Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesen-Weberknecht bleibt vorerst namenlos - Spinnenforscher entdeckt in Laos Tier-Giganten

16.10.2012
Ein Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt hat einen Weberknecht mit einer Beinspannweite von über 33 Zentimetern entdeckt. Das während einer Forschungsreise in Laos gefundene Tier ist einer der größten Vertreter seiner Gattung. Die systematische Bestimmung der Art scheiterte bisher an fehlenden Experten.

Eigentlich war Dr. Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut für Filmaufnahmen einer großen Fernsehproduktion im April nach Laos gereist. „In den Drehpausen habe ich in den Höhlen der südlichen Provinz Khammouan Spinnentiere gesammelt“, erzählt der Frankfurter Arachnologe. Dabei machte er einen sensationellen Fund: „Ich entdeckte in einer der Höhlen einen Weberknecht mit enormen Ausmaßen.“


Dieser Weberknecht hat besonders lange Beine – die Spannweite misst über 33 Zentimeter!

© Senckenberg


Keinen Artnamen, aber dennoch in großer Gesellschaft – der Weberknecht ist nur einer von vielen großwüchsigen Gliederfüßern in Laos.

© Senckenberg

Die Beinspannweite des Riesen-Weberknecht-Männchens beträgt über 33 Zentimeter und ist somit einer der weltgrößten Weberknechte. Der bisherige Rekord liegt bei etwas mehr als 34 Zentimetern Beinspannweite einer Art aus Südamerika.

Zunächst schlummerte der Fund zwischen anderen Tieren und wurde erst beim Sortieren und Etikettieren als einmalig erkannt.

„Bei dem Versuch, das Tier systematisch zu bestimmen und ihm einen wissenschaftlichen Namen zuzuordnen, stieß ich aber schnell an meine Grenzen“, sagt Jäger. Der Frankfurter Wissenschaftler beschäftigt sich überwiegend mit Riesenkrabbenspinnen – Weberknechte gehören nicht zu seinem Spezialgebiet. Auch die herbeigerufene Spezialistin, Dr. Ana Lucia Tourinho vom National Institute for Research of the Amazon (INPA) im brasilianischen Manaus, die zurzeit im Labor des Senckenberger Arachnologen gastiert, konnte nur feststellen, dass es sich wahrscheinlich um die Gattung Gagrella der Familie der Sclerosomatidae handelt.

„Es ist schade, dass wir so einen besonderen Fund nicht befriedigend – das heißt bis zur Art – identifizieren können“, meint Jäger, „diese und verwandte Gattungen aus China und dem angrenzenden Südostasien sind bisher unbearbeitet. Spezialisten fehlen auch aufgrund der Tatsache, dass beschreibende Taxonomen nicht mehr im Hauptfokus der Wissenschaftsförderung stehen.“

Dabei bergen die Weberknechte der Familie der Sclerosomatidae ein unschätzbares Potential: Vertreter sind in fast allen Habitaten zu finden und bilden eine ökologisch höchst wichtige Räuber-Gruppe in der natürlichen Nahrungskette.
Sie könnten als Indikator für den ökologischen Zustand von Natur- und Kulturlandschaften eingesetzt werden. Auch für Verhaltensforscher und Evolutionsbiologen sind die langbeinigen Tiere interessant: Zum Beispiel präsentiert das Männchen dem Weibchen während der Balz ein Braut-Geschenk, welches seine Fitness signalisieren soll. Erst nach Akzeptanz durch das Weibchen kommt es zur Paarung.

Der Senckenberger Spinnenforscher möchte nun mit seiner brasilianischen Kollegin und in Kooperation mit weiteren Forschern in Deutschland, China und Japan die Familie der Sclerosomatidae in einer Fallstudie mit herkömmlichen und molekularen Methoden eingehend untersuchen. Die Ergebnisse sollen dann auf andere Gruppen und Regionen übertragbar sein. „Wir möchten verhindern, dass in Zukunft erneut Experten zur Bestimmung solch einzigartiger Tiere fehlen“, erläutert Jäger.

Laos entpuppt sich derweil als wahres Land der Giganten: In derselben Region wurden zuvor andere Gliederfüßer mit ähnlich großen Ausmaßen gefunden: die Laotische Riesenkrabbenspinne Heteropoda maxima mit bis zu 30 Zentimetern Beinspannweite, der Geißelskorpion Typopeltis magnificus mit einer Spannweite von 26 Zentimetern und der räuberische Hundertfüßer Thereuopoda longicornis mit einer Gesamtspannweite von fast 40 Zentimetern.

Alle dieser Organismen sind mehr oder weniger an Höhlen und die für Karstgebiete typischen Kalksteine gebunden. „Welche Mechanismen oder Faktoren für diese Häufung des Riesenwuchses verantwortlich sind, ist noch unklar“, erklärt Jäger. Eine Erklärungsmöglichkeit ist das potentiell langsamere Wachstum in den Höhlen. Sicher scheint aber nur, dass es ein Limit für das Wachstum gibt – entweder durch die fehlende Sauerstoffversorgung in den Extremitäten oder weil lange Beine auf der Flucht oder beim Beutefang nicht mehr genügend schnell bewegt werden können.
In jedem Fall bietet Laos genug Potential, um Großes zu entdecken!

Kontakt
Dr. Peter Jäger
Senckenberg Forschungsinstitut
Sektion Arachnologie
Tel. 069 7542 1340 peter.jaeger@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de
Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit dem molekularen „Staubsauger“ gegen Blutarmut bei Altersleukämie: Neues Medikament erfolgreich getestet
20.01.2020 | Universität Leipzig

nachricht Mit „Kmasker plants“ Genomsequenzen einfacher bearbeiten
20.01.2020 | Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen

Europäische Union fördert Forschungsprojekt „PredActin“ mit 1,2 Millionen Euro

Aktin ist ein wichtiges Strukturprotein in unserem Körper. Als Hauptbestandteil des Zellgerüstes sorgt es etwa dafür, dass unsere Zellen eine stabile Form...

Im Focus: Programmable nests for cells

KIT researchers develop novel composites of DNA, silica particles, and carbon nanotubes -- Properties can be tailored to various applications

Using DNA, smallest silica particles, and carbon nanotubes, researchers of Karlsruhe Institute of Technology (KIT) developed novel programmable materials....

Im Focus: Miniatur-Doppelverglasung: Wärmeisolierendes und gleichzeitig wärmeleitendes Material entwickelt

Styropor oder Kupfer – beide Materialien weisen stark unterschiedliche Eigenschaften auf, was ihre Fähigkeit betrifft, Wärme zu leiten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz und der Universität Bayreuth haben nun gemeinsam ein neuartiges, extrem dünnes und transparentes Material entwickelt und charakterisiert, welches richtungsabhängig unterschiedliche Wärmeleiteigenschaften aufweist. Während es in einer Richtung extrem gut Wärme leiten kann, zeigt es in der anderen Richtung gute Wärmeisolation.

Wärmeisolation und Wärmeleitung spielen in unserem Alltag eine entscheidende Rolle – angefangen von Computerprozessoren, bei denen es wichtig ist, Wärme...

Im Focus: Miniature double glazing: Material developed which is heat-insulating and heat-conducting at the same time

Styrofoam or copper - both materials have very different properties with regard to their ability to conduct heat. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz and the University of Bayreuth have now jointly developed and characterized a novel, extremely thin and transparent material that has different thermal conduction properties depending on the direction. While it can conduct heat extremely well in one direction, it shows good thermal insulation in the other direction.

Thermal insulation and thermal conduction play a crucial role in our everyday lives - from computer processors, where it is important to dissipate heat as...

Im Focus: Fraunhofer IAF errichtet ein Applikationslabor für Quantensensorik

Um den Transfer von Forschungsentwicklungen aus dem Bereich der Quantensensorik in industrielle Anwendungen voranzubringen, entsteht am Fraunhofer IAF ein Applikationslabor. Damit sollen interessierte Unternehmen und insbesondere regionale KMU sowie Start-ups die Möglichkeit erhalten, das Innovationspotenzial von Quantensensoren für ihre spezifischen Anforderungen zu evaluieren. Sowohl das Land Baden-Württemberg als auch die Fraunhofer-Gesellschaft fördern das auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit jeweils einer Million Euro.

Das Applikationslabor wird im Rahmen des Fraunhofer-Leitprojekts »QMag«, kurz für Quantenmagnetometrie, errichtet. In dem Projekt entwickeln Forschende von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Tagung Kraftwerk Batterie - Advanced Battery Power Conference am 24-25. März 2020 in Münster/Germany

16.01.2020 | Veranstaltungen

Leben auf dem Mars: Woher kommt das Methan?

16.01.2020 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2020

16.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Schneidkopf beschleunigt die Wartung von Hochdruckwasserstrahl-Anlagen und senkt Kosten

20.01.2020 | Maschinenbau

Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen

20.01.2020 | Medizin Gesundheit

Plättchen statt Kügelchen machen Bildschirme sparsam

20.01.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics