Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sauerstoffmangel: Genvariante schützt vor Lungenhochdruck

24.11.2014

Wichtiger Schritt für die personalisierte Medizin an der TU Braunschweig

Ein internationales Forscherteam konnte unter Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Technischen Universität Braunschweig wichtige Ergebnisse für die Behandlung des Lungenhochdrucks erzielen.


Prof. Dr. med. Sönke Behrends

Foto: Privat

Bei Untersuchungen im zentralasiatischen Pamir-Gebirge fanden sie heraus, dass Teile der dort ansässigen kirgisischen Volksgruppe vor der lebensbedrohlichen Erkrankung durch einen genetischen Vorteil geschützt sind. Ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf kann auch hierzulande entstehen und zu Herzschwäche und Herzversagen führen.

Von ihren aktuellen Forschungsergebnissen erhoffen sich die Braunschweiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse für die Entwicklung einer auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen personalisierten Medizin.

Lungenhochdruck: nicht nur im Hochgebirge ein Problem

Bei Untersuchungen der im Pamir-Gebirge ansässigen kirgisischen Volksgruppe hat ein internationales Team Forschungsergebnisse erhalten, die zu einem besseren Verständnis des lebensbedrohlichen Lungenhochdrucks beitragen. Als Folge von Lungenerkrankungen kann der erhöhte Blutdruck im Lungenkreislauf zu Herzversagen führen, erklärt Prof. Sönke Behrends vom Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie der Technischen Universität Braunschweig.

„Erhalten Teile der Lunge zu wenig Sauerstoff, reagiert der Körper dort mit einer Verengung der Blutgefäße, um zu verhindern, dass das sauerstoffarme Blut in den Körperkreislauf gelangt. Solange andere Abschnitte der Lunge ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind, ist das ein sinnvoller Mechanismus. Wenn aber die ganze Lunge zu wenig Sauerstoff erhält, wird es problematisch. Dann verengen sich alle Blutgefäße in der Lunge und das Herz kann schweren Schaden nehmen“, erläutert der Braunschweiger Pharmakologe.

Genvariante schützt vor lebensbedrohlicher Krankheit

Laut der aktuellen Studie weist ein Teil der untersuchten Kirgisen eine natürliche Genvariante auf, die sie vor den Folgen des Lungenhochdrucks schützt. Damit seien sie für einen körpereigenen Botenstoff besonders empfindlich, der für die Erweiterung der Blutgefäße in der Lunge zuständig ist, erläutert Prof. Behrends. Für die Entdeckung der Wirkungsweise dieses Botenstoffes wurden 1998 drei amerikanische Forscher mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. „Nun sehen wir, dass Unterschiede im Erbgut die Effizienz dieses Botenstoffes erhöhen können. Der entschlüsselte Genabschnitt beeinflusst den Angriffspunkt für ein neuartiges Medikament gegen den Lungenhochdruck, das seit April dieses Jahres auch in Deutschland erhältlich ist“, freut sich Behrends über das Ergebnis.

Wichtiger Schritt für die personalisierte Medizin

Die Braunschweiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Behrends versprechen sich von den Ergebnissen daher auch bessere Möglichkeiten zur Behandlung des Lungenhochdruckes. Denn bisher gibt es nur wenige Therapiemöglichkeiten für die lebensbedrohliche Erkrankung. „Die Unterschiede im Erbgut ergeben einen neuen Ansatzpunkt für eine auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Therapie.

Statt Medikamente einfach auszuprobieren, kann eine genetische Analyse des Angriffspunktes oft richtige Voraussagen über die Wirksamkeit machen.“ erklärt Prof. Behrends abschließend. Die sogenannte Personalisierte Medizin ist ein wichtiger Schwerpunkt des im Mai 2012 gegründeten Zentrums für Pharmaverfahrenstechnik (PVZ) der Technischen Universität Braunschweig, zu deren Gründungsmitgliedern Prof. Behrends gehört.

Zur Publikation
Die Publikation wird in der Ausgabe Dezember 2014 der Fachzeitschrift Circulation: Cardiovascular Genetics der Amerikanischen Herzgesellschaft erscheinen. The α1-A680T Variant in GUCY1A3 as a Candidate Conferring Protection from Pulmonary Hypertension among Kyrgyz Highlanders. Circ Cardiovasc Genet. 2014; published online before print November 4 2014 / DOI: 10.1161/CIRCGENETICS.114.000763

Zum Forschungsprojekt
Die Studie wurde von einem internationalen Team aus Forscherinnen und Forschern des Imperial College London, der TU Braunschweig, dem Scripps Institute Kalifornien und dem Pharmaunternehmen Bayer durchgeführt. Der Projektbeitrag des Instituts für Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie der Technischen Universität Braunschweig basiert auf einer langjährigen Forschungstätigkeit von Prof. Sönke Behrends zur Stickstoffmonoxid-sensitiven Guanylat-Zyklase und wurde durch Eigenmittel ermöglicht.

Kontakt
Prof. Dr Sönke Behrends
Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie
Technische Universität Braunschweig
Mendelssohnstr. 1
38106 Braunschweig
Telefon: 0531/391-5665
E-Mail: pharmakol@tu-braunschweig.de
http://www.tu-braunschweig.de/ipt


Weitere Informationen:

http://blogs.tu-braunschweig.de/presseinformationen/?p=7639

Stephan Nachtigall | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics