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Schräge Vögel: Kampfläufer-Männchen mit Gendefekt und ohne Aggression bei den Weibchen erfolgreich

16.11.2015

Aggressives Verhalten ist genetisch beeinflusst und für die Fortpflanzung bedeutend. Ein internationales ForscherInnen-Team mit starker Beteiligung der Uni Graz hat nun bei der Vogelart der Kampfläufer herausgefunden, welche Veränderung des Erbguts dazu führt, dass auch Vögel ohne Angriffslust bei den Weibchen punkten können. Die Forschungsarbeit erscheint heute, den 16. November 2015 in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics.

Wie die Gladiatoren in einer Arena versammeln sich die männlichen Kampfläufer im prächtigen Federkleid bei der Balz und rittern jedes Frühjahr um die Gunst der Weibchen. Dabei ist der Name des vor allem in der Tundra beheimateten Vogels auch Programm. Jene, die besonders dominant und aggressiv auftreten, werden von den Weibchen bevorzugt. Doch es geht auch anders, wie Dr. Clemens Küpper vom Institut für Zoologie der Uni Graz erklärt.


Balzende Kampfläufer-Männchen: Satellit (links) und unabhängiger Kämpfer

Foto: Clemens Küpper

„Es gibt drei unterschiedliche Typen der Kampfläufer. Im Unterschied zum angriffslustigen Kämpfer-Typ verfolgen zwei andere, die sogenannten Satelliten- und Faeder-Männchen, erfolgreiche Paarungsstrategien ganz ohne Aggression“, erläutert Küpper.

Satelliten zeichnen sich durch auffallend helles Gefieder aus. Faeder wiederum geben sich als Weibchen aus, um von den aggressiven Kämpfern geduldet zu werden. Beide Typen nutzen die Konfusion in den Balzarenen, die bei den häufigen Kämpfen vorherrscht, um sich mit Weibchen zu paaren. „Die Grundlagen für diese drei Formen ist Kampfläufern in ihrer Erbinformation festgeschrieben“, begründet der Forscher und Erstautor der aktuellen Publikation in Nature Genetics.

Als Teil eines internationalen Teams, darunter ForscherInnen der Universitäten Graz, Sheffield und Edinburgh (Großbritannien) sowie der Simon Fraser University in Burnaby (Kanada), hat der Evolutionsbiologe die genetischen Unterschiede zwischen den drei Formen genau unter die Lupe genommen. Küpper und seine KollegInnen konnten eruieren, welcher Abschnitt der DNA für dieses atypische, sanfte Verhalten verantwortlich ist:

„Den Unterschieden des Satelliten- und des Faeder-Männchens liegt eine Inversion, das ist eine seltene Umstrukturierung eines Chromosomenabschnitts, zugrunde. Die ursprüngliche, bereits Millionen Jahre alte Veränderung ist durch einen Gen-Defekt in einigen Fällen sogar tödlich.

Allerdings scheinen andere Qualitäten der Faeder- und Satelliten-Männchen dieses Manko zu kompensieren. Der von der Inversion betroffene Abschnitt enthält mehrere vielversprechende Kandidaten-Gene für Aggressionsverhalten, die Küpper in Zukunft erforschen will.

Kontakt für Rückfragen:
Dr. Clemens Küpper
Institut für Zoologie der Uni Graz
Tel. +43 (0)316 380-5605
E-Mail: clemens.kuepper@uni-graz.at

Mag. Gudrun Pichler | Karl-Franzens-Universität Graz

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