Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plastik-Giftcocktails im Sediment: Start der 2. Forschungsexpedition am 8. September/12 Uhr

02.09.2015

Wissenschaftler/innen untersuchen derzeit mit Mikroplastik-Schadstoffsammlern, Satellitenaufnahmen und Spezialnetzen die Plastikvermüllung im Sediment der Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee. Auf einer zweiten Expedition Anfang September werden die drei Monate zuvor ausgelegten Probensammler zur Auswertung im Labor der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) wieder eingesammelt. Insgesamt umfasst die Tour 1025 Seemeilen, das entspricht in etwa 2.000 km.

Medienvertreter/innen können sich bei der Abfahrt zur zweiten Forschungsreise am Dienstag, den 8. September 2015 direkt an Bord mit Experten/innen der einzelnen Forschungseinrichtungen informieren und die Abfahrt zur zweiten Expedition zu begleiten. Bitte akkreditieren Sie sich bei: Frank.Schweikert@aldebaran.org oder katharina.jeorgakopulos@haw-hamburg.de Film- und Fotoaufnahmen und Mitschnitte sind willkommen.


Die Doktorandin Nora Niehaus mit den Sedimentproben

Foto: ALDEBARAN

„Die Suche nach Plastikmüll in Gewässern und Sedimenten ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, sagt Prof. Dr. habil. Gesine Witt von der HAW Hamburg, „da es bis heute kaum zuverlässige Informationen gibt, wo sich die unterschiedlich großen Teile nach ihrem Gebrauch im Gewässer oder im Sediment aufhalten“.

Delikat ist die Erkenntnis, dass sich die winzigen Plastikteile wie ein Magnet für Schadstoffe verhalten, je länger sie im Wasser herumtreiben. Auf ihrer Reise ins Meer binden sie deshalb einen wahren Giftcocktail an sich.

Mit 50 Probensammlern will das Team um Prof. Witt herausfinden, wie stark Mikroplastikteile in Sedimenten an der Nord- und Ostseeküste, Elbe, Weser, Trave und in den Boddengewässern bereits mit Giftstoffen belastet sind. Da diese Giftcocktails in die menschliche Nahrungskette gelangen, ist das Thema Plastikvermüllung und angelagerte Giftstoffe so brisant und beschäftigt Wissenschaftler/innen und Öffentlichkeit.

Gemeinsam mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) machte sich das Forschungsschiff ALDEBARAN vom Hamburger Hafen auf, um in der Elbe und den Küstengewässern Plastikmüllverunreinigungen aufzuspüren. Die Probensammler sind trinkbechergroße Kupfer-Gehäuse, die mit mikroskopisch kleinen Silikonfasern bestückt sind. Das Forschungsprojekt hat ein Volumen von mehr als 200.000 Euro und wird mit Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH), der HAW Hamburg, weiteren Drittmitteln, sowie einer Unterstützung durch das Forschungsschiff ALDEBARAN finanziert.

Begleitet wird das Forschungs-Team der HAW Hamburg um Prof. Dr. habil. Gesine Witt von Forschern/innen der Universität Bayreuth unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Laforsch, der Ludwig-Maximilian-Universität München und des Deutschen Geoforschungszentrums Potsdam.

Erstmalig soll mit Hilfe aktueller Satellitenaufnahmen in Flussmündungen herausgefunden werden, ob man mit Spektralkameras von Satelliten aus Mikroplastikfracht in Flüssen und Küstengewässern verfolgen kann. Zur Kalibrierung der Satellitendaten werden an Bord des segelnden Forschungsschiffes ALDEBARAN Gewässerproben mit Spezialnetzen genommen, die später auf ihre Mikroplastikkonzentration hin untersucht werden.

Das Forschungsschiff ALDEBARAN ist auf Flachwasserbereiche mit Taucheinsätzen spezialisiert und kann so in kurzer Zeit viele Probenstellen effektiv bearbeiten. Neben einer hochkarätigen wissenschaftlichen Ausrüstung verfügt die ALDEBARAN über ein Radiostudio um live und in bester Qualität aktuelle Informationen über die wissenschaftlichen Projekte von Bord zu senden. Die Mission des Schiffes und der darauf agierenden, kooperierenden Wissenschaftler/innen ist damit in Europa einmalig. Die wissenschaftlichen Ergebnisse landen nicht nur in Archiven und Fachzeitschriften, sondern sind der Öffentlichkeit direkt zugänglich.

Zum Hintergrund der Forschungsexpedition:

Fataler Kreislauf: Plastik kommt in Gewässern in ganz unterschiedlichen Größen vor, am drängendsten ist die Suche der Wissenschaftler nach Mikroplastik, das sind winzige Kunststoffteilchen kleiner als 5 mm, die mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen sind. Diese kleinsten Plastikpartikel entstehen aus achtlos entsorgtem Plastik, das vorwiegend durch Sonneneinstrahlung, Wind und Wellen verwittert und zerkleinert wird. Diese kleinen Bruchstücke lagern sich am und im Gewässerboden, dem so genannten Sediment, ab und werden dort mit der Nahrung von den Bodenbewohnern wie kleinen Würmern, Muscheln und Krabben gefressen und gelangen so auch auf unseren Tisch.

Reagieren biologische Organsimen auf den Giftcocktail? Ein Ziel der Untersuchungen von Prof. Witt ist die Ermittlung der Aufnahmekapazität von Mikroplastik für Giftstoffe. Mit Hilfe der Silikonsammler kann auch die Kapazität für andere Kunststoffe ermittelt werden – wie für das weltweit am häufigsten verwendete Polyethylen.

Um die Giftwirkung der vom Silikon gesammelten Schadstoffe zu testen, wird es anschließend in biologischen Testsystemen untersucht. Falls Bakterien, Algen oder Fischeier auf den Giftcocktail in den Silikonfasern reagieren, beispielsweise durch ein gehemmtes Wachstum oder Fehlbildungen, dann ist damit auch eine reale Bedrohung der marinen Umwelt und – durch die Nahrungskette – auch für den Menschen nachgewiesen.

Von Muscheln weiß man durch neuste Forschungsergebnisse inzwischen, dass sie kleinste Körnchen Polyethylen (PE) im Gewebe anreichern und diese dort Entzündungsreaktionen und Geschwüre verursachen. Diese Erkenntnis könnte auch für den Menschen gelten, jedoch gibt es dazu noch keine Untersuchungen. Als weitere Gefahr sammeln Plastikteilchen im Meer ähnlich wie ein Schwamm Schadstoffe, wie Dioxine oder PCBs. Diese Stoffe sind teilweise krebserregend und erbgutschädigend. Zudem enthalten viele Plastikteilchen von vorn herein giftige Stoffe, wie Weichmacher, die ähnlich wie Hormone wirken. All diese Schadstoffe können sich im Körper der Organismen wieder vom Kunststoff lösen und ihre schädigende Wirkung dort entfalten.

Mikroplastik könnte nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen für Menschen sogar wesentlich schädlicher sein als bisher angenommen, da es zusammen mit den an sich gebundenen Giftstoffen und Bakterien von den Meerestieren und auch vom Menschen direkt oder indirekt aufgenommen werden kann.

Was die Grundlagenforschung bringen soll: Mit Hilfe der Ergebnisse der Forschungsfahrt durch das Team um Prof. Dr. Gesine Witt und Prof. Dr. Christian Laforsch können Eintragsquellen (Qualität) und Höhe (Quantität) sowie das Risiko der Schadstoffbelastung des Sediments abgeschätzt werden. Dem Ziel, die Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) von 2008 umzusetzen, käme die Forschergruppe durch ihre Grundlagenforschung einen entscheidenden Schritt näher.

Kontakte:

HAW Hamburg
Fakultät Life Sciences
Prof. Dr. habil. Gesine Witt
Tel. +49 157 313 60 814
gesine.witt@haw-hamburg.de

ALDEBARAN Marine Research & Broadcast
Dipl.-Biol. Frank Schweikert
Tel. +49 40 325 721-13
frank.schweikert@aldebaran.org

Weitere Informationen:

http://www.haw-hamburg.de/aktuell/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail/a...
http://aldebaran.org/

Dr. Katharina Jeorgakopulos | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Blut dank neuer Technik
14.12.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Neue Chancen für den Tierschutz: Effizientes Testverfahren zum Betäubungsmittel-Einsatz bei Fischen
14.12.2018 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics