Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlafende Viren – alles eine Frage des Gleichgewichts

07.06.2010
Was veranlasst Viren, sich entweder massiv zu vermehren oder sich ruhend „wie ein Wolf im Schafspelz“ im Gewebe zu verstecken und in einem so genannten latenten Zustand zu verharren?

Forscher des Hamburger Heinrich-Pette-Instituts konnten jetzt nach mehrjähriger Forschung detaillierte Antworten darauf geben. Sie untersuchten das Karposi Sarcom-assoziierte Herpesvirus (KSHV) - ein Herpesvirus, das an der Entstehung bösartiger Tumore bei AIDS-Patienten beteiligt ist.

Thomas Günther und Adam Grundhoff veröffentlichten ihre aktuelle Studie jetzt in der renommierten Fachzeitschrift PLoS-Pathogen (1). „Im schlafenden, latenten Zustand legen Herpesviren fast das gesamte Erbgut still und es werden keine neuen Viren gebildet. So kann sich ein Herpesvirus lebenslang im Körper verstecken. Sobald infizierte Körperzellen jedoch gestresst sind, z.B. durch starke Strahlenbelastungen oder zusätzliche Infektionen, wird es den Viren darin zu ungemütlich und sie schalten das volle Programm wieder an. Die Folge: Herpesviren vermehren sich, können erneut streuen und weitere Zellen infizieren.“, erläutert Grundhoff. Dieses Phänomen ist auch bei Herpes Simplex Viren und ihren typischen aufblühenden Herpesbläschen am Mund bekannt.

Grundhoff und Günther entdeckten, dass Karposi Sarcom-assoziierte Herpesviren einen ausgeklügelten mehrschichtigen Kontrollmechanismus zur Steuerung ihrer Latenz nutzen, der normalerweise in den Stammzellen unseres Körpers angestoßen wird, sobald diese in bestimmte Zelltypen ausreifen. „Auch das KSHV-Erbgut befindet sich in einem fein ausbalancierten Gleichgewicht, das jederzeit in eine Richtung ausschlagen kann – zwischen Wachen und Schlafen. „Herpesviren nutzen diese Mechanismen gezielt aus, um die Aktivität ihrer Gene zu steuern - eine perfekte Anpassung an die menschliche Wirtszelle“, so das Forscher-Team.

Dieses Gleichgewicht ist sehr sensibel und wird durch hochkomplexe Muster am Erbgut gesteuert. Sie heißen epigenetische Modifikationsmuster. Darunter verstehen Genetiker zahlreiche biochemische Veränderungen - sowohl am Erbgut selbst, wie auch an dessen Verpackungsproteinen. Den HPI-Forschern gelang es jetzt erstmals, diese Muster zu entschlüsseln. Daüber hinaus entdeckten sie neue bisher unbekannte Bereiche im KSHV-Erbgut, die bei der Latenz eine Rolle spielen könnten. „Das ist auch deswegen so wichtig, weil latente Viren an der Krebsentstehung beteiligt sind und wir diese Mechanismen verstehen und ihnen letztendlich auch entgegenwirken wollen“, so Grundhoff.

(1)Publikation: Günther T, Grundhoff A (2010) The Epigenetic Landscape of Latent Kaposi Sarcoma-Associated Herpesvirus Genomes. PLoS Pathog 6(6): e1000935. doi:10.1371/journal.ppat.1000935

Weitere Informationen: Dr. Adam Grundhoff, HPI; E-Mail: adam.grundhoff@hpi.uni-hamburg.de

Zum Heinrich-Pette-Institut:
Das in Hamburg ansässige Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie (HPI) widmet sich seit 60 Jahren der Erforschung humaner Viren, der Pathogenese viraler Infektionen, der Wechselwirkung zwischen Viren und dem Wirt sowie damit zusammenhängender Probleme. Am HPI erforschen etwa 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein breites Spektrum global bedeutsamer Viren, wie HIV, Hepatitis B und C Viren, Herpesviren, Influenzaviren sowie verschiedene Tumorviren und Leukämie-assoziierte Viren.Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Dr. Angela Homfeld | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Blut dank neuer Technik
14.12.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Neue Chancen für den Tierschutz: Effizientes Testverfahren zum Betäubungsmittel-Einsatz bei Fischen
14.12.2018 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

Show Time für digitale Medizin-Innovationen

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Cohesin treibt die Alterung von Blutstammzellen voran

14.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics