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Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016

Ein neuartiges Serum, das Wimpern zum Wachsen bringt, wurde am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm entwickelt. Es ist wesentlich günstiger als herkömmliche Wimpernseren, sehr gut verträglich und zudem ein reines Naturprodukt. Für die hervorragende Forschung im Rahmen Ihrer Bachelorarbeit erhielt Mine Kaja einen SEPAWA-Förderpreis.

Längere und dichtere Wimpern – Dies sind Nebeneffekte von Augentropfen, die in der Augenheilkunde zur Behandlung des grünen Stars eingesetzt werden. Hervorgerufen wird das Haarwachstum durch Prostaglandin, ein Gewebshormon, das den Augeninnendruck senkt.


Mit dem pflanzlichen Wirkstoff wachsen Wimpern deutlich stärker – bisher ohne erkennbare Nebenwirkungen.

Fraunhofer IAP

In der Kosmetikindustrie erweckte diese Nebenwirkung großes Interesse. Seither sind Pflegeprodukte für Wimpern mit Prostaglandinen in abgewandelter Form erhältlich. Sie versprechen, dass nach 30 Tagen die Wimpern um ca. 80 Prozent länger und dichter sind. Kritische Stimmen raten jedoch zur Vorsicht im Umgang mit diesen Kosmetika, denn gelangt das Mittel in die Augen, kann es den Augeninnendruck senken. Zudem sind Rötungen und ein Brennen der Augen sowie Verfärbungen der Wimpern und des Augenlids möglich.

Dr. Joachim Storsberg und sein Team vom Fraunhofer IAP haben daher eine kosmetische anwendungsspezifische Zusammensetzung entwickelt, deren Wirkstoff rein pflanzlich ist. »Unsere Arbeiten zeigen, dass die neue Formulierung Ergebnisse liefert, die vergleichbar mit denen von Prostaglandinprodukten sind.

Zwar wachsen die Wimpern etwas langsamer, dafür konnten wir bisher aber keine Nebenwirkungen verzeichnen«, erklärt Storsberg, der am IAP die Abteilung »Biomaterialien und Healthcare« leitet. Welcher Naturstoff es ist, bleibt vorerst geheim. »Gerade sind wir dabei, unsere Verfahren zur optimalen Anwendung zu optimieren. Zudem entwickeln wir noch weitere naturbasierende Alternativen zu den Prostaglandin-Präparaten. Projektpartner sind willkommen, da wir auch Auftragsentwicklungen durchführen«, so Storsberg.

Die Studentin der Chemie-und Pharmatechnik der Beuth Hochschule für Technik Berlin Mine Kaya hatte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit in Storsbergs Abteilung potenzielle Applikationssysteme für Wimpernseren sowie Anti-Aging-Anwendungen für die Augenpartie entwickelt und untersucht.

Von der Vereinigung der Seifen-, Parfüm-, Kosmetik- und Waschmittelfachleute SEPAWA wurde sie mit dem SEPAWA-Förderpreis ausgezeichnet. Sie erhielt den dritten Platz in der Kategorie »Herausragende Absolventen mit Bachelor-Abschluss«. Mit dem Programm fördert die SEPAWA den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

Das Fraunhofer IAP in Potsdam-Golm ist spezialisiert auf Forschung und Entwicklung von Polymeranwendungen. Es unterstützt Unternehmen und Partner bei der maßgeschneiderten Entwicklung und Optimierung von innovativen und nachhaltigen Materialien, Prozesshilfsmitteln und Verfahren. Neben der umweltschonenden, wirtschaftlichen Herstellung und Verarbeitung von Polymeren im Labor- und Pilotanlagenmaßstab bietet das Institut auch die Charakterisierung von Polymeren an. Synthetische Polymere auf Erdölbasis stehen ebenso im Fokus der Arbeiten wie Biopolymere und biobasierte Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Anwendungsfelder sind vielfältig: Sie reichen von Biotechnologie, Medizin, Pharmazie und Kosmetik über Elektronik und Optik bis hin zu Anwendungen in der Verpackungs-, Umwelt- und Abwassertechnik oder der Automobil-, Papier-, Bau- und Lackindustrie. | Leitung: Prof. Dr. Alexander Böker

Dr. Sandra Mehlhase | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP
Weitere Informationen:
http://www.iap.fraunhofer.de

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