Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Gentest" für Pilze

23.04.2010
Mykologin der Universität Jena gibt neues Lehrbuch zur Pilzbestimmung heraus

Mit einem "genetischen Fingerabdruck" lassen sich nicht nur Straftäter überführen, die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Erbkrankheiten ermitteln oder unsichere verwandtschaftliche Verhältnisse klären.

"Mit ,Gentests' lassen sich auch Pilze bestimmen", sagt PD Dr. Kerstin Voigt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Leiterin des Pilz-Referenz-Zentrums hat jetzt gemeinsam mit ihrem Kollegen Youssuf Gherbawy von der saudi-arabischen Taif University ein Lehrbuch zur molekularbiologischen Pilzbestimmung herausgegeben.

Bei der aktuellen Neuerscheinung "Molecular Identification of Fungi" handelt es sich jedoch nicht um eine Bestimmungshilfe für den Pilzsammler bei seinem nächsten Waldspaziergang. "Uns geht es um mikroskopische Pilze, zum Beispiel Schimmel- oder Hefepilze", macht Dr. Voigt deutlich. Diese Mikroben spielen in der Medizin als Krankheitserreger, aber auch in der Land- und Forstwirtschaft als Lagerungsschädlinge eine wichtige Rolle. Schimmelpilze etwa, die Roggen, Gerste oder Weizen befallen, produzieren Mykotoxine, die bereits in geringer Konzentration Vergiftungserscheinungen hervorrufen können.

"In jüngster Zeit hat sich das Methodenspektrum zur Bestimmung dieser Keime grundlegend gewandelt", erläutert die Jenaer Pilzexpertin. Während noch bis vor kurzem die Pilzdiagnostik weitestgehend wie zu Zeiten Robert Kochs ablief, haben mittlerweile molekularbiologische Methoden auch in die mykologischen Labore Einzug gehalten. "In unserem Buch versuchen wir, diese neuen Methoden prägnant und in ihrer gesamten Bandbreite darzustellen", erläutert Mitherausgeberin Voigt. So stellen sämtliche der insgesamt 20 Beiträge des über 500-seitigen Werkes neue, innovative Verfahren der Pilzdiagnostik vor. Das Spektrum reicht dabei von Methoden zum Nachweis von Pilzen als Pflanzen-pathogene und Umweltschädlinge bis hin zu mykologischen Krankheitserregern des Menschen und klinischen Aspekten. Gedacht ist das Lehrbuch für Wissenschaftler - vom Human- über Tier- bis zum Pflanzenmediziner - ebenso für Studierende und fortgeschrittene Hobby-Mykologen.

Schimmel- und Hefepilze, so vermittelt das englischsprachige Nachschlagewerk, werden heute zumeist über ihre Erbsubstanz - die DNA - identifiziert. Der Nachweis des spezifischen DNA-Profils bietet wesentliche Vorteile. So weist ein solcher "genetischer Fingerabdruck" in der Regel nach spätestens acht Stunden eindeutig nach, ob und welcher Pilz in der untersuchten Probe vorkommt. Bisherige Verfahren waren dagegen oftmals langwierig und nicht immer präzise. "Das Problem liegt darin, dass wir den Pilz erst einmal aufspüren müssen", erläutert die Jenaer Expertin. Meist liegen Pilze nur in Form von "Myzel" vor. Dieses dünne Geflecht aus langen fadenförmigen Zellen ist für das menschliche Auge in der Regel unsichtbar. Bisher bedeutete das, dass die Forscher ihre Proben zunächst auf einen Nährboden ausbringen mussten. Es folgte teilweise wochenlanges Warten darauf, dass der Pilz wächst und man ihn mittels Mikroskop und bestimmter Färbetechniken identifizieren konnte. "Gerade in der klinischen Diagnostik sind solche Verfahren denkbar ungeeignet", macht Kerstin Voigt deutlich, "wenn es beispielsweise darum geht, schwerkranke Sepsispatienten zu behandeln, bei denen eine Pilzinfektion vermutet wird und eine unverzügliche Therapie eine rasche Diagnostik des Erregers erfordert. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, den es im Sinne des Patienten zu gewinnen gilt."

Bibliographische Angaben:
Youssuf Gherbawy, Kerstin Voigt (Hg.): "Molecular Identification of Fungi", Springer Verlag Heidelberg 2010, 501 Seiten, Preis 181,85 Euro, ISBN: 978-3-642-05041-1
Kontakt:
PD Dr. Kerstin Voigt
Pilz-Referenz-Zentrum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Neugasse 25
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949321
E-Mail: kerstin.voigt[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Tuberkulose: Neue Einblicke in den Erreger
10.10.2019 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Nanostrukturen helfen, die Haftung von Krankenhauskeimen zu reduzieren
10.10.2019 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics