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Primatenforschung in Peru: Acht neue Arten und viel Aufbauarbeit

09.11.2011
Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum engagieren sich für die Erforschung und den Erhalt der Neuweltaffen in Südamerika

Peru ist ein landschaftlich sehr abwechslungsreiches Land, es besteht aus trockenen Küstenregionen, feucht-warmen Regenwäldern und kühlen Hochgebirgen. Insbesondere in den Regenwäldern des Amazonastieflandes hat sich eine einzigartige Vielfalt an Pflanzen und Tieren entwickelt.


Schwarzstirn-Braunrückentamarin (Saguinus nigrifrons). Diese Art wurde bisher nur als Unterart angesehen, stellt aber nach den am DPZ durchgeführten taxonomischen Überarbeitungen eine eigene Art dar. Mojca Stojan-Dolar / Deutsches Primatenzentrum GmbH

Hier untersuchen Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) seit mehr als 25 Jahren das Verhalten und die Ökologie von Neuweltaffen, seit 1997 sogar in einer ständig besetzten Forschungsstation, der „Estación Biológica Quebrada Blanco“. Allerdings ist Peru nicht nur ein sehr schönes, sondern auch ein sehr armes Land, in dem Hunger und Misswirtschaft herrschen und die Ausbeutung von Öl- und Gasreserven, illegale Jagd, Abholzung und Brandrodung die Natur in zunehmendem Maße bedrohen. Daher ist Eile geboten, wenn man das Leben der peruanischen Primaten studieren und wissenschaftliche fundierte Schutzkonzepte entwickeln möchte.

Ein Problem dabei ist, dass es in Peru nur wenige Primatenforscher gibt und dass diese zudem kaum vernetzt sind. Um dies zu ändern, hat das DPZ zusammen mit dem Naturhistorischen Museum in Lima ein Symposium zum Thema „Primatologie in Peru: Geschichte, Status und Perspektiven“ initiiert. Ende Oktober 2011 trafen sich in Lima 105 Primatologen überwiegend aus Peru, aber auch aus den Nachbarländern und aus Deutschland, um den Stand der Primatenforschung in Peru zu erörtern, um zukünftige Forschungsprojekte zu entwickeln und um Studierende in verschiedenen, für die Primatologie relevanten Forschungsmethoden auszubilden. Finanzielle Unterstützung kam vom Förderkreis des Deutschen Primatenzentrums e.V. Wichtigstes Ergebnis des Symposiums: In Peru kommen nicht wie bisher angenommen 37, sondern 45 verschiedene Primatenarten vor. Zu diesem Schluss kam eine von DPZ-Forscher Eckhard W. Heymann geleitete Expertenrunde, die sich mit taxonomischen Fragen beschäftigte. Verschiedene Wissenschaftler, darunter auch mehrere vom DPZ, haben „klassische“, auf dem äußeren Erscheinungsbild basierende Methoden mit modernen molekularbiologischen Verfahren kombiniert, um genetische Unterschiede zwischen Populationen zu analysieren und Arten zu identifizieren.

Im Rahmen des Symposiums fanden auch verschiedene Workshops statt, in denen peruanische Studierende im Einsatz von Methoden der ethologischen und ökologischen Beobachtung, der Populationsgenetik, der Bioakustik und des Einsatzes von GPS und Globalen Informationssystemen trainiert wurden. „Ich bin mit dem Verlauf des Symposiums hoch zufrieden und erwarte, dass die primatologische Forschung und der Schutz von Primaten in Peru durch dieses Symposium einen starken Schub erhalten haben“, sagte Eckhard W. Heymann.

Kontakt
Prof. Dr. Eckhard W. Heymann
Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie
Tel: +49 551 3851-123
E-Mail: eheyman@gwdg.de
Dr. Susanne Diederich (Stabsstelle Kommunikation)
Tel: +49 551 3851-359
E-Mail: sdiederich@dpz.eu
Die Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ) - Leibniz-Institut für Primatenforschung betreibt biologische und biomedizinische Forschung über und mit Primaten auf den Gebieten der Infektionsforschung, der Neurowissenschaften und der Primatenbiologie. Das DPZ unterhält vier Freilandforschungsstationen in den Tropen und ist Referenz- und Servicezentrum für alle Belange der Primatenforschung. Das DPZ ist eine der 87 Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Dr. Susanne Diederich | idw
Weitere Informationen:
http://www.dpz.eu/

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