Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht ohne Folgen: Stress vor der Geburt beeinflusst Altern und Krankheitsrisiko

13.03.2012
Stress in der Schwangerschaft kann negative Folgen für das Ungeborene haben, aber auch sein späteres Leben nachhaltig beeinflussen.

Wie sich Stress auf die Alterung des Gehirns und dessen Anfälligkeit für altersbedingte Erkrankungen (z.B. Schlaganfall) auswirkt, wird in einem von der Europäischen Union mit drei Millionen Euro geförderten Projekt untersucht.

Forscher aus Europa und den USA prüfen, ob psychischer Stress, die Gabe von Stresshormonen bei drohender Frühgeburt oder Mangelernährung der Mutter die Verarbeitung von Stresssignalen im Gehirn des Kindes langfristig verändert. Zwei Forschungsgruppen des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena sind am BrainAge-Projekt beteiligt.

Bereits während der Schwangerschaft bekommt das Ungeborene schon viel mit. Es nimmt Vibrationen, Licht und gedämpfte Geräusche wahr, merkt aber auch, ob seine Mutter glücklich oder stark gestresst ist.

Beschleunigt sich z.B. der Herzschlag der Mutter oder steigt ihr Blutdruck an, dann kommt es zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Glucocorticoiden), die über die Nabelschnur auch an das Baby weitergegeben werden und bei ihm ebenfalls Stress hervorrufen. Aktuelle Studien zeigen, dass Störungen während der Schwangerschaft (pränataler Stress), wie psychischer Stress, Mangel- und Fehlernährung der Mutter oder die medikamentöse Einnahme von Stresshormonen (Cortison), den späteren Gesundheitszustand des heranwachsenden Menschen direkt beeinflussen und das Risiko für altersbedingte Krankheiten (z.B. Arteriosklerose, Diabetes, Demenz und Schlaganfall) erhöht. Im Mutterleib werden also bereits die Weichen für das weitere Leben gestellt und die Veranlagung für bestimmte Krankheiten geprägt.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena wollen nun - zusammen mit fünf europäischen Partnern in Deutschland, Belgien, Italien, Niederlande und Österreich und zusätzlich in den USA - untersuchen, wie sich Stress während der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Gehirn auswirkt und welche Hinweise sich daraus auf die Alterung des Gehirns und dessen Anfälligkeit für alters-assoziierte Erkrankungen ergeben.

Die Forschergruppen untersuchen - vergleichend in verschiedenen Säugetierarten von Maus und Ratte über Pavian bis hin zum Mensch - den Einfluss von Cortison/Glucocorticoiden bei drohender Frühgeburt, psychischem Stress und Fehlernährung der Mutter während der Schwangerschaft auf das Altern der Nachkommen. Im Fokus steht dabei das Risiko des Nachwuchses, im Alter einen Schlaganfall zu erleiden. „Diese vergleichende Betrachtung so unterschiedlicher Probandengruppen - von Frühchen über Senioren, die im Krieg zu Hungerszeiten geboren wurden, hin zu Nagetieren und Affen - ist einzigartig“, erklärt Dr. Jan P. Tuckermann vom FLI, “erlaubt sie uns doch so eine direkte Übertragung von Ergebnissen aus Tierexperimenten auf die Verhältnisse im Menschen.“ Seine Gruppe erforscht, wie körpereigene Glucocorticoide zum pränatalen Stress im Mutterleib mit beitragen und welche molekularen Mechanismen dabei eine Rolle spielen. Dazu untersuchen sie genetisch veränderte Mäuse mit eingeschränkter Glucocorticoid-Wirkung.

Die zweite Gruppe am FLI um Dr. Matthias Platzer, Leiter der Genomanalyse, untersucht, wie pränataler Stress die Genaktivität des Stresshormon-Rezeptors, den Glucocorticoid-Rezeptor (GR), beeinflusst. Dabei wird gezielt nach Änderungen im DNA-Methylierungsmuster (molekularer Schalter für die "Lesbarkeit" und "Nicht-Lesbarkeit" bestimmter Gen-Abschnitte) des GR-Gens geschaut. „Mit dem BrainAge-Projekt wollen wir epigenetische Effekte von mütterlichem Stress auf die Erbanlagen ihrer Nachkommen identifizieren“, berichtet Dr. Platzer. „Wir untersuchen, ob die Veränderungen zwischen den verschiedenen Säugetierarten vergleichbar sind und ob sich daraus vielleicht sogar diagnostische Marker für uns Menschen ableiten lassen.“

Die zu erwartenden Ergebnisse werden dabei helfen, die molekularen Ursachen von vorgeburtlichem Stress besser zu verstehen und mögliche Risiken für altersbedingte Erkrankungen abzuleiten; ein wichtiger Punkt, um frühzeitig Maßnahmen zur Prävention einleiten zu können. Die beste Vorsorge ist jedoch, ungünstige Faktoren bereits während der Schwangerschaft völlig zu reduzieren.

„Wenn die Zeit im Mutterleib so wichtig für die Ausprägung von Veranlagungen für Gesundheit und Krankheit im späteren Leben ist, dann steht das im Widerspruch zu dem verzerrten Modebewusstsein und Schlankheitswahn während der Schwangerschaft oder dem psychischen Stress und Druck im Berufsleben, dem Schwangere in unserer Gesellschaft heute mitunter ausgesetzt sind,“ merken Platzer und Tuckermann dazu kritisch an.

Das internationale Forschungsprojekt BrainAge wird von Prof. Matthias Schwab vom Universitätsklinikum Jena (UKJ) koordiniert und von der Europäischen Union mit drei Millionen Euro gefördert. Davon stehen 627.000 Euro den beiden am Projekt beteiligten Gruppen des FLI unter Leitung von Dr. Matthias Platzer und Dr. Jan P. Tuckermann zur Verfügung, mit denen auch 2 neue Doktorandenstellen finanziert werden.

Kontakt:

Dr. Kerstin Wagner
Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI)
Beutenbergstr. 11, 07745 Jena
Tel.: 03641-656378, Fax: 03641-656335, E-Mail: presse@fli-leibniz.de
Hintergrundinfo
Das Leibniz-Institut für Altersforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena ist das erste deutsche Forschungsinstitut, das sich seit 2004 der biomedizinischen Altersforschung widmet. Über 330 Mitarbeiter aus 25 Nationen forschen zu molekularen Mechanismen von Alterungsprozessen und altersbedingten Krankheiten. Näheres unter http://www.fli-leibniz.de.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Dr. Kerstin Wagner | idw
Weitere Informationen:
http://www.fli-leibniz.de/
http://www.klinikum-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics