das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Zentrum mit rund acht Millionen Euro.

Das neue Forschungszentrum ist Teil des bundesweiten Bernstein-Netzwerks „Computational Neuroscience“, das im Jahre 2004 ins Leben gerufen wurde und dem mittlerweile rund 200 Arbeitsgruppen an 20 verschiedenen Standorten angehören. Koordinator des Tübinger Bernstein-Zentrums ist Matthias Bethge, Wissenschaftler am Institut für Theoretische Physik der Universität Tübingen und am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik. Bethge erhielt bereits 2006 den renommierten „Bernstein-Preis für Computational Neuroscience“ und ist seitdem Mitglied des nationalen Bernstein-Netzwerks.

„Perzeptuelle Inferenz" nennen Wissenschaftler die Fähigkeit des Gehirns, Sinnesinformationen und Vorwissen zu einer schlüssigen Wahrnehmung unserer Umwelt zu kombinieren. Die Tübinger Forscher untersuchen, wie das komplexe Zusammenspiel vieler Zellen im Gehirn diese Leistung hervorbringen und Unsicherheiten aus den visuellen Eingangssignalen heraus rechnen kann. Welches Vorwissen ist nötig, um die Welt, die wir sehen, zu verstehen? Wie wirkt sich dieses Wissen auf die Sinneswahrnehmung aus? Wie wird Vorwissen im Gehirn gespeichert und wieder abgerufen? „Die Tatsache, dass unser Gehirn solche Probleme scheinbar mühelos löst, ist umso bemerkenswerter, als dass es bis heute keine Computeralgorithmen gibt, die auch nur annähernd an diese Leistung herankämen", sagt Bethge.

Die Tübinger Wissenschaftler konzentrieren sich hauptsächlich auf die visuelle Wahrnehmung, wollen aber auch verstehen, wie die unterschiedlichen Sinnessysteme zusammenarbeiten, um ein möglichst realistisches Bild der Umwelt zu erzeugen.

Um das Rätsel der Sinneswahrnehmung zu lösen, nutzen die Forscher neuartige experimentelle Techniken, mit denen sie die Aktivität von großen Gruppen von Nervenzellen gleichzeitig und sehr genau messen können. Aufbauend auf theoretische Studien und mit Hilfe von neuen Datenanalyseverfahren sollen diese Ansätze dazu genutzt werden, grundlegende Prinzipien der neuronalen Kodierung und der Inferenzprozesse zu entschlüsseln. Außerdem wird ein tieferes Verständnis darüber, wie unser Gehirn eine schlüssige Wahrnehmung der Umwelt erzeugt, neue klinische und technologische Anwendungsmöglichkeiten eröffnen, zum Beispiel im Bereich des maschinellen Sehens oder in der Entwicklung und Verbesserung neuronaler Sinnesprothesen.

Weitere Informationen:

Das Netzwerk Computational Neuroscience:
http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/784.php
Weitere Informationen über die Forschung von Matthias Bethge:
http://www.kyb.mpg.de/~mbethge
In Verbindung stehende Nachrichten:
http://tuebingen.mpg.de/nc/aktuelles-presse/pressemitteilungen/detail/keine-stille-post-im-gehirn-kommunikation-zwischen-nervenzellen-effektiver-als-gedacht.html
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Matthias Bethge
Universität Tübingen und Werner Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften,
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Tel: +49 7071 601-1770
E-Mail: http://mbethge[at]tuebingen.mpg.de
Michael Seifert
Hochschulkommunikation –Presse und Forschungsberichterstattung
Universität Tübingen
Tel: +49 7071 29-76789
E-Mail: http://michael.seifert[at]uni-tuebingen.de
Stephanie Bertenbreiter
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik
Tel: +49 7071 601-333
E-Mail: http://presse[at]tuebingen.mpg.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Behandlungsansatz für Juckreizgeplagte
15.08.2018 | Universität Zürich

nachricht Cholestase: Riss in Lebermembran lässt Galle abfließen
15.08.2018 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU

15.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

15.08.2018 | Informationstechnologie

FKIE-Wissenschaftler präsentiert neuen Ansatz zur Detektion von Malware-Daten in Bilddateien

15.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics