Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proteine in 3D

09.02.2010
Am Max-Planck-Institut für Biophysik wird ein europaweit einmaliges "Core Center" eröffnet

Die Proteine biologischer Membranen sind an fast allen lebensnotwendigen Vorgängen in Zellen beteiligt. Neue Untersuchungsmethoden ermöglichen dabei faszinierende Einblicke in die dreidimensionale Struktur dieser Proteine. Am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main steht Wissenschaftlern nun ein hochmodernes Zentrum zur Verfügung, in dem die Struktur und die Funktionsweise von Membranproteinen untersucht werden kann. Das "Core Center for Membrane Proteins" kann von Wissenschaftlern aus ganz Europa genutzt werden. Zur Eröffnung des Zentrums und der Inbetriebnahme der Kristallisationsanlage findet am Montag, dem 15. Februar 2010 um 13 Uhr, eine Pressekonferenz mit anschließender Führung statt.


Proteinkristalle
Bild: Max-Planck-Gesellschaft

Die Liste der Aufgaben von Membranproteinen ist lang: So stellen sie durch Verbrennung von Nahrungsstoffen die Energie für alle anderen Lebensvorgänge in den Körperzellen bereit. Im Gehirn sind sie unter anderem für die Fortleitung von Nervenimpulsen und den Transport von Botenstoffen zuständig, im Herz regulieren sie die Schlagfrequenz und in den Nieren die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und die Wiederaufnahme von Wasser. Besonders wichtig ist, dass Membranproteine bei der Kommunikation zwischen Zellen eine essentielle Funktion haben. Sie sind deshalb auch die Rezeptoren für alle Arten von Signalen und Angriffspunkte für die meisten Medikamente. Deshalb wollen Wissenschaftler die räumliche Struktur dieser Proteine möglichst genau kennen, denn so lassen sich neue Wirkstoffe gezielt mittels drug design entwickeln.

Um die Struktur aufklären zu können, müssen winzige Mengen an Protein in Kristallform gebracht und mit Hilfe von Röntgenstrahlen untersucht werden. Das so genannte "Core Center G" in Frankfurt umfasst eine vollautomatisierte Kristallisationsanlage für die Kristallisation im Nanoliter-Maßstab, zwei Massenspektrometer, zwei Röntgendiffraktometer und ein Kalorimeter. Die Kristallisationsanlage ist nun als Kernstück des Zentrums installiert. Sie wird die Herstellung und Optimierung der Kristalle und die anschließende Strukturanalyse entscheidend beschleunigen. Für einen Kristallisationsansatz genügen 100 Nanoliter (Milliardstel Liter) Proteinlösung. Mit den Massenspektrometern können die Forscher die Masse einzelner Moleküle mit einer Genauigkeit von 10-25 Gramm messen und so bislang unbekannte Proteine identifizieren. Außerdem lassen sich Protein-Modifikationen untersuchen und unterschiedlich regulierte Proteine in komplexen Mischungen analysieren. Mit dem Kalorimeter können die Wissenschaftler die Stabilität der Membranproteine untersuchen, die stark von andockenden Substanzen und den Umgebungsbedingungen, wie z. B. dem verwendeten Lösungsmittel, abhängt.

"Mit dieser europaweit einmaligen Ausstattung können wir die vielfältigen Funktionen von Membranproteinen deutlich genauer und schneller untersuchen als bisher. Der Aufbau des Core Centers in der Science City Frankfurt-Riedberg ist damit eine Stärkung für den Forschungsstandort Deutschland", betont Professor Hartmut Michel, Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysik. Der Aufbau des Zentrums wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der EU (ESFRI - European Strategy Forum on Research Infrastructures; INSTRUCT - Integrated Structural Biology Infrastructure for Europe) und aus zentralen Mitteln der Max-Planck-Gesellschaft gefördert. Das Max-Planck-Institut für Biophysik pflegt die Infrastruktur, stellt das Personal und sichert so den laufenden Betrieb.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Brigitte Holfelder (Presse- und Öffentlichkeit)
Max-Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 6303-3020
E-Mail: brigitte.holfelder@biophys.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Biochemie-Absolvent der Universität Bayreuth hat Antigen für hochspezifischen Corona-Antikörpertest entwickelt
22.05.2020 | Universität Bayreuth

nachricht Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird
22.05.2020 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Im Focus: When predictions of theoretical chemists become reality

Thomas Heine, Professor of Theoretical Chemistry at TU Dresden, together with his team, first predicted a topological 2D polymer in 2019. Only one year later, an international team led by Italian researchers was able to synthesize these materials and experimentally prove their topological properties. For the renowned journal Nature Materials, this was the occasion to invite Thomas Heine to a News and Views article, which was published this week. Under the title "Making 2D Topological Polymers a reality" Prof. Heine describes how his theory became a reality.

Ultrathin materials are extremely interesting as building blocks for next generation nano electronic devices, as it is much easier to make circuits and other...

Im Focus: Mikroroboter rollt tief ins Innere des Körpers

Mit einem Leukozyten als Vorbild haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart einen Mikroroboter entwickelt, der in Größe, Form und Bewegungsfähigkeit einem weißen Blutkörperchen gleicht. In einem Labor simulierten sie dann ein Blutgefäß – und es gelang ihnen, den Mikroroller durch diese dynamische und dichte Umgebung zu steuern. Der Roboter hielt dem simulierten Blutfluss stand und brachte damit das Forschungsgebiet rund um die zielgenaue Medikamentenabgabe einen Schritt weiter: Es gibt keinen besseren Zugangsweg zu allen Geweben und Organen im menschlichen Körper als den Blutkreislauf.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart haben einen winzigen Mikroroboter entwickelt, der einem weißen...

Im Focus: Rolling into the deep

Scientists took a leukocyte as the blueprint and developed a microrobot that has the size, shape and moving capabilities of a white blood cell. Simulating a blood vessel in a laboratory setting, they succeeded in magnetically navigating the ball-shaped microroller through this dynamic and dense environment. The drug-delivery vehicle withstood the simulated blood flow, pushing the developments in targeted drug delivery a step further: inside the body, there is no better access route to all tissues and organs than the circulatory system. A robot that could actually travel through this finely woven web would revolutionize the minimally-invasive treatment of illnesses.

A team of scientists from the Max Planck Institute for Intelligent Systems (MPI-IS) in Stuttgart invented a tiny microrobot that resembles a white blood cell...

Im Focus: Schnüffel-Roboter als Katastrophenhelfer

Wo Menschenleben gefährdet sind, kommen künftig neuartige Roboter zum Einsatz, die an der TU Dresden entwickelt werden

Wissenschaftler an der TU Dresden arbeiten seit Juni 2019 an künstlichen Helfern, die in einem Katastrophengebiet Gefahren erkennen, beseitigen und somit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

Erfolgreiche Premiere für das »Electrochemical Cell Concepts Colloquium«

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Techniker Krankenkasse, EuPD Research und Handelsblatt starten Bewerbung für die Sonderpreise "Gesunde Hochschule" im Rahmen des Corporate Health Award 2020

22.05.2020 | Förderungen Preise

Werkstattbericht #1: Head Mounted Displays (HMDs) – Schwerpunktpositionen und Drehmomente

22.05.2020 | Informationstechnologie

Biochemie-Absolvent der Universität Bayreuth hat Antigen für hochspezifischen Corona-Antikörpertest entwickelt

22.05.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics