Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radioaktive Moleküle für die Diagnose und Therapie von Krankheiten

11.05.2017

Im Mittelpunkt des „Internationalen Symposiums der radiopharmazeutischen Wissenschaften“, an dem vom 14. bis zum 19. Mai 2017 in Dresden mehr als 800 Wissenschaftler teilnehmen, stehen neue, radioaktiv markierte Substanzen. Diese sollen dabei helfen, Krebserkrankungen besser zu diagnostizieren und in Zukunft auch wirksam zu therapieren. Ein weiterer Fokus liegt auf der Diagnose von neurodegenerativen, neuropsychiatrischen oder entzündlichen Krankheiten. Organisator vor Ort ist das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR).

Im zweijährigen Rhythmus lädt die internationale „Gesellschaft der Radiopharmazeutischen Wissenschaften“ (Society of Radiopharmaceutical Sciences – SRS) zum großen Expertentreffen ein, wobei der Austragungsort zwischen Asien, Nordamerika und Europa wechselt.


Das HZDR stellt radioaktive Arzneimittel nach GMP-Richtlinien (GMP = Good Manufacturing Practice) her. Das neue Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung erweitert die Möglichkeiten.

HZDR / R. Weisflog

„Die Konkurrenz um die Austragung der bedeutendsten Konferenz unseres Fachgebiets war hoch und wir sind stolz darauf, dass sich Dresden auch gegen Wien und Kopenhagen durchsetzen konnte“, so Professor Jörg Steinbach, diesjähriger Konferenz-Präsident und Direktor des Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung am HZDR. Eine Woche lang stellen Radiopharmazeuten, Chemiker und Biowissenschaftler – viele von ihnen aus Europa, den USA, Kanada, Korea, China und Japan – ihre neuesten Ergebnisse zur Diskussion.

Die Schwerpunkte liegen einerseits auf der Entwicklung von radioaktiven Sonden für eine verbesserte Bildgebung in der Onkologie sowie in den Neurowissenschaften und andererseits auf neuen therapeutischen Ansätzen mithilfe von radioaktiv markierten Substanzen.

Gerade für Volkskrankheiten wie Krebs oder Alzheimer haben sich in den letzten Jahren neue diagnostische Möglichkeiten aufgetan. „Vor allem im Kampf gegen Krebs wäre es ideal, wenn wir mit ein und derselben Substanz die Tumorzellen im Körper aufspüren und vernichten könnten. Diesen Ansatz nennen wir Theranostik, zusammengesetzt aus Therapie und Diagnostik“, erläutert der Radiochemiker Steinbach.

Internationaler Trend: Theranostik

Die Idee: Ein radioaktiv markiertes Molekül wandert im Körper ganz gezielt zum Krebsherd oder zu den Metastasen und dockt dort an. Als spezielle Sonde für die Bildgebung trägt dieses Molekül zum Beispiel radioaktives Fluor oder radioaktives Gallium. Von außen lässt sich die Verteilung solcher Sonden mithilfe der Positronen-Emissions-Tomographie messen und im Bild darstellen – damit ist eine genaue funktionelle Diagnose möglich. Genau das gleiche Molekül, allerdings mit einem therapeutisch wirksamen Radionuklid versehen, kann dann die Krebszellen im Körperinneren abtöten – an solchen Entwicklungen arbeiten die Radiopharmazeuten weltweit.

Ein jüngstes Beispiel: Für Patienten mit Prostatakrebs hat der theranostische Ansatz bereits klinische Relevanz. PSMA ist ein Oberflächen-Protein, das auf Krebszellen der Prostata vorkommt. Die Abkürzung steht für „Prostata-spezifisches Membran-Antigen“. Hier ist es gelungen, einen PSMA-Liganden herzustellen, also eine Substanz, die aus einer PSMA-bindenden Einheit besteht. Diese wurde so verändert, dass Radionuklide daran binden können, etwa Gallium-68 und Fluor-18 – für die Bildgebung geeignet – oder Lutetium-177 und Yttrium-90 für den therapeutischen Einsatz.

So zerstört das radioaktive Metall Lutetium-177 mit einer Reichweite von etwa einem Millimeter die Tumorzellen direkt vor Ort im Körper. Federführend sind hier die Radiopharmazeuten am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg – es gehört, wie das HZDR, zur Helmholtz-Gemeinschaft. Da Studien zeigen, dass bei manchen Patienten die interne Bestrahlung mit dem radioaktiv markierten PSMA-Liganden nur unzureichend den Tumor zerstört, ist es wichtig, die zugrundeliegenden Mechanismen noch viel besser zu verstehen.

Ziel der Theranostik ist es, für jeden individuellen Patienten die richtige Therapie anbieten zu können. Radioaktiv markierte Substanzen (Radiotracer) spielen hier eine wichtige Rolle. Mit ihnen lassen sich gerade in der Onkologie funktionelle Diagnosen absichern und wertvolle Informationen auch über den Therapieverlauf gewinnen – und das ohne operativen Eingriff. Deshalb arbeiten radiopharmazeutisch ausgerichtete Forschergruppen weltweit an neuen Radiotracern zur genaueren Charakterisierung von Tumoren.

Im Fokus stehen aber auch Radiotracer für eine Reihe neurodegenerativer, neuropsychiatrischer oder entzündlicher Erkrankungen. Ein anderer Zweig der Radiopharmazie beschäftigt sich mit kardiologischen Fragestellungen – dies spiegelt eine regional unterschiedliche Schwerpunktsetzung in den weltweit arbeitenden Arbeitsgruppen wider. Mit zwei weiteren Themengebieten der Konferenz – seltene Tumorarten und Nanopartikel für die Bildgebung – beschäftigen sich auch Forscher am HZDR.

Während die Arbeiten zu Nanopartikeln noch weit von der klinischen Anwendung entfernt sind, sollen spezifische radioaktive Sonden für seltene Tumore möglichst schnell den betroffenen Patienten zugutekommen. Damit dies gelingt, arbeiten die Radiopharmazeuten des HZDR eng mit der Dresdner Hochschulmedizin im gemeinsam getragenen OncoRay-Zentrum sowie mit dem neuen Partner DKFZ im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden zusammen.

Dass der Radiopharmazie-Kongress in Dresden mit über 550 eingereichten Beiträgen und über 800 Teilnehmern eine Rekordbeteiligung zu verzeichnen hat, freut die Organisatoren am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Unterstützt werden der Präsident Prof. Jörg Steinbach und der Koordinator der Konferenz, Dr. Constantin Mamat, im lokalen wissenschaftlichen Komitee von Kollegen des Helmholtz-Zentrums, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus und der Firma ABX GmbH aus Radeberg. Begleitet wird die Konferenz durch die Teilnahme weltweit operierender Firmen im Rahmen einer Industrieausstellung. Daran sind auch Firmen auf dem Gebiet der Radiopharmazie, Bildgebung und dem nuklearmedizinischen Bereich aus der Region beteiligt, zum Beispiel ABX GmbH, ROTOP Pharmaka GmbH und Isotope Technologies Dresden GmbH.

Weitere Informationen:
Prof. Jörg Steinbach | Dr. habil. Constantin Mamat
Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung am HZDR
Tel. +49 351 260-3170 | -2805
E-Mail: j.steinbach@hzdr.de | c.mamat@hzdr.de

Medienkontakt:
Dr. Christine Bohnet | Pressesprecherin und Leitung HZDR-Kommunikation
Tel. +49 351 260-2450 | E-Mail: c.bohnet@hzdr.de
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf | Bautzner Landstr. 400 | 01328 Dresden

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Energie, Gesundheit und Materie. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, hat fünf Standorte (Dresden, Freiberg, Grenoble, Hamburg, Leipzig) und beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter – davon etwa 500 Wissenschaftler inklusive 150 Doktoranden.

Weitere Informationen:

https://www.hzdr.de/presse/radiopharmazie

Dr. Christine Bohnet | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics