Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Schwestermolekül der DNA im Fokus der Forschung

26.05.2011
Neuer Sonderforschungsbereich zu RNA an der Goethe-Universität / Verlängerung in der Physik

Unter den 21 neuen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichen (SFBs) ist auch ein Antrag der Goethe Universität erfolgreich gewesen. Der SFB, der ab dem 1. Juli für zunächst vier Jahre mit etwa neun Millionen Euro gefördert wird, ist an der Grenze zwischen Chemie und Lebenswissenschaften angesiedelt.

Er beschäftigt sich mit dem lange unterschätzten Schwestermolekül der DNA, der Ribonukleinsäure (RNA). Zudem wurde ein bereits bestehender Transregio-SFB mit Schwerpunkt in der Physik für weitere vier Jahre verlängert.

Seit einigen Jahren konzentriert sich eine Reihe von Arbeitsgruppen der Goethe-Universität auf die Untersuchung der Funktionen von RNAs in chemischen und biologischen Vorgängen. Lange glaubte die Wissenschaft, dass RNAs nur passive Träger der genetischen Information sind. Heute ist bekannt, dass sie auch eine wesentliche Rolle bei der Genregulation in Prokaryoten (einzellige Lebewesen ohne Zellkern, etwa Bakterien) und Eukaryoten (Lebewesen mit Zellkern) spielen. Außerdem kommen ihnen weitere wichtige Funktionen in großen Komplexen aus Proteinen und RNA zu. Dazu nehmen die Makromoleküle komplexe dreidimensionale Strukturen an. Der SFB 902 „Molekulare Mechanismen der RNA-basierten Regulation“ untersucht, wie Struktur und Dynamik von RNA mit ihren biologischen Funktionen zusammenhängen.

„Das ist ein großer Erfolg für unser Team“, so der Sprecher des SFBs, Prof. Harald Schwalbe vom Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie. „Viele haben sich lange auf diesen SFB vorbereitet. Mit Prof. Beatrix Suess und Prof. Jens Wöhnert, unseren beiden Stiftungsprofessuren der Aventis Foundation, und der Berufung Prof. Alexander Heckels im Rahmen des Exzellenzclusters Makromolekulare Komplexe konnten wir unsere Aktivitäten in diesem wichtigen Forschungsgebiet verstärken.“ Die Vizesprecherin des SFBs und Leiterin des angeschlossenen Graduiertenkollegs, Prof. Beatrix Süß vom Institut für molekulare Biowissenschaften, freut sich über die Förderung der Doktorandenausbildung: „Wir haben jetzt auch neuen Schwung für unseren ‚RNA-Club‘, in dem wir uns mit Gruppen aus der näheren Umgebung einmal im Monat austauschen", so die Molekularbiologin.

Prof. Enrico Schleiff und Prof. Jens Wöhnert, die an der Konzeption des Förderantrags wesentlich beteiligt waren, möchten mit ihren Arbeitsgruppen nun große, noch ungelöste Fragen angehen, beispielsweise wie sich Ribosomen, die Proteinbiosynthesemaschinen, in der Zelle auf- und abbauen. Die Gruppen werden eng mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt zusammenarbeiten.

Exotische Zustände kondensierter Materie:
Von eiskalten Atomen zu komplexen Festkörpern Ebenfalls hat die DFG bekannt gegeben, dass der SBF/Transregio 49 „Systeme Kondensierter Materie mit variablen Vielteilchenwechselwirkungen“ für weitere vier Jahre mit 8,5 Millionen Euro gefördert wird. Ziel ist das Verständnis komplexer Ordnungsphänomene in kondensierter Materie, deren Ursache in der Wechselwirkung einer großen Zahl von Quantenobjekten liegt. Die hier zu beobachtenden exotischen Materiezustände reichen von ungewöhnlichen Formen der Supraleitung bis hin zu neuartigen magnetischen und metallischen Zuständen.

Studienobjekte in dem stark interdisziplinär ausgerichteten Forschungsvorhaben sind ausgewählte Materialien mit ganz unterschiedlichem Grad der Komplexität – von einfachen Modellsystemen bis hin zu komplexen realen Festkörpern, die die Chemiker und Materialwissenschaftler aus molekularen Bausteinen zusammenbauen können. Allen Materialien gemeinsam ist ein hohes Maß an Variabilität, wodurch den Forschern ein gezieltes Material-Design durch Veränderung chemischer oder physikalischer Systemparameter möglich ist. Durch vergleichende Untersuchungen verwandter Phänomene an diesen unterschiedlichen Systemen wird das komplexe Wechselspiel verschiedener Einflüsse entflochten und neue theoretische Konzepte können entwickelt werden.

Nachwuchswissenschaftler haben bereits in den vergangenen vier Jahren im integrierten Graduiertenkolleg hervorragende Forschungsbedingungen in einem stimulierenden interdisziplinären Umfeld mit viel Freiraum für die Realisierung eigener Ideen gefunden. Das Graduiertenkolleg bietet Studierenden im Masterstudiengang und Doktoranden auch künftig die Einbindung in hochaktuelle, exzellente Forschung mit internationaler Vernetzung.

An dem Sonderforschungsbereich sind Frankfurter Festkörperphysiker, Festkörperchemiker und Materialwissenschaftler sowie Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern, der Universität Mainz und des Mainzer Max-Planck-Instituts für Polymerforschung beteiligt. Transregio-SFBs ermöglichen es Wissenschaftlern aus bis zu drei Standorten ihre Expertise zu bündeln. Mit einer Förderung von bis zu zwölf Jahren ermöglicht die DFG den beteiligten Hochschulen neue Schwerpunkte zu setzen.

Informationen zum SFB 902: Prof. Harald Schwalbe, Institut für organische Chemie und chemische Biologie, Campus Riedberg, Tel: (069)798-29737; schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de

Informationen zum SFB/Transregio 49: Prof. Michael Lang, Physikalisches Institut, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47241; Michael.Lang@physik.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation,
Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy,
Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics